Dialekt, egal welcher, wird ja gern belächelt. So viel Selbstbewusstsein darf aber sein: Fränkisch ist kein Abstieg. Es ist ein Aufstieg. In Burgbernheim allemal. Wer zum Edzerdla, dem Mundart-Festival auf dem Kapellenberg, will, muss steil hinauf, zu Fuß oder mit dem Bus, dem „Schaddl“. Droben dann geht der Blick weit ins Land.
Am Sonntag bei Sonntagssommerwetter spielte der Kapellenberg noch einmal all seinen Zauber aus. Das Publikum flanierte heiter unter alten Bäumen, von einer Bühne zur anderen und wieder zurück. Der Strohhut war die Kopfbedeckung der Wahl. Baseballkappen blieben in der Minderzahl.
Weil gar zu viel Idylle einem ja langweilig werden kann, war es gut, dass Dichter und Musiker genug Nachdenkenswertes, Kritisches, Alltagsphilosophisches in ihre Beiträge gepackt hatten. Zum Beispiel das Collegium Nürnberger Mundartdichter auf der Streuobstbühne. Der akademisch anmutende Name der Vereinigung ist natürlich eine ironische Irreführung, insofern die Texte zwar gescheit, aber alles andere als hochtrabend sind. Das ganze Collegium war zwar nicht da, das hätte den Zeitrahmen gesprengt, aber drei seiner Mitglieder. Dr. Norbert Autenrieth, Margit Begiebing und Fritz Stiegler.
Norbert Autenrieth, ein sprachspielerischer Versschmied, schreibt so, dass man jeder Zeile seine Lust am Formulieren anmerkt. Die Grenzen zwischen höherem Unfug und philosophischer Tiefgründelei sind fließend. Und eine humoristische Dialog-Szene einer eingeschlafenen Ehe strotzt nur so vor alltagswahren Gesprächsbausteinen und Verhinderungsstrategien.
Margit Begiebing führte dagegen in einem Ehe-Dialog vor, dass sich an Bratwürsten, diesen fränkischen Identitätsstiftern, durchaus die Geister scheiden. Sind Bratwürste das passende Sonntagsgericht? Er findet ja, sie nein. Der Disput schaukelt sich auf. Was bestellt man? Die Bedienung drängt. Also doch Bratwurst und Bier. Die eheliche Eintracht ist nachhaltig gestört.
Fritz Stiegler sinnierte über das Fränkische. Drei wichtige fränkische Kurzwörter hat er zum Beispiel ausgemacht: „na ja“, „also“ und „so“. Sie sind sehr vielseitig. Aufs Lebendigste erzählte der Cadolzburger Haselnussbauer, welche Bedeutungen die Wörtchen je nach Situation annehmen können. Na ja, als Dreierfolge um ein Gespräch aufs Ende hin zu lenken, sind sie in jedem Fall empfehlenswert.
Auch für Kinder und Familien hatte das Edzerdla einiges zu bieten. So war etwa die Bamberger Band Boxgalopp mit David Saam als Erzähler, Sänger und am Akkordeon dabei und stimmte fränkische Kinderlieder an. Eingebaut waren die in eine kleine Geschichte mit dem Geißbock „Hobbädihö“. Sehr unterhaltsam und liebevoll erzählt.
Mitmachen war bei dem Dialekt-Abenteuer gefragt, was auch gut klappte. Die Idee dahinter, klar: Kinder ungezwungen und locker mit ihrem heimatlichen Dialekt vertraut zu machen. Akkordeon, Klarinette, Dudelsack und Bass sorgten für eine volksmusikalische Prägung und eine Menge Spaß.
Spaß hatte auch die Kinderrockband Dunnäkeil. Das Quartett aus Elsenfeld, Landkreis Miltenberg, rockte richtig ab. Da wurden fetzige Katzenpartys gefeiert oder mit Apollo 11 ins Weltall abgehoben. Unverkennbar war bei den Dialekt-Texten die Nähe zum Aschaffenburger Sprachraum, wobei die Elsenfelder Mundart wieder eine eigene Färbung hat. Ansatzweise zeigte das, da sie gleich im Anschluss an Boxgalopp spielten, wie unterschiedlich fränkische Dialekte ausfallen und dennoch, zumindest größtenteils, zu verstehen waren.
Zum guten Schluss hatten die Edzerdla-Macher für Sonntagabend einen fetzigen Rausschmeißer auf der Kapellenbergbühne im Programm. Landmusigg nennt sich die Gruppe. Bereits zum zweiten Mal war sie beim Edzerdla zu Gast.
Auf der Bühne versammelte sich eine bunt gemischte, achtköpfige Truppe, die schon aufgrund ihrer Instrumente weltoffene Vielfalt erwarten ließ: Franz Zwosta (Posaune), Steffi Batschko (Perkussion), Judith Förster (Klarinette, Flöte), Hannah Richter (Geige), Stefan Luschner (Schlagzeug), Siegfried Michl (Gitarre, Gesang, Komposition und Arrangement), Marlene Ebertshäuser (Akkordeon) sowie Klaus Metzler am Kontrabass.
Und so spielte die Band dann auch auf, mit fränkischen Texten, Geschichten aus dem täglichen Leben in einer mitreißenden musikalischen Verpackung. Kurz: weltmusikalisch sprudelnde Lebensfreude mit fränkischer Dialekt-Melancholie.
Da mischten sich neben volksmusikalische Anklänge auch Elemente südosteuropäischer, jiddischer oder lateinamerikanischer Musiktraditionen, zu einem großartig brodelnden Weltmusik-Cocktail – so unterschiedlich die Elemente waren, sich fügten sich sehr stimmig ineinander.
Alle Landmusigger und Landmusiggerinnen empfahlen sich als hervorragende Instrumentalisten, aber gleichzeitig auch als gesangsstarke Mundartband. Dem feurig virtuosen Spiel konnte man sich kaum entziehen. Und so brachten die fetzigen Rhythmen nach und nach Menschen zum Tanzen vor die Bühne. Ein wunderbares Finale des dreitägigen Mundart-Events.
Die Band hatte sichtlich selbst viel Spaß beim Auftritt, wie die vielen anderen Akteure des Festivals, und immer den richtigen Draht zum Publikum – auch das ein Aspekt, der zu der sonnig familiären Atmosphäre des Edzerdla beigetragen hat.