In der Kontroverse um ein Video des israelischen Polizeiministers Itamar Ben-Gvir nach dem Vorgehen gegen die internationale Gaza-Hilfsflotte hat die Bundesregierung das Verhalten des Politikers dem Auswärtigen Amt zufolge kritisiert. Der deutsche Botschafter in Israel, Steffen Seibert, habe für die Bundesregierung unterstrichen, dass die Behandlung der festgehaltenen Aktivisten durch Minister Ben-Gvir „gänzlich inakzeptabel und inkompatibel mit den grundlegenden Werten Deutschlands und Israels ist“, teilte ein Sprecher des Auswärtigen Amts auf Anfrage mit.
Er fügte hinzu, man begrüße ausdrücklich, dass sich der israelische Premierminister und der israelische Außenminister, genauso wie viele andere Stimmen in der israelischen Gesellschaft, klar vom Verhalten Ben-Gvirs distanziert hätten.
Bereit zuvor hatte das Video, das auf Ben-Gvirs X-Account veröffentlicht wurde, international scharfe Kritik ausgelöst. Es zeigt den Minister mit einer Gruppe Anhängern und eine israelische Flagge schwenkend zwischen gefesselten und knienden Aktivisten der internationalen Gaza-Hilfsflotte in der israelischen Hafenstadt Aschdod. „Willkommen in Israel, wir sind hier die Hausherren“, ruft er auf dem Video, auf dem er die Aktivisten auch verspottet.
Israels Außenministerium meldete in der Nacht den vollständigen Stopp der aus 51 Booten bestehenden Gaza-Hilfsflotte. Alle 430 Aktivisten seien auf israelische Schiffe gebracht worden. Ziel der „Gaza Sumud Flotilla“ war es laut den Veranstaltern gewesen, „einen humanitären Korridor einzurichten und Israels illegale Blockade des Gazastreifens zu durchbrechen“.
Seibert zeigte sich in einem Post auf der Plattform X erfreut, dass viele israelische Stimmen Minister Ben-Gvirs Umgang mit den Inhaftierten „ganz klar als das bezeichnen, was er ist: gänzlich inakzeptabel und unvereinbar mit den Grundwerten unserer Länder“.
Sowohl der israelische Außenminister Gideon Saar als auch Regierungschef Benjamin Netanjahu hatten sich zuvor vom Verhalten Ben-Gvirs distanziert. Mehrere europäische Staaten hatten nach dem Vorfall die israelischen Botschafter in ihren Ländern einbestellt.
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