Angesagt: Brauche ich jetzt einen orangen Deko-Dackel? | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 20.03.2026 00:07

Angesagt: Brauche ich jetzt einen orangen Deko-Dackel?

Können auch Eleganz: gedeckte Orangetöne.  (Foto: Pietro Sutera/Messe Frankfurt Exhibition GmbH/dpa-tmn)
Können auch Eleganz: gedeckte Orangetöne. (Foto: Pietro Sutera/Messe Frankfurt Exhibition GmbH/dpa-tmn)
Können auch Eleganz: gedeckte Orangetöne. (Foto: Pietro Sutera/Messe Frankfurt Exhibition GmbH/dpa-tmn)

Kleine Stehlampen in Pilzform strahlen, und auch Blumentöpfe und Kaffeekannen: Die Farbe Orange ist derzeit omnipräsent, etwa auf der diesjährigen Konsumgütermesse Ambiente in Frankfurt am Main.

Dekostücke, Müslischalen, Bräter in Orange leuchteten dort vom 6. bis 10. Februar 2026 auf den Ausstellungsflächen. Rosenthal zeigte etwa seinen minimalistisch designten Becher „The Mug+“ in fröhlich-orangem „Juicy Tangerine“. Bei „Rig-Tig“, das zum dänischen Designhaus Stelton gehört, sah man Thermoskannen in poppigem 60er-Jahre-Orange. Und auf der Trendschau der Messe, die zum wiederholten Mal das Frankfurter Stilbüro bora.herke.palmisano kuratierte, gab es runde Skulpturen in Orange zu sehen, die eigentlich Vasen waren, und orangefarbene Blumenmuster auf weißen Tellern. Außerdem: orange Farbtafeln.

Denn das helle Orange 4009 C von Pantone haben die Analysten von bora.herke.palmisano ebenso in die Visualisierung der von ihnen ausgemachten drei Trend-Themenfelder (brave, light, solid) integriert, wie das kräftige Orange 138 C. Letzteres sehen sie übrigens im Zusammenspiel mit beispielsweise Kupfer, kräftigem Rot (Pantone 7599 C), Grün (Pantone 2263 C) und Gelb (Pantone 7751 C).

Obstsalat und Dackelmotiv

Für die Trendanalystin Gabriela Kaiser ist Orange dann auch nur Teil eines derzeit übergeordneten Einrichtungsthemas, das sie „stimmungsaufhellendes Design“ nennt. Was sie darunter versteht? „Das fängt an mit den optimistischen Dopaminfarben“, sagt Kaiser. „Gelb, Orange, Pink - und am liebsten auch alle miteinander kombiniert.“ Und es setzt sich fort bei den Motiven. Die sind nämlich fröhlich bis niedlich, reichen vom Obstsalat - rundherum mit Erdbeeren verzierte Schüsseln, Übertöpfe auf denen Kirschen hervorragen, Kerzenständer in Zitronenform - bis zum Dackel.

Der ist der Trendanalystin zufolge ohnehin das Deko-Tier der Stunde. Auf der Ambiente konnte man den wurstförmigen Hund etwa als Tellermotiv bestaunen oder als Aufstellstück im Leopardenoutfit. „Mit dem Dackel wird sehr spielerisch umgegangen“, sagt Kaiser. Und er ist ein Emotionsmagnet: „Selbst wenn du keine Hunde hast, berührt dieser niedliche Geselle bei vielen das Herz.“

Doch wird das alles nicht schnell zu kitschig, zu überladen? „Für mich ist es immer die Dosierung“, sagt Trendexpertin Kaiser. Sie rät, Knallfarben, fruchtige Stücke, Dackel und Co. sparsam einzusetzen und gezielt - als einzelne Eyecatcher. 

Mehr Meer wagen

Hunde sind übrigens nicht das einzige Tier, das man derzeit in Lampenform, auf Tassen, Tellern und Servietten sieht. Meeresgetier ist auch gut vertreten: Fische, Muscheln, Hummer, Krebse. Überhaupt kommt viel Maritimes auf den Tisch - seien es an Muscheln und Seeigel erinnernde Teller und Schüsseln wie etwa bei der Keramiklinie „Sea“ von Nosse Ceramics, die mit dem „German Design Award“ ausgezeichnet wurde. Oder bunte Beilagenteller mit Krabbenmotiv von „rice“ aus Dänemark.

Für Gabriela Kaiser passt der Maritim-Trend jedenfalls gut zum Thema stimmungsaufhellendes Design. „Das ist einfach wie Urlaub am Meer, den du dir in dein eigenes Zuhause holst“, sagt sie. Und dass so manch Krebs- und Hummermotiv in kräftigem Orange leuchtet? Vielleicht ein Zufall.

Curry für die Wand

An der Wand findet man Orange jetzt jedenfalls auch. Zumindest laut dem Deutschen Tapeten-Institut. Dessen Trendbericht zufolge werden Matcha Green und erdige, leicht schlammige Grüntöne bei Tapeten derzeit mit ruhigen Orange- und Curry-Nuancen kombiniert. Das schaffe, so das Brancheninstitut, „natürliche Wärme“.

Und genau die ist ein weiterer Trend fürs Zuhause. „Das heißt, wir verabschieden uns immer mehr vom kalten Grau und sehr harten Kontrasten und kommen stattdessen eher zu Farben, die Geborgenheit ausstrahlen und Räume langfristig angenehm machen“, erklärt die Einrichtungsberaterin Angelika Hinz. Gefragt sind hier warme Braun, Sand-, Beige- und Greigetöne. Und Terrakotta – wiederum Orange also, in seiner geerdeten Variante.

Kombinieren lässt sich das dann beispielsweise zu Puder- oder Eisblau - als frischem Gegenpol. Oder zu ruhigen Grüntönen wie Salbei oder Olive, „die Räume ein bisschen mehr mit der Natur verbinden“, sagt Hinz.

Mut zur schrägen Kombi

Sie sieht übrigens noch einen Wohntrend, der all jenen entgegenkommen dürfte, die gern auf Flohmärkten stöbern, hübsch-hässliche Lieblingsmöbel haben oder Stücke, die eigentlich als „out“ gelten, ihnen aber ans Herz gewachsen sind: „Brave Living“, nennt Angelika Hinz den Trend. Oder: „Mut zur Persönlichkeit bei der Einrichtung“. Für die Expertin bedeutet er „ganz praktisch, dass nicht alles exakt zusammenpassen muss. Man darf sich trauen, Dinge zu kombinieren, die einem wirklich gefallen“.

Möbel und Accessoires können also aus unterschiedlichen Stilrichtungen kommen. Eingefügt werden darf, was sich eigentlich nicht so richtig einfügen mag, ins gerade angesagte, durchgestylte Wohnkonzept. „Also ein bisschen mehr Emotion, weniger Katalog“, sagt Hinz.

Dass der Einrichtungsberaterin zufolge auch bei den Stücken selbst derzeit weniger offensive Perfektion oder glatte Optik gefragt ist, reiht sich da gut ein: Teller und Schalen in organischen, unperfekten Formen, mit Farbabweichungen, Rillen und Rinnen sind jetzt angesagt. „Und ich glaube, wichtig ist, dass man auch sieht, dass das ein bisschen handgemacht ist und besonders ist.“

Vielleicht passt dazu also auch die ein oder andere bunte Erdbeertasse oder Zitronenkerze, womöglich sogar ein orangefarbener Dackel. Erlaubt ist schließlich, was gefällt.

© dpa-infocom, dpa:260319-930-841098/1


Von dpa
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