„Sitz“, „Fuß“, „Platz“, „Such“, „Bleib“: Das sind wohl die gängigsten Kommandos, die Menschen ihren Hunden beibringen. Aber kennen Sie auch „Do it!“? Das ist eine neue Art der Ausbildung, die sich mehr und mehr dazugesellt. Das Prinzip: „Do as I do!“ Also: „Tue das, was ich tue!“ Experten aus Wissenschaft und Praxis erklären, wie das funktioniert und was es beiden Seiten bringt.
„Wenn man sich anschaut, wie Hunde miteinander umgehen, sieht man, dass sie sehr sozial reagieren und agieren. So wie wir Menschen ja eigentlich auch am allermeisten lernen, indem ich ein erwachsenes Vorbild habe, an dem ich mich orientiere“, sagt Kate Kitchenham, Zoologin, Verhaltensbiologin und Kulturanthropologin.
In Hundeschulen werde Hundebesitzern dieses soziale Lernen häufig jedoch noch gar nicht beigebracht. „Was sehr schade ist, weil es eigentlich die natürliche Form des Lernens bei Hunden ist“, so die Autorin („Hundeforschung aktuell“). Letztendlich verhelfe es dazu, Fehler zu vermeiden, die lebensgefährlich sein können.
Soziales Lernen „bedeutet, dass man von einem Sozialpartner Informationen aufnimmt, die dann zu einer Veränderung des eigenen Verhaltens in zukünftigen vergleichbaren Situationen führen“, erläutert Zoologe und Verhaltensforscher Udo Gansloßer. Dazu gehöre nicht nur Lernen durch Beobachtung: Auch im Spiel werden etwa soziale Gepflogenheiten oder Kommunikation gelernt.
„Hunde sind sozial sehr hochstehende Tiere, die in vielerlei Hinsicht sozial lernen“, so der Privatdozent für Zoologie an der Uni Jena und der Uni Vechta. Im Bereich des Beobachtungslernens gehört dazu etwa das Umgehen von Hindernissen und die selektive Nachahmung:
„Bei der Methode „Do as I do” führt der Mensch seinem Hund eine Handlung vor, und der Hund soll dies nachmachen, nachdem er das Signal „Do it” bekommen hat. Sobald er das Prinzip verstanden hat, kann er es beliebig übertragen und lernt dadurch blitzschnell und nachhaltig neue Aufgaben“, heißt es in dem Buch „Do as I do“ der beiden Forscherinnen Claudia Fugazza und Fumi Higaki, das Kate Kitchenham übersetzt und ergänzt hat.
Zudem gibt es noch die Methode „Model Rival“. Sie führt dazu, dass der Hund etwas, was ein Mensch oder Hund vorgeführt hat, schon deshalb nachmacht, weil der Vorführer danach gelobt wurde oder ein Leckerchen bekam. Der Lernende möchte dabei ebenfalls Aufmerksamkeit und Belohnung erhalten - was zu schnellerer Nachahmung und Verständnis führt.
Laut Fugazza und Higaki von der Universität Budapest gibt es eine Grundlagenphase und ein „Do-As-I-Do“-Training. Beide sind notwendig, damit der Hund das Prinzip des Nachahmens verstehen lernt und man ihm neue Verhaltensweisen beibringen kann.
Wichtig ist, dass er bereits vorher sechs unterschiedliche Aktionen beherrscht und darauf tatsächlich auch nur per Hörzeichen reagiert. Von den sechs Verhaltensweisen sollten drei objektbezogen sein - wie etwa das Kinn auf eine Stuhlfläche legen, eine Wasserflasche umschubsen oder auf einen Hocker steigen.
Svenja Tworek, die mit ihrer Mischlingshündin Yuna zig „Do-it!“-Übungen beherrscht und auf Instagram präsentiert, erklärt das weitere Vorgehen folgendermaßen:
„Beim Training gilt grundsätzlich: Das Neue kommt vor das Alte“, so Tworek. Beispiel: Das alte Kommando ist „Sitz“, das neue „Do it“. Das heißt: Ich setze mich hin, sage danach „Do it“ und „Sitz“. Kurzum: Hinsetzen (vormachen), wieder aufstehen (Ausgangsposition), Signale sagen („Do it“ und „Sitz“).
„Beide Signale müssen schnell hintereinander gesagt werden, damit der Hund es verknüpfen kann. Also ohne Pause dazwischen, nicht warten“, unterstreicht die Trainerin. Weil der Hund dadurch dann mit der Zeit versteht, dass auf „Do it“ immer das bekannte Signal folgt.
Also wird er zukünftig schon bei „Do it“ wissen, was als Nächstes kommt, ohne dass ich es sagen muss. „Aber dazu muss erst die Verknüpfung stattfinden, und dafür muss beides direkt nacheinander gesagt werden.“
Irgendwann wird es beim Hund „klick“ machen, meint Kate Kitchenham. „Dann mache ich es vor, gehe auf meine Ausgangsposition, sage nur noch „do it” - und er setzt sich.“
„Ganz pragmatisch: Der Hund muss die sechs Signale wirklich auf Hörzeichen kennen“, sagt Hundetrainerin Svenja Tworek. Das heißt, man stellt sich mit dem Rücken zum Hund und nennt das Kommando - und er reagiert. „Daran scheitern schon viele“.
Außerdem sollte er über eine gewisse Impulskontrolle verfügen. Das heißt, dass er nicht herumspringt, sondern in Ruhe sitzen oder stehen bleibt und sein Herrchen oder Frauchen anschaut.
Kate Kitchenham betont, dass es „ziemlich großen Ehrgeiz und Disziplin“ aufseiten des Menschen brauche: „Diese Methode erfordert, dass man sehr detailliert vorgeht. Das ist nicht für jedermann was. Man muss super geduldig sein und das Trainingsprogramm Schritt für Schritt aufbauen.“
„Zu den Basics gehört, dass der Hund Interesse hat, etwas mit dir zusammen zu machen, dass er spielerisch viel interagiert, sich leicht anzünden und motivieren lässt und interessiert ist, etwas zu tun“, so Kitchenham.
„Es zeigt uns, wie gut Hunde uns beobachten und wie sehr sie auf das Zusammenleben mit Pseudo-Artgenossen angepasst sind“, sagt Udo Gansloßer , der „Hundeforschung aktuell“ zusammen mit Kitchenham verfasst hat. Die Methode werde jedoch auch gezielt zur Verbesserung der Beziehung zum Menschen eingesetzt.
„Gerade Hunde, die sonst ihre Menschen im Alltag keines Blickes würdigen, merken mit dieser Methode sehr schnell, dass es sich lohnt, ihren Menschen doch besser im Blick zu haben, weil der manchmal plötzlich komische Dinge tut und sich dolle freut, wenn der Hund das nachmacht“, so der Experte. Weniger geeignet sei „Do it“ dagegen für Hunde, die aus Bindungs- oder anderer Unsicherheit ohnehin den Blick nicht von ihren Menschen lassen.
Ob dieses Training besser für die Bindung zueinander ist als andere Übungen - etwa das Dummy-Training - lässt sich nach Ansicht von Kate Kitchenham so pauschal nicht sagen. „Das ist eine andere Ebene, dort geht es auch um Kommandos auf Distanz und Zuverlässigkeit.“
Letztendlich sei es vor allem wichtig, dass man gemeinsam Freude und Erfolgserlebnisse hat. „Etwas zu leisten und sich daran zu freuen, ist ein Riesengewinn für beide und stärkt die Bindung“, so Kitchenham.
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