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Veröffentlicht am 06.02.2024 16:12

Bosch streicht Jobs in Ansbach: Was hinter dem Stellenabbau steckt

Trotz der Umbrüche in der Automobil-Industrie und ihrer Zulieferer – Stichwort Elektro-Mobilität statt Verbrenner – schien das Ansbacher Boschwerk ein Hort der Stabilität zu sein. Jahr um Jahr meldete der Standort neue Produktionsrekorde. Jetzt muss Werkleiter Dr. Lutz Welling erstmals einen Arbeitsplatz-Abbau organisieren.

Rund 27 Millionen Steuergeräte für ABS, ESP, Airbag oder Assistenzsysteme verließen 2023 das Werk im Ortsteil Brodswinden – drei Millionen mehr als im Jahr zuvor. „Die Mitarbeiterzahl bleibt auch im nächsten Jahr stabil“, verkündete Welling beim Jahresgespräch im Oktober. Und auch in den Jahren danach werde die gute Nachfrage nach den in Ansbach hergestellten Erzeugnissen die Beschäftigung der 2500 Mitarbeiter sichern.

Es geht um die Produktionskosten bei Bosch

Vier Monate später sieht die Lage ganz anders aus. Der Bereichsvorstand Mobility Electronics in Reutlingen – weltweit verantwortlich für das Boschgeschäft mit Steuergeräten – hat einen Job-Abbau von rund 500 Stellen weltweit bis Ende 2025 beschlossen.

Ein Großteil der Stellen werde an den deutschen Standorten Ansbach, Reutlingen, Salzgitter und Schwieberdingen entfallen, dazu noch an Standorten in Spanien, Japan und den USA. Allesamt also Standorte in Hochlohn-Ländern, was deutlich macht, dass es um die Produktionskosten geht.

„Die Steuergeräte bewegen sich in einen preisgetriebenen Bereich“, sagte Ansbachs Werkleiter Welling zur FLZ. Deshalb sehe der Boschkonzern jetzt Handlungsbedarf.

Immer mehr Fahrzeugbauer lagern Fertigung um

Hintergrund: Die Automobil-Hersteller sind mehr und mehr dazu übergegangen, die Steuergeräte nicht mehr beim System-Anbieter Bosch zu kaufen, sondern die elektronische Architektur ihrer Fahrzeuge mit eigenen Teams zu entwickeln und die Komponenten dann bei branchenfremden Auftragsfertigern produzieren zu lassen – was für erheblichen Preisdruck sorgt. Ob die Autohersteller mit diesem Vorgehen ihren hohen Qualitäts-Standard halten können, wird die Zukunft zeigen.

„Gegen solche Konjunktureinflüsse sind auch wir nicht gefeit“, sagt Welling, bleibt aber bei den konkreten Auswirkungen auf sein Werk vage. Die Zahl der in Ansbach betroffenen Stellen gehöre zu den „unternehmensinternen Dingen, zu denen wir uns nicht äußern“, so Welling. Noch gebe es fürs kommende Jahr keine Planung.

Welling macht aber klar, dass es bis Ende 2027 keine betriebsbedingten Kündigungen geben werde. Man werde frei werdende Stellen nicht mehr besetzen, das gelte auch für die Altersteilzeit. Welling ist bemüht, die Wogen zu glätten: „Wir reden hier über den Bereich für elektronische Steuergeräte, ein Geschäft mit weltweit 40.000 Mitarbeitern. Hier sollen 500 Stellen entfallen.“

Ansbach soll Leitwerk für Bosch-Standorte bleiben

Auch in anderen Bereichen des Boschkonzerns sollen Arbeitsplätze entfallen: 1500 Stellen in der Antriebssparte, die noch stark vom Verbrennungsmotor geprägt ist, und 1200 Stellen im Bereich Cross-Domain Computing Solutions der für Fahrzeugcomputer, Sensoren und die entsprechende Software verantwortlich ist.

Die Zukunft des Boschwerks in Ansbach möchte Lutz Welling trotz des Job-Abbaus nicht schwarz malen. Man werde auch weiterhin intensiv den eigenen Nachwuchs ausbilden und die bestehenden Mitarbeiter weiterqualifizieren. Ansbach sei Leitwerk für zehn Produktionsstätten in China, Indien, Spanien und Mexiko. „Wir sind ein ganz wichtiger Standort und werden das auch bleiben.“

Die Bosch-Fahnen flattern vor dem Werkstor im Ortsteil Brodswinden. Es kommen härtere Zeiten auf den Ansbacher Standort zu. (Archivfoto: Jim Albright)
Die Bosch-Fahnen flattern vor dem Werkstor im Ortsteil Brodswinden. Es kommen härtere Zeiten auf den Ansbacher Standort zu. (Archivfoto: Jim Albright)
Die Bosch-Fahnen flattern vor dem Werkstor im Ortsteil Brodswinden. Es kommen härtere Zeiten auf den Ansbacher Standort zu. (Archivfoto: Jim Albright)

Winfried Vennemann
Winfried Vennemann
Redakteur
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