Anti-Drogen-Aktion: Klassenzimmer in Schillingsfürst wird zum Rausch-Parcours | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 20.03.2026 14:00

Anti-Drogen-Aktion: Klassenzimmer in Schillingsfürst wird zum Rausch-Parcours

Die neunte Klasse der Grund- und Mittelschule Schillingsfürst meistert den Parcours mit Rauschbrille. (Foto: Leonie Lang)
Die neunte Klasse der Grund- und Mittelschule Schillingsfürst meistert den Parcours mit Rauschbrille. (Foto: Leonie Lang)
Die neunte Klasse der Grund- und Mittelschule Schillingsfürst meistert den Parcours mit Rauschbrille. (Foto: Leonie Lang)

Gerade aus gehen? Für viele Neuntklässlerinnen und -klässler war das schwieriger als gedacht. Mit Rauschbrillen auf der Nase tasteten sie sich durch einen Parcours aus Hütchen und Klebeband. Was wie ein Spiel wirkt, hatte einen ernsten Hintergrund: das Betrunkensein simulieren, um Risiken zu erkennen.

Siegberth Holter, Ehrenvorsitzender des Motor-Sport-Clubs Schillingsfürst-Frankenhöhe im ADAC, trat Anfang 2025 an die örtliche Grund- und Mittelschule heran. Gerne könne sich die Bildungseinrichtung für Veranstaltungen beim ADAC bewerben. Konrektor Karl-Eugen Zobel nahm daraufhin Kontakt zur Abteilung „Verkehrssicherheitsprogramme” des ADAC in Nürnberg auf und buchte die Aktion für die siebten bis neunte Klasse.

Alkohol, Cannabis und Medikamente beeinträchtigen

Die ADAC-Trainer Pierre Pelz und Asmir Cucak vermittelten den Jugendlichen bei Theorie und Praxis, wie stark Alkohol, Cannabis oder auch Medikamente die Wahrnehmung und Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen. Mithilfe spezieller Brillen, die verschiedene Promillewerte nachahmen, wurden Gleichgewichtsverlust, Doppeltsehen und Koordinationsprobleme simuliert - Effekte wie sie bereits bei rund 0,8 bis 1,0 Promille auftreten können.

Nach dem Selbstversuch im Parcours ging es um Fakten: Wie lange dauert es, bis Alkohol abgebaut ist? Warum verlängert sich der Bremsweg? Und weshalb können Schmerzmittel oder andere Substanzen die Wirkung zusätzlich verstärken? Auch über K.o.-Tropfen und verantwortungsbewusstes Verhalten auf Partys wurde gesprochen.

18- bis 24-Jährige besonders gefährdet

Die Zahlen zeigen, warum Präventionsarbeit wichtig ist: 18- bis 24-Jährige gelten im Straßenverkehr weiterhin als besonders gefährdet. Nach den Statistiken des ADAC verunglückten 2019 bundesweit über 59.000 junge Erwachsene dieser Altersgruppe, 363 kamen ums Leben. Ihr Risiko ist im Vergleich zur Gesamtbevölkerung deutlich erhöht. Besonders die Naivität im Umgang mit leichteren Drogen sieht Asmir Cucak als deutliche Gefahr für junge Erwachsene.

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Genau hier setzt das 90-minütige Programm an, das für Schulen kostenfrei angeboten wird. Ziel ist es, Verantwortungsbewusstsein zu stärken und klar zu vermitteln, dass die Teilnahme am Straßenverkehr unter dem Einfluss von Rauschmitteln nicht geht. „Das Verkehrsvolumen hat im Vergleich zu früher deutlich zugenommen. Umso wichtiger ist, bei den Jugendlichen früh mit der Verkehrserziehung anzusetzen, da wir die Mobilität auf dem Lande brauchen”, betont Siegberth Holter. Bereits Mitte Mai kommen die ADAC-Moderatoren erneut nach Schillingsfürst, um auch die Grundschulkinder für Gefahren, etwa im Umfeld von Lastwagen, zu sensibilisieren.

Für die Schülerinnen und Schüler war der Selbstversuch mehr als nur eine Unterrichtseinheit. Viele zeigten sich überrascht, wie schwer selbst einfache Aufgaben unter Rauscheinfluss fallen. Die Botschaft des Tages war klar: Wer fährt, bleibt nüchtern. Ein Satz, der bei den Jugendlichen nachhallt, die mit der Rauschbrille gerade noch so das Ziel erreicht haben.


Von Leonie Lang
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