Im Markt Nordheimer Dorf Kottenheim befindet sich ein Geschäft für Babybedarf und Kindersachen. Alles aus zweiter Hand. Ungewöhnlich ist die Lage des Ladens nur dann, wenn man die Geschichte der Eigentümerin Aike Strauß nicht kennt. Diese ist eng mit ihren Kindern verbunden.
Ihr Weg zur Inhaberin eines Secondhand-Ladens begann vor etwa zehn Jahren. 2010 wurde Sohn Adrian geboren, das zweite Kind. „Es war ein Kältewinter und er kam viel zu früh auf die Welt. Er war zu klein und zu leicht. Ihm hat nichts gepasst“, erinnert sich die gebürtige Uffenheimerin. Damals fuhr sie oft nach Berolzheim, dort habe es einen Secondhand-Laden für Kleinkinder gegeben. „Es war eine tolle Sache. Zu klein gewordene Sachen für die 2007 geborene Tochter Felizia gab ich ab und kaufte andere für meinen Sohn ein. Im Wesentlichen war es ein Tausch.“ Doch der Laden dort wurde im Januar 2012 aufgeben.
Dass Bedarf da ist, wusste Aike Strauß von Müttergruppen. Die Fränkin unterstützte schon immer den Secondhand-Gedanken – gerade bei Kinderbekleidung. Schließlich sind die Sprösslinge schnell aus den Sachen herausgewachsen.
Aike Strauß pilgerte damals zu allen möglichen Basaren der Umgebung. Irgendwann sagte sie sich: „Entweder mache ich jetzt selbst einen Laden auf oder ich mache es nie mehr.“ Ihre Idee war es, den Müttern auch außerhalb der saisonalen Basare eine günstige Ein- und Verkaufsmöglichkeit zu geben und die eigene Haushaltskasse damit aufzubessern. Die Sachen für die Kleinen und Kleinsten haben ihr zudem schon immer gut gefallen.
Ihr Ehemann Bastian Strauß unterstützte sie. Er baute eine Schafscheune teilweise aus. Im Juli 2012 war die Eröffnung. „2. Hand-Kinderland – Secondhandladen rund ums Kind“ nennt er sich bis heute. Zunächst tummelten sich die Kundinnen noch im ersten Stock der Scheune auf 80 Quadratmetern, während unten Maschinen und Holz lagerten. Das war nicht optimal, gerade für Mütter mit Kinderwagen. Ebenerdig sollte es sein und wurde es einige Jahre später auch.
Ansonsten ging Aike Strauß sehr professionell an den Start: Sie zeichnete jede Ware mittels Strichcode-Programm aus. Ein Lesegerät erspart bis heute sehr viel Arbeit: Ein Knopfdruck – und sofort erscheint, ob das Stück verkauft wurde und welche Mutter ausbezahlt werden muss. 30 Prozent des Verkaufspreises behält sie ein.
Er entwickelte sich zum Treffpunkt für junge Mütter.
Zu Beginn arbeitete Aike Strauß noch halbtags in einer Bank. 2014 kündigte sich dann unverhofft und zur großen Freude der Eltern nochmals Nachwuchs an. Tochter Mila wurde 2015 geboren. Drei Kinder, Job und Laden – ein wenig zu viel für eine Mutter.
Der Bankjob wurde aufgegeben, die Familie ging jetzt aufs Ganze: 2016 zieht der Laden nach einem eigenhändig gestemmten Umbau einen Stock tiefer und hat seitdem 150 Quadratmeter zur Verfügung. „Er entwickelte sich mehr und mehr zum Treffpunkt für junge Mütter“, erzählt Aike Strauß von der hervorragenden Mund-zu-Mund-Propaganda. Die Beschäftigung mit Kindersachen machte ihr weiterhin Spaß, stets sieht sie „die süßen Babys“ und ist mit den Mini-Kleidungsstücken umgeben. „In meinem Herzen ist Platz für ein weiteres Kind“, dachte sich die erfahrene Mama. Prompt wurde 2023 Tochter Zoe geboren.
Mittlerweile hat Aike Strauß Hunderte von Eltern geholfen und Tausende von Kinderartikeln verkauft. Kleidung für Kinder in den Größen 50 bis 152 gibt es, Schuhe in den Größen von 18 bis 38, aber auch Spielwaren, Autositze, Kinderwagen, CDs, Bücher, Decken, Schnuller, jede Menge Schaukeltiere, kleine Fahrräder und kleine Fahrzeuge für draußen.
Seit Juli vergangenen Jahres vermietet Aike Strauß auch Regale an Hobbykünstlerinnen der Umgebung. Aus Oberscheinfeld, Bad Windsheim, Ermetzhofen, Buchbrunn im Landkreis Kitzingen kommen diese. Geschenk-Basteleien zur Geburt, Taufe, Konfirmation oder andere Herzensangelegenheiten runden das neue Angebot ab. Ergänzend hat sie auch noch einen Händler ins Programm genommen – Gebrauchsteile.
Der Wiederverwertungsgedanke bleibt ihr wichtig. Ein Kleidungsstück, das zwar gebraucht, aber einwandfrei ist, hat für sie besonderen Wert. Erst einmal sollen die Kundinnen das erwerben, was sie brauchen – und dann können sie im Laden kleine Schätze entdecken.
Secondhand darfst du nicht suchen, du musst es
Aike Strauß ist von vielen Sachen aus zweiter Hand begeistert. Manche gebe es heute gar nicht mehr neu, manches herabgesetzte Teil würde die Mama als neues Teil nicht kaufen. „Secondhand darfst du nicht suchen, du musst es finden“, sagt sie.
Im Laufe der Zeit hat Aike Strauß eine Verschiebung beobachtet. Da viele Mütter bereits wieder zur Arbeit gehen, wenn der Nachwuchs ein Jahr alt ist, kommen die Kundinnen nicht zwangsläufig Donnerstag oder Freitagfrüh in den Laden – der Nachmittag ist heute viel belebter.
Als Bankerin hatte sie seinerzeit am Montag, Dienstag und Mittwoch gearbeitet. Der Laden öffnete dann die anderen drei Tage. Heute ist er am Donnerstag von 9 bis 12 Uhr und von 14 bis 18 Uhr geöffnet, am Freitag von 9 bis 12 Uhr und am Samstag ebenfalls von 9 bis 12 Uhr.
Häufig wurde sie schon darauf angesprochen, ob sie nicht auch noch einen Internet-Handel aufmachen möchte. Will sie nicht. Aike Strauß findet es viel Schöner, dass sich die Frauen im Laden begegnen und austauschen. Und sollte sich mal für ein gebrauchtes Teil überhaupt kein Abnehmer finden, wird es einfach nach Uganda oder Rumänien gespendet.