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Veröffentlicht am 09.06.2026 03:31, aktualisiert am 09.06.2026 15:33

Mit den Patienten im Bett: Münchner Klinik zieht um

Vom Frühchen bis zum Palliativpatienten: Alle kommen durch einen eigens gebauten, tunnelartigen Gang in das neue Klinikgebäude. (Foto: Sven Hoppe/dpa)
Vom Frühchen bis zum Palliativpatienten: Alle kommen durch einen eigens gebauten, tunnelartigen Gang in das neue Klinikgebäude. (Foto: Sven Hoppe/dpa)
Vom Frühchen bis zum Palliativpatienten: Alle kommen durch einen eigens gebauten, tunnelartigen Gang in das neue Klinikgebäude. (Foto: Sven Hoppe/dpa)

Schützend legt die Ärztin die Hand über Emilias Augen. Das Licht ist zu grell für das Frühgeborene, das in seinem Wärmebettchen gerade durch den eigens gebauten Verbindungsgang vom alten Hauptgebäude der München Klinik Harlaching in den benachbarten Neubau gerollt wird. Das Krankenhaus, das als Einrichtung der höchsten Versorgungsstufe auch Schwerstkranke und Unfallopfer behandelt, zieht dieser Tage um: mit Sack und Pack, im laufenden Betrieb. 

Neben Emilia werden noch rund 280 weitere Patientinnen und Patienten durch den klimatisierten, tunnelartigen Gang mit seinen schwarzen Wänden und dem erschütterungsfreien Boden in ihre neuen Zimmer gelangen - manche zu Fuß, manche im Rollstuhl, viele im Bett. Zwei Tage sind dafür vorgesehen. Damit das klappt, ist alles minutiös durchgetaktet. Am Dienstagmorgen Punkt 6.00 Uhr in der Früh ging es los.

Extrem-Frühchen werden von einem ganzen Team begleitet

Den Auftakt macht die Kindernotaufnahme. Sie ist vorübergehend von der Leitstelle abgemeldet, kann aber dennoch jederzeit kleine Patienten versorgen, die etwa von ihren Eltern direkt gebracht werden. Dafür ist zunächst sowohl im Alt- wie im Neubau je ein Team parallel im Einsatz. 

Aus der Kinderintensivstation werden bald darauf drei extrem früh geborene Säuglinge jeweils einzeln in den Neubau gefahren. Ihr Zustand ist fragil. Sie werden deshalb nicht nur von erfahrenen Intensivpflegekräften begleitet, sondern auch von einem Neugeborenenspezialisten mitsamt Notfallkoffer. Damit selbst im Aufzug eine umgehende Behandlung sichergestellt ist. 

Dem Chefarzt der Klinik für Neonatologie, Marcus Krüger, ist die Anspannung durchaus anzumerken. Seine drei gefährdetsten Patienten sind sämtlich noch keine drei Wochen alt und kamen weit vor der Zeit zur Welt. „Allein durch den Gang fahren, das mag so ein 800-Gramm-Kind nicht“, betont Krüger. Doch auch wenn der Transport die Kinder belaste, behielten sie keine bleibenden Schäden zurück.

Auf die Minute geplante Zeit-Slots für jede Station

Während des Umzugs der Extrem-Frühchen darf der Verbindungsgang von niemand anderem genutzt werden. Auch die anderen Stationen haben jeweils eigene Zeit-Slots, damit es nicht zu Zusammenstößen in dem engen Gang kommt. Das Material wird ohnehin über Außenaufzüge nach draußen gebracht und per Lastwagen die wenigen Meter zum Neubau gefahren. „Das ist gut geplante Hochleistungs-Präzisionsarbeit“, lobt Krüger.

Emilia zum Beispiel wird plangemäß um 7.40 Uhr von der Sauerstoffversorgung an der Zimmerwand abgestöpselt und auf Flaschensauerstoff umgestellt. Um Punkt 7.45 Uhr beginnt der Transport. Das im März viel zu früh geborene Mädchen ist inzwischen über den Berg und darf bald nach Hause. Dennoch ist Emilias Mutter froh, dass ihre Tochter auf dem Weg in ihr neues Klinikzimmer von jener Ärztin begleitet wird, die die Kleine seit der ersten Minute kennt - und sofort bemerkt, dass ihr das Licht zu hell ist.

Neue Abläufe für das komplette Personal 

Auch rund 1.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ziehen in den 295 Millionen Euro teuren Neubau um. Sie alle müssen sich an neue Wege, neue Abläufe und neue Prozesse gewöhnen. Das Personal hatte 3.500 Umzugskartons gepackt, dazu kommen aktuell 500 Rollwannen für den Transport etwa von Infusionstechnik oder Verbänden und 100 Kühlboxen für temperaturempfindliche Medikamente. Auch etwa die Hälfte der Diagnostikgeräte - etwa für einen Ultraschall - zieht mit um, im Gegensatz zu den allermeisten Möbeln und Computern.

Erika Libersky gehört zu den ersten Erwachsenen, die mit ihrem Koffer auf dem Bett durch den Tunnel geschoben werden - in der einen Hand eine Wasserflasche, in der anderen eine Vase mit einer gelben Rose. „Es hat Zahn um Zahn ineinander gegriffen“, lobt die 91-Jährige hinterher in ihrem neuen Zimmer. Sie ist ganz angetan, wie reibungslos der Umzug geklappt hat und wie engagiert ärztliches Personal und Pflegekräfte sich kümmerten. „Denn ihre Arbeit haben die nebenbei auch noch zu machen.“

Der aufgeschlossenen Seniorin mit den hellwachen Augen wurde der Umzug schon bei ihrer Aufnahme in der Palliativstation angekündigt. Dort werden unheilbar kranke Menschen versorgt. Oberärztin Birgit Scheidt ist erleichtert, als ihre Schützlinge wohlbehalten in den neuen, besonders wohnlich ausgestatteten Räumlichkeiten angekommen sind. Auch weil alle stabil waren und niemand umziehen musste, der akut im Sterben liegt. Und auch, weil sie den zeitlichen Rahmen einhalten konnten. „Von 6.45 Uhr bis 7.26 Uhr - wir waren sogar vier Minuten früher fertig als geplant.“

© dpa-infocom, dpa:260609-930-193199/4


Von dpa
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