„Die Spannung steigt”, sagt Florian Bremm. Nach behaglichen Tagen im Vorbereitungs-Trainingslager in Miyazaki fliegt der Colmberger nach Tokio, wo am Freitag, 19. September, sein erster Auftritt bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft ansteht. Ein Vereinskollege hat vorgelegt. Das sorgt für Zuversicht. Form und Gefühl stimmen auch.
Mit Niklas Buchholz aus der Erlanger Trainingsgruppe Running Gags teilt Florian Bremm nicht nur gelegentlich das Laktat-Messgerät, sondern auch den Verein (LSC Höchstadt), manchmal das Zimmer im Trainingslager oder auch mal eine Flasche Sekt vor Schweizer Alpenpanorama nach erfolgreicher WM-Qualifikation.
Nun hat der 27-jährige aus Hemhofen, einst für die Volleyballer des TSV Dinkelsbühl aktiv, vorgelegt. Bei der WM qualifizierte sich der Lehramtsstudent überraschend souverän für das Finale über 3000 Meter Hindernis, in dem er Platz 15 belegte. Es läuft bisher nicht schlecht für die Running Gags in Japan. Jetzt ist Bremm an der Reihe.
Der freute sich nicht nur enorm über den Erfolg des Kollegen, sondern auch über die damit verbundene Erkenntnis, dass man was Wettkampfgestaltung, gemeinsam ausgetüftelte Trainingspläne und Vorbereitung angeht, im Hinblick auf die WM offenbar mehr richtige als falsche Entscheidungen getroffen hat.
Rund eine Woche hielt sich Bremm im Precamp in Miyazaki auf, trainierte unter anderem im vom Verband angemieteten Stadion und drehte seine Runden auch in den Parks der am Meer gelegenen Stadt. Dank einer stets mitlaufenden App weiß man, dass er auf einer Halbinsel die zehntschnellste je dort registrierte Zeit aller Nutzer gelaufen ist. „Das macht natürlich großen Mut fürs Finale”, scherzt Bremm.
Der unbedingte Wille zur Dienstleistung in Japan, den Europäer manchmal sogar als aufdringlich empfinden können, machte den Aufenthalt in der beschaulichen Küstenstadt ganz im Süden zusätzlich angenehm für Bremm. Da die meisten anderen deutschen WM-Starter bereits nach Tokio gereist waren, hatte er das Stadion zuletzt fast für sich allein, betreut von einem halben Dutzend Helfer, die dem Gast unter anderem das rituelle Eisbad vorbereiteten, eine große Hilfe bei der Hitze.
Die herrscht momentan auch in der Hauptstadt, wobei die Vorhersagen für Freitag etwas niedrigere Temperaturen erwarten lassen. Gemeinsam mit allen anderen WM-Startern nimmt Bremm Quartier im riesigen Shinagawa Prince Hotel.
In voraussichtlich drei Vorläufen werden am Freitag ab etwa 13 Uhr (MESZ, in Tokio ist dann Abend) die Teilnehmer für das Finale am Sonntag ermittelt. „Ich gehe davon aus, dass die fünf Erstplatzierten von jedem Vorlauf ins Finale kommen”, sagt Bremm. Und er sieht gute Chancen, seine WM-Premiere mit einer Finalteilnahme zu krönen.
Da es nur ums Weiterkommen geht, rechnet er mit einem eher langsamen Rennen und mit einer Siegerzeit um etwa 13:20 Minuten. Seine Bestzeit steht bei 13:09 Minuten. Wenn es auf den letzten paar hundert Metern um die Platzierungen geht, dann kann er höhere Geschwindigkeiten durchaus mitgehen. „Wenn es so läuft, sehe ich gute Chancen für mich”, sagt Bremm. Schlecht (und eher unwahrscheinlich) wäre aus seiner Sicht ein von Anfang an sehr schnelles Rennen.
In einer WM-Kolumne gab es vom ehemaligen Zehnkämpfer Frank Busemann einen Tipp für den mehrfachen deutschen Meister: „Bremm sollte im Vorlauf gleichmäßig mitziehen und für taktische Scharmützel der Gegner gewappnet sein.”
Ganz anders gestaltet der zweite deutsche Starter über die 5000 Meter die WM-Vorbereitung. Mohamed Abdilaahi (Cologne Athletics) reist erst ganz kurz vor dem Rennen direkt aus dem Höhentrainingslager in Frankreich an.