Bauernverband schlägt Alarm: Haltungs-Verbot bedroht Landwirte | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 29.10.2023 10:51

Bauernverband schlägt Alarm: Haltungs-Verbot bedroht Landwirte

Für rund 10.000 bäuerliche Betriebe in Bayern würden die Pläne für ein Anbindeverbot das Aus bedeuten, weil geforderte Umbauten und die Schaffung von Weidemöglichkeiten nicht möglich sind, stellten Renate Ixmeier, Jürgen Schwab, Jürgen Dierauff, sowie Birgit und Richard Ebert (von links) fest. (Foto: Fritz Arnold)
Für rund 10.000 bäuerliche Betriebe in Bayern würden die Pläne für ein Anbindeverbot das Aus bedeuten, weil geforderte Umbauten und die Schaffung von Weidemöglichkeiten nicht möglich sind, stellten Renate Ixmeier, Jürgen Schwab, Jürgen Dierauff, sowie Birgit und Richard Ebert (von links) fest. (Foto: Fritz Arnold)
Für rund 10.000 bäuerliche Betriebe in Bayern würden die Pläne für ein Anbindeverbot das Aus bedeuten, weil geforderte Umbauten und die Schaffung von Weidemöglichkeiten nicht möglich sind, stellten Renate Ixmeier, Jürgen Schwab, Jürgen Dierauff, sowie Birgit und Richard Ebert (von links) fest. (Foto: Fritz Arnold)

„Rettet Berta vor dem Schlachthof und Kleinbauern vor dem Aus“. Unter diesem Motto steht eine Aktion, mit der sich der Bayerische Bauernverband gegen ein Verbot der Anbindehaltung in fünf Jahren wehrt. Auch im hiesigen Landkreis ist man dabei.

Zu einem Gespräch über die Folgen, die dies hätte, kamen Kreisobmann Jürgen Dierauff und Kreisbäuerin Renate Ixmeier mit Geschäftsführer Rudolf Meth auf den Hof von Richard und Birgit Ebert in Kaubenheim.

Die Eberts betreiben noch einen der immer weniger werdenden Ställe, in den die Kühe anhängt sind. Dieser Haltungsform droht das absolute Aus, wenn die Pläne von Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir umgesetzt werden sollten.

Wie es in dem Gespräch hieß, werde zwar angeblich keine industrielle Landwirtschaft gewollt, doch vom Willen zum Erhalt der bäuerlichen Betriebe, der in Reden von Politikern immer wieder betont werde, sei nichts zu spüren.

Richard (54) und Birgit (51) Ebert halten 25 Kühe. Da sie eine Kreislaufwirtschaft betreiben, werden alle Kälber aufgezogen, so dass es insgesamt 90 Rinder bei 50 Hektar Fläche sind. Das könnte als das Ideal einer bäuerlichen Landwirtschaft gelten, wie es vor Ort hieß.

Berliner Entwurf wäre der Sargnagel

Doch wenn der Berliner Entwurf Realität werden sollte, sieht Richard Ebert darin einen Sargnagel für sein Berufsleben. Woanders noch unterzukommen, wäre mit 60 wohl schwierig. Die Anbindehaltung sei jahrzehntelang praktiziert worden. Ihr Ende hätte bayernweit verheerende Folgen, machten Kreisobmann Jürgen Dierauff und Kreisbäuerin Renate Ixmeier bei einem Besuch der Familie Ebert deutlich.

Schließlich seien in 13.000 Ställen in Bayern die Kühe noch angebunden. Im Landkreis sind noch 1460 der 15.779 Kühe in 54 Hofstellen angehängt.

Eine vom Gesetzgeber erzwungene Aufgabe der Milchviehhaltung hätte in Gegenden mit viel natürlichem Grünland verheerende Auswirkungen – das Grünland würde keiner nutzen oder kultivieren.

Der Lebensmitteleinzelhandel mache jetzt schon Druck und will weniger für die Milch aus Anbindehaltung bezahlen. Schon in der Übergangszeit würde dies in der Praxis bedeuten: Wenn die Milch aus der Anbindehaltung nach den künftigen Vorschriften gesondert zu erfassen wäre, müssten zwei verschiedene Milchtankzüge nach Kaubenheim fahren.

In Franken erledigt sich Thema von selbst

Ein Unsinn sei das auch deshalb, weil sich das Thema, zumindest in Franken, im Laufe der Zeit von selbst erledigt, erklärte Jürgen Schwab aus Ansbach als Vorsitzender des Milchverarbeiters Omira. Immer mehr kleine Milchviehbetriebe mit Kühen hören demnach ohnehin auf. So hat sich die Zahl der Anbindeställe im Landkreis innerhalb von zehn Jahren von 224 auf 54 verringert.

Sei es in fränkischen Dörfern nur in Ausnahmefällen möglich, auf Laufställe umzubauen, wären die Folgen im Alpenraum verheerend, wenn nach dem Almabtrieb Rinder nicht mehr in den üblichen Ställen über den Winter gehalten werden dürften, sagte Jürgen Schwab. Das hätte dann auch erhebliche Folgen für die Artenvielfalt. Der Bauernverband hat deshalb zur Aktion „Rettet Berta vor dem Schlachthof und Kleinbauern vor dem Aus“ aufgerufen. Proteste fanden in nahezu allen bayerischen Landkreisen statt.


Von Fritz Arnold
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