1200 Jahre +5: Dieser Viererpack beschert Ippesheim sein großes Jubiläumsfest | FLZ.de | Stage

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 09.09.2025 12:00

1200 Jahre +5: Dieser Viererpack beschert Ippesheim sein großes Jubiläumsfest

Manuel Krauß, Nicole Blank, Christina Alt und Tommy Neumeister (von links) freuen sich, dass ihr Programm für das nachgeholte Jubiläum so gut ankommt. (Foto: Ulli Ganter )
Manuel Krauß, Nicole Blank, Christina Alt und Tommy Neumeister (von links) freuen sich, dass ihr Programm für das nachgeholte Jubiläum so gut ankommt. (Foto: Ulli Ganter )
Manuel Krauß, Nicole Blank, Christina Alt und Tommy Neumeister (von links) freuen sich, dass ihr Programm für das nachgeholte Jubiläum so gut ankommt. (Foto: Ulli Ganter )

Andere haben vier Musketiere, Ippesheim hat vier junge Leute, die in diesem Jahr Außergewöhnliches auf die Beine stellen. Das Programm für die verspätete Jubiläumsfeier führt zu einer wohl einmaligen Vielzahl von Veranstaltungen im Dorf – und setzt Maßstäbe.

Es gibt ja viele Menschen, die ehrenamtlich Erstaunliches leisten. Was an diesem Quartett aber vor allem verblüfft, ist das Alter: Christina Alt, Nicole Blank, Manuel Krauß und Tommy Neumeister sind zwischen 30 und 35 Jahren alt. Aus ihrer Sicht ist das perfekt so: „Mit 16 oder 20 interessiert man sich noch nicht für die eigenen Wurzeln. Jetzt haben wir vielen Leuten und uns selbst, die die Ferne sehen wollten, die Nähe gezeigt”; erzählt Tommy Neumeister.

Das Projekt drohte zunächst zu scheitern

Aber von Anfang an. Schon 2018 hatte die damalige Bürgermeisterin Dr. Doris Klose-Violette zu einem ersten Treffen mit Blick auf die vor 1200 Jahren erfolgte erste Erwähnung eingeladen. „Wir waren etwa zehn Leute. Irgendwie kamen wir auch nicht über das Ideenstadium hinaus”, erinnern sich die vier.

Das Projekt drohte zu scheitern. Im Heimat- und Weinbauverein, in dem alle vier vertreten sind, trafen sie sich und beschlossen, es doch noch einmal zu versuchen. Vom ursprünglichen Gedanken, ein großes Fest zu feiern, kamen sie ab zugunsten vieler über das Jahr verteilter Veranstaltungen.

Nach einem „kleinen Kraftakt”, wie Nicole Blank es nennt, stand dann das Programm – und wurde schweren Herzens wegen Corona weitgehend abgesagt. Fast zumindest: Großereignisse wie der Besuch des Regionalbischofs Heinrich Bedford-Strohm oder das Spiel der Clublegenden fanden statt. 1200 Osterglocken waren schon gepflanzt worden. Ansonsten erinnern nur zwei Kartons mit alten Flyern in einer Ecke an das Jubiläumsjahr 2020.

„Andere haben uns ein bisschen belächelt”

Nicole Blank bekam in der Zwischenzeit zwei Kinder, außer Christina Alt glaubte niemand mehr daran, dass die Pläne wieder aufleben könnten, sagt Manuel Krauß. „Doch dann haben uns einige Leute von außen angesprochen: Wann macht ihr denn weiter?”, so Alt über den Auslöser für einen zweiten Anlauf. Neumeister ergänzt: „Andere haben uns aber auch ein bisschen belächelt.” Was nun der größere Ansporn war, ist unbekannt. Jedenfalls ging es los.

Es scheint fast, als ob sowohl die Arbeitskreismitglieder als auch die Ippesheimer Bevölkerung vom Warmlaufen 2020 profitierten: „Ich hätte mich damals niemals an Hansi Kraus rangetraut”, berichtet Christina Alt. Und bei ersten Dorfführungen im Jahr 2020 kam – coronabedingt? – nur ein Viertel der Leute, die heute dabei sind.

Jetzt ist die Resonanz jedenfalls gewaltig. So groß, dass Nicole Blank, gleichzeitig Ortsbäuerin, schon ein bisschen Angst hat, wie es im nächsten Jahr weitergehen soll. Auch Ältere, die gar nicht selbst zum Open-Air-Kino der N-Ergie oder anderen Veranstaltungen kommen, seien so stolz darauf, was „wir in Ippesheim alles drauf haben”.

Weinprinzessin Julia I. (Schmidt) eröffnete das Maislabyrinth. (Foto: Gerhard Krämer)
Weinprinzessin Julia I. (Schmidt) eröffnete das Maislabyrinth. (Foto: Gerhard Krämer)

Zum Jubiläum „1205 Jahre Ippesheim”: Maislabyrinth als neue Attraktion

Tommy Neumeister nutzt die Feierlichkeiten für ein kreatives Angebot. Die Besucher können ein spannendes Irrwege-Netz mit Quiz-Stationen erkunden.

Für jeden ist etwas im Programm dabei

„Unser Vorteil ist: Durch die vielen Einzelveranstaltungen ist für jeden etwas dabei”, so Tommy Neumeister. Das reicht vom erstmals ausgetragenen Weinparadieslauf bis zum Zeigen alter Filme, von den jedes Mal hochinteressanten Firmenbesuchen und der Extragenehmigung für einen Besuch in Busstärke im Landtag bis hin zu den vielen historischen Vorträgen: Sei es, dass man in Erinnerungen an den „Schluckspecht” – Kneipe und Dorfdisco – schwelgte oder die Kreisgrabenanlage extra für Kinder vorgestellt wurde.

Natürlich ginge das alles nicht ohne diejenigen, die dann die einzelnen Führungen und Vorträge oder Rundgänge anbieten. Neumeister: „Aber aus meiner Sicht ist es so ideal: Ein kleiner Vorbereitungskreis, der ganz konkrete Anfragen an einzelne Fachleute stellt.” Helfer und Helferinnen sind immer bereitwillig zur Stelle.

Das Erfolgsrezept der Gruppe ist einfach

„Der Zufall hat uns auch geholfen: Es ist heuer viel in Ippesheim zusammengefallen”: Das große Jubiläum der Feuerwehr und des Heimat- und Weinbauvereins. Die N-Ergie-Kinotour. Die Wiedereinweihung des toll gestalteten Spielplatzes. Dann führte auch noch das erste Mal überhaupt die BR-Radltour durch die Weinbaugemeinde. Dazu weitete man den Blick, holte die anderen Ortsteile Herrnberchtheim und Bullenheim mit ins Boot, um es zu einem Fest für die Gesamtgemeinde werden zu lassen.

Die vier waren schon immer begeisterte Ippesheimer und Ippesheimerinnen. Nein, nicht mal während der Pubertät hätten sie sich aus dem Paradies (so der Name der Weinlage) weggesehnt, bekräftigt Nicole Blank glaubhaft. „Aber jetzt wissen wir noch ein bisschen mehr, warum”, erklären sie unisono. Ihr Erfolgsrezept ist einfach: „Wir haben nie gestritten”; benennt es Manuel Krauß. „Und wenn man sieht, dass man Lebensfreude weitergibt, ist das der schönste Lohn”, ergänzt Christina Alt.

Es nahen noch einige Highlights

Die Chef-Organisatorin bekennt aber auch, dass sie in den vergangenen Monaten manchmal am Limit war: „Wenn eine Veranstaltung naht, muss man immer schon an die nächste und übernächste denken.”

Jetzt nahen noch einige kleine und große Highlights: der schon erwähnte Besuch des Schauspielers Hansi Kraus am 29. November, für den es nur noch etwa 20 Karten gibt und sogar Leute aus Berlin ein Ticket orderten, die Premiere eines lebendigen Adventskalenders und das Weinbergglühen mit den Clubfreunden zum Jahresabschluss.

Auch wenn es noch etwas früh für eine Bilanz ist, sind die vier nach der bisherigen Resonanz optimistisch, dass auf dem Konto des Arbeitskreises am Jahresende ein Plus bleiben wird. Sie wissen schon ganz genau, was sie damit machen wollen: Eine Riesenbank soll gebaut werden, wie sie zum Beispiel in Burgbernheim schon zu finden ist. Perfektes Teamwork natürlich auch hier, wie Christina Alt verrät: „Die Idee hatten wir Mädels, die Umsetzung übernehmen die Jungs.”


Ulli Ganter
Ulli Ganter
Redakteurin
north