Am Freitagabend geht im Feuchtwanger Kulturkino zum ersten Mal der Vorhang für das Filmfestival „Beyond“ auf. Elf Filme, kurze und längere, gibt es dann bis Sonntag zu sehen. Mit dabei an den drei Tagen ist die Filmemacherin Gülsel Özkan. Sie bringt eine Neufassung ihrer preisgekrönten Dokumentation „Heimatweh“ mit.
Gesellschaftlich relevante Themen will das Festival auf die Leinwand bringen, will der Frage nach gehen, wie die Zukunft, wie eine lebenswerte Welt zu gestalten wäre. Vom Umweltschutz über Klimawandel bis hin zur Bevölkerungspolitik reicht das Themenspektrum. Gülsel Özkans „Heimatweh“ hebt sich aus dem Spielplan heraus. Das Feuchtwanger Kulturkino dient als Spielstätte der Vorpremiere.
Gülsel Özkan, Produzentin, Regisseurin und Drehbuchautorin für Dokumentar- und Spielfilme, sieht „Heimatweh“ als „Work in progress“. Auf Arte war der Film bereits in einer 52-minütigen Fassung zu sehen. Inzwischen hat die Künstlerin ihre Dokumentation neu konzipiert. 85 Minuten ist sie nun lang. In Feuchtwangen wird sie zum ersten Mal gezeigt. Gülsel Özkan ist gespannt auf die Reaktionen des Publikums. Die Vorstellung wird so für sie eine Testvorführung. Sie will den Film bei der Berlinale einreichen.
Drei internationale Preise hat „Heimatweh“ laut Pressemitteilung schon gewonnen, beim Frauenfilmfestival in Montreal und bei Festivals in Toronto und Burgas.
Gülsel Özkan setzt sich in ihrem Film mit einem hierzulande kaum bekannten Bevölkerungsaustausch auseinander, den die Regierungen von Griechenland und der Türkei 1923 vertraglich festlegten. Die deutsch-französische Koproduktion will die gewaltsamen Vertreibungen sowie deren Folgen beleuchten. Damals wurden rund 1,2 Millionen griechisch-orthodoxe Menschen zwangsweise nach Griechenland umgesiedelt. Im Gegenzug mussten 400.000 Muslime griechisches Territorium in Richtung Türkei verlassen. Zu sehen ist „Heimatweh“ am Samstag, 11. November, um 21.30 Uhr.
Zuvor, um 19.30 Uhr, steht „Brent Spar: Greenpeace gegen Shell“ auf dem Programm. Eine ebenso spannende wie optimistische Dokumentation. Ludger Pfanz zeichnet in ihr einen historischen Wendepunkt in der Geschichte des Umweltschutzes nach: Die Protestaktionen gegen die Versenkung einer Öl-Plattform in der Nordsee entwickelte eine solche Dynamik, dass sie am Ende verhindert werden konnte. Die Verbraucher zeigten einem Konzern ihre Macht.
Hauptbeitrag am Freitagabend ist „Pina“, eine Tanzfilm-Dokumentation von Regisseur Wim Wenders mit dem Ensemble des Tanztheaters Wuppertal Pina Bausch (Beginn um 20.15 Uhr).
Das Festival endet am Sonntag mit „The Great Green Wall“ (Beginn um 19.30 Uhr). Jared P.Scott l stellt darin packend ein außergewöhnliches Umwelt-Projekt vor: Afrikas 8000 Kilometer lange grüne Mauer im Sahel aus Bäumen, die sich quer durch den Kontinent zieht.
Nach Feuchtwangen gebracht hat das Festival Ludger Pfanz. Der Filmemacher und Medienkünstler stammt aus Schopfloch. Pfanz hat „Beyond“ zusammen mit Gülsel Özkan 2011 im Karlsruher ZKM, dem Zentrum für Kunst und Medien, gegründet. Beide wollen es in Feuchtwangen etablieren. Die Stadt Feuchtwangen unterstützt die Festival-Premiere mit 2000 Euro.
Gedacht ist die erste Ausgabe mit ihren drei Tagen als eine Art Teaser. In der Regel, so Gülsel Özkan, dauert das Festival fünf Tage und endet mit einer Gala samt Preisvergabe. Ein dreitägiges Symposium geht ihm voraus.