Janine Krilles hat mit ihrer Arbeit als Doula ihre Berufung gefunden. Sie begleitet Frauen während der Schwangerschaft und im Wochenbett. Besonders wichtig ist es ihr, werdenden Müttern die Angst vor der Geburt zu nehmen.
Janine Krilles ist selbst Mutter von drei Kindern. Ihr ältester Sohn kam vor achteinhalb Jahren auf die Welt. Auch wenn in der Rückschau Manches verschwommen sein mag, hat sich vor allem eine Erinnerung eingeprägt: das Gefühl des Ausgeliefertseins. Dabei hatte sie sich eigentlich „einigermaßen vorbereitet” gefühlt auf die Geburt – zumal sie durch eine Ausbildung zur Krankenpflegerin viele Einblicke in den Krankenhausbetrieb, auch in die Abläufe auf der Früh- und Neugeborenenstation, gesammelt hatte.
Die Geburt lief dann ganz anders, als sie es sich ausgemalt hatte. Der Schmerz kam mit großer Wucht, es folgten etliche Interventionen. Es sei viel auf sie eingeredet worden, und sie habe alles mit sich geschehen lassen, erzählt Janine Krilles. Auch als ihr Sohn dann endlich da war, war nicht alles gut. Der Kleine musste beatmet werden und verbrachte einige Tage auf der Neonatologie. Zudem blieben die Schmerzen der jungen Mutter heftig. Es stellte sich heraus, dass Plazentareste in der Gebärmutter verblieben waren. „Ich konnte die erste Zeit mit meinem Baby überhaupt nicht genießen”, sagt die 30-Jährige.
Das traumatische Geburtserlebnis und die schwierige Zeit nach der Entbindung habe sie eine Weile von sich weggeschoben. Doch als sie ein paar Jahre später wieder schwanger wurde, war die Frage, wie es anders – besser – hätte laufen können, plötzlich sehr präsent.
Die junge Familie war in der Zwischenzeit nach Brasilien ausgewandert. Für die Geburt ihres zweiten Kindes entschied sich Janine Krilles für eine Alleingeburt. Dahinter stand zum einen der Wunsch nach Selbstbestimmung. Zum anderen hatten die Umstände in den Krankenhäusern vor Ort – fernab des europäischen Standards – die Entscheidung beeinflusst. Als Janine Krilles davon erzählt, stellt sie voran, dass Alleingeburten immer ein Risiko bergen und der Grat zwischen Selbstbestimmung und Gefahr schmal sei.
Die Geburt ihres zweiten Sohnes verlief aber gut und habe sie „so viel stärker gemacht”. Diesmal habe sie ihren Körper ganz anders wahrnehmen und auf seine Signale reagieren können. Die Minuten unmittelbar nach der Geburt waren „wie im Bilderbuch”. Dennoch sagt sie: „Das war nicht ungefährlich.” Sie hätte sich damals eine Hausgeburtshebamme oder Doula an ihrer Seite gewünscht. Für die Entscheidung zur Alleingeburt sei ihr viel Unverständnis entgegengeschlagen. Bei all den Reaktionen sei ihr aber auch stark bewusst geworden, wie negativ das Thema Geburt insgesamt behaftet sei.
Als die Familie 2023 nach Deutschland zurückkehrte, reifte mehr und mehr der Wunsch heran, genau das zu ändern. Ihr sei es wichtig, aufzuklären und Frauen zu bestärken, ihren Körper kennenzulernen und dessen Kraft einzusetzen, erklärt Janine Krilles. Frauen sollen erfahren dürfen: „Geburt kann etwas Schönes sein.”
Sie machte eine mehrmonatige Ausbildung an der Doula-Akademie in Köln. Heute praktiziert Janine Krilles in Rothenburg und Umgebung als Doula. Zu ihren Angeboten gehören unter anderem Schwangerschaftsmassagen, Meditationen, das Vermitteln von Entspannungs- und Atemtechniken, Geburtsvorbereitung und Wochenbettbegleitung.
Eine Geburt hat sie noch nicht begleitet – sie kann es sich aber gut vorstellen, wenn ihre Kinder etwas größer sind und unter der Voraussetzung, dass eine medizinische Fachkraft dabei ist. Doulas sollen und wollen Hebammen oder anderes medizinisches Fachpersonal nicht ersetzen, betont sie. Eine Doula könne aber eine wertvolle emotionale und mentale Ergänzung sein. Krilles verweist auf eine Studie mit rund 15.000 Teilnehmerinnen. Dieser zufolge wurden für Geburten mit einer professionellen Doula unter anderem eine 50 Prozent geringere Wahrscheinlichkeit für einen Kaiserschnitt und eine um 25 Prozent verkürzte Geburtsdauer festgestellt.
Vor acht Monaten kam Janine Krilles jüngster Sohn in einem Geburtshaus auf die Welt. Die Geburt sei eine wunderschöne Erfahrung gewesen. Sie durfte ein weiteres Mal erleben, auf ihre Intuition zu hören und auf ihre Stärke zu vertrauen.
Der Begriff „Doula“ (ausgesprochen: „Dula”) kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet „Dienerin der Frau“. Doulas sind nichtmedizinische Helferinnen, die Frauen während der Schwangerschaft, der Geburt und im Wochenbett zur Seite stehen.