Ansbacher drehte Dokumentation über die Geschichte des 1. FC Nürnberg | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 13.11.2025 12:33

Ansbacher drehte Dokumentation über die Geschichte des 1. FC Nürnberg

Christian Mössner ist begeisterter Filmemacher und Club-Fan. Nun produzierte er „Aura einer Legende”. Der Film läuft am Sonntag im KulturKino in Feuchtwangen. (Foto: Bernhard Weise)
Christian Mössner ist begeisterter Filmemacher und Club-Fan. Nun produzierte er „Aura einer Legende”. Der Film läuft am Sonntag im KulturKino in Feuchtwangen. (Foto: Bernhard Weise)
Christian Mössner ist begeisterter Filmemacher und Club-Fan. Nun produzierte er „Aura einer Legende”. Der Film läuft am Sonntag im KulturKino in Feuchtwangen. (Foto: Bernhard Weise)

Eigentlich studierte Christian Mössner aus Ansbach Lehramt. Doch Mitte der 1990er Jahre bot sich ihm die Gelegenheit, eine Ausbildung zum Mediengestalter für Bild und Ton zu machen. Diese Gelegenheit ergriff er beim Schopf, schmiss sein Studium und widmete sich dem Film.

Nach der Ausbildung wechselte er zu den AVA-Studios in Nürnberg, wirkte dort in verschiedenen Bereichen hauptsächlich bei der Produktion von Musikvideos mit. Er war schon mit Sarah Connor in Kanada und arbeitete mit Helene Fischer. Seit 2010 hat er eine eigene Produktionsfirma in Ansbach mit einem Schwerpunkt auf Image-Filmen.

Doch Mössners große Leidenschaft ist der 1. FC Nürnberg. Der heute 54-Jährige ist seit Jahren Teil der Ultra-Szene, war Fan-Vertreter und führte Gespräche mit Verantwortlichem beim Club: „So lernte ich Verein und Menschen kennen.” Einer von ihnen war Bernd Siegler – der ehemalige TAZ-Redakteur kümmert sich heute um das Club-Museum. Immer wieder drehten sie kleine Dokus über den FCN und arbeiteten gut zusammen.

Idee: „Lass uns was mit Zeitzeugen machen”

„Schon Jahre vor dem 125. Gründungsjubiläum im Jahr 2025 sagten wir uns: Lass uns was mit Zeitzeugen machen”, erinnert sich Mössner. Die letzte Meisterschaft des Clubs war 1968, die noch lebenden Spieler bereits um die 90 Jahre alt – nach und nach reifte die Idee, nicht nur ein paar Interviews, sondern einen ganzen Film zu drehen. Sie suchten sich ein Team zusammen, das ein Faible für den Club hatte. Und so begann man 2023 mit der Arbeit an „Aura einer Legende – 125 Jahre Erster Fußball-Club Nürnberg”.

90 Minuten war der längste Film, den Mössner bis dahin gemacht hatte. Ein Projekt in diesem Umfang war für alle Neuland: „Wir planten 125 Jahre, 25 Interviews und 25 Geschichten mit einer Club-DNA in den Film packen”, sagt Mössner. Auch wenn über Konzept, Inhalte und Stilformen oft diskutiert wurde, war eins für alle Beteiligten klar, wie Mössner erzählt: „Wir wollten keine langweilige Chronologie produzieren. Unser Film sollte gefühlvoll sein, wir wollten Neues liefern. Nicht nur Titel und Erfolge aufzählen, sondern die Geschichten dahinter.” So entstand ein Werk von 127 Minuten mit sogar 26 Erzählern.

Torwart opfert für Karriere sein Leben

Eine solche Geschichte ist die von Gerhard „Hauptmann” Köhl: Während des Zweiten Weltkrieges wurde er am Arm verwundet. Doch der damalige Torwart des FCN verweigerte eine Amputation, welche seine Karriere beendet hätte. Diese Entscheidung bezahlte er mit dem Leben und verstarb, vermutlich an einer Sepsis. Diese Anekdote trägt im Film die Moderatorin und Anhängerin des Clubs Katrin Müller-Hohenstein als Gedicht vor.

Oder Trainer Hans Meyer, der sich in seiner unnachahmlichen Weise an den Pokalsieg von 2007 erinnerte. Ein Jahr später stieg Nürnberg in die Zweite Bundesliga ab. Nationaltorhüter Andreas Köpke erklärt seine Emotionen nach dem Saisonfinale 1999: Der Club hatte die Klasse vermeintlich schon gesichert, rutschte am letzten Spieltag aber von Platz 12 auf 16 und stieg ein weiteres Mal in die Zweite Liga ab.

„Normalerweise würde sowas keiner erlauben”

Drei Musikvideos untermalen den Film. Für eines davon spielte eine Band sogar in einer Kirche. Mössner muss lachen: „Normalerweise würde sowas keiner erlauben. Aber für den Club war die Drehgenehmigung sofort da.”

Aber nicht nur Funktionäre und Spieler kommen zu Wort: Auch die Fans berichten von der Leidenschaft für ihre Mannschaft. „Die Fans sind stolz auf ihr Team. Es geht aber nicht nur um das Sportliche. Es geht um den ganzen Kult, den der Club ausmacht und den die Anhänger leben.” Er wird genauer: „Oft muss man sich als Club-Fan ärgern. Und wir erklären in dem Film, warum bei jedem Heimspiel trotzdem über 30.000 Menschen im Stadion sitzen.” Der Club sei für Mössner ein Sinnbild, dass Scheitern stark machen kann und es sich lohnt, nach einem Misserfolg immer wieder aufzustehen.

Die Premiere fand am 4. Mai 2025 – zur 125-Jahr-Feier – im Cinecittà in Nürnberg vor 542 Menschen statt. Die Resonanz war durchweg positiv: „Die Leute hatten Tränen in den Augen. Der Film und die Verbindung zum Club lösen etwas bei den Menschen aus.” Seitdem lief der Film in 15 Kinos in ganz Deutschland. Aber der Erfolg und das gute Feedback waren nicht das Wichtigste für Mössner: „Mein größter Lohn ist, dass ich die vielen Menschen kennenlernen durfte. Zum Beispiel den Ex-Club-Spieler Heini Müller: Er ist schon 91 Jahre alt und wusste gar nicht, ob er die Premiere noch erleben wird.”

Der Film „Aura einer Legende – 125 Jahre Erster Fußball-Club Nürnberg” ist als Mediabook online im Fanshop des FCN erhältlich. Am Sonntag, 16. November, zeigt ihn das KulturKino Feuchtwangen um 15 Uhr.

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