Karneval kann knifflig sein. Hier eine Übersicht von A bis Z:
A wie Alkohol: „Der Satz „Ich kann auch ohne Alkohol Karneval feiern” gehört definitiv ins Reich der Legenden.“ (Manuel Andrack)
B wie Bier: Ist in den Karnevalshochburgen nicht nach jedermanns Geschmack. Kölsch wurde vom Literaturnobelpreisträger Heinrich Böll als „harntreibendes Lokalgebräu“ bezeichnet. Beliebte Umschreibung für Düsseldorfer Alt: „Sterbehilfe mit drei Buchstaben“.
C wie Carneval, König: Ursprünglich gab es keinen Karnevalsprinzen, sondern einen „König Carneval“ (noch mit „C“ damals). Dagegen wurde im 19. Jahrhundert jedoch behördlicherseits eingeschritten. Begründung: In Preußen gibt es nur einen König, und der sitzt in Berlin.
D wie Dreigestirn: Regierendes Kölner Triumvirat aus Prinz, Bauer und Jungfrau.
E wie Enthemmung, befristete: Die kalendarisch vorgeschriebene „Witzischkeit“ des Karnevals hält genau fünf Tage an. Die Devise lautet: Heute feiern, morgen wieder in der Reihe tanzen.
F wie Fasching: In Köln und Düsseldorf verpönte Bezeichnung. In einem Kölner „Tatort“ stöhnte Kommissar Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) einmal über das „Faschingsfieber“. Darauf Gerichtsmediziner Joseph Roth (Joe Bausch): „Sag noch einmal „Fasching” zu jemandem, der dich nicht so lieb hat wie ich, und du bist in Köln ein toter Mann.“
G wie Grapscher: Er spannt beim Karnevalszug den Schirm auf, um besonders viel Kamelle aufzufangen, und tritt notfalls einem Kind auf die Finger, um sich einer Tafel Schokolade zu bemächtigen.
H wie Höhner: Karnevalsband. Der Subtext ihrer Lieder ist, dass es an Köln nichts mehr zu verbessern gibt, denn dann wär‘ es nicht mehr Köln. Stichwort „Kölle du bes e Jeföhl“ (Köln du bist ein Gefühl).
I wie I-Kostüm: Früher ein Klassiker, heute das Kostüm, dessen Name nicht genannt werden darf. Wer nicht darauf verzichten will, spricht besser von Winnetou-Kostüm.
J wie Jeck: Kölsch für „Narr“. Abgeleitet von „geck“, im Niederländischen „gek“ (verrückt).
K wie Küpper, Karl: Mutigster Büttenredner in der Geschichte des Karnevals. Erhob in der Nazi-Zeit die Hand zum Hitlergruß, sagte aber statt „Heil Hitler“: „Is et am rähne?“ (Ist es am Regnen?) Wegen „Verächtlichmachung des deutschen Grußes“ mit lebenslangem Auftrittsverbot belegt.
L wie Lob der Torheit: Titel eines Buchs des Humanisten Erasmus von Rotterdam (1466/69-1536). In der europäischen Geistesgeschichte bildet es die theoretische Grundlage für alle Arten von Spott, Parodie und Satire.
M wie Möbelhaus: Fluchtpunkt nicht karnevalisierbarer Gegner des organisierten Frohsinns. Ihr Motto: „Der Trick ist, dass man sich verpisst, bis wieder Aschermittwoch ist.“
N wie Neger, Ernst: Größter Star der Mainzer Fastnacht. Lebte von 1909 bis 1989. Eine Theorie besagt, dass sein Lied „Heile heile Gänsje“ den schuldbeladenen Deutschen der Nachkriegszeit unterschwellig die Vergebung der Sünden suggerierte.
O wie Orden: Sollten einst höfische und militärische Ehrungen parodieren, wurden dann aber selbst zum Fetisch.
P wie Prinzessinnenfummel: Gestern noch Bürokraft, heute Prinzessin im rosa Fummel mit Plastikdiadem im Haar. Nirgendwo ist der Karneval so authentisch und subversiv wie beim Verkleiden.
Q wie Querulantentum: Falls man durch Kamelle oder andere Wurfgeschosse beim Rosenmontagszug verletzt wird, hat man sich das selbst zuzuschreiben. Kamelle-Werfen sei in Köln „sozial üblich, allgemein anerkannt und erlaubt“, hat das örtliche Amtsgericht festgestellt.
R wie Raveaux, Franz: Organisierte zur Zeit des Biedermeiers einen Gegen-Karneval, so dass Köln 1845 zwei konkurrierende Rosenmontagszüge hatte, einen angepassten und einen frechen. Später Todesurteil, starb im Exil.
S wie Sitzungsfetischist: Für ihn ist Karneval ohne Mützenzwang gleichbedeutend mit Anarchie.
T wie Tusch: Zeigt Karnevalisten an, wann gelacht werden muss.
U wie Unterwanderung: Wer witzigere Pointen will, muss Karnevalsvereine unterwandern und es besser machen.
V wie Viva Colonia: Stimmungsschlager der Höhner, der auch in Bayern und am Ballermann textsicher mitgesungen werden kann.
W wie Wildpinkler: Ihr ätzender Urin zersetzt das jahrhundertealte Gestein des Kölner Doms.
X wie x-fache Wiederholung: Der Karneval ist die Wiederholung des Immergleichen, sozusagen die alljährliche Rückkehr der schunkelnden Untoten.
Y wie Y-Chromosom: Karneval ist männerdominiert. Wenn Carolin Kebekus zu Beginn ihrer Karriere telefonisch anfragte, ob sie in einer bestimmten Karnevalssitzung auftreten könne, bekam sie oft zu hören: „Der Frauen-Slot ist leider schon besetzt.“
Z wie zersetzend: Die „zersetzenden und gehässigen Satiren“ des Karnevals waren dem ersten Bundeskanzler Konrad Adenauer ein Dorn im Auge. Er wollte dagegen gerichtlich vorgehen, doch das Bundesjustizministerium riet ihm ab. Begründung: Kölner Richter sind vermutlich auch Karnevals-affin.
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