Nur weil Deniel Krotter jetzt Profiboxer ist heißt das nicht, dass der Neustädter nur noch in den teuren Klassen unterwegs ist. Nach England ging es neulich wieder mit dem Billigflieger, der von Nürnberg aus glücklicherweise ziemlich regelmäßig die Insel ansteuert. Dort arbeitet der 25-Jährige am zweiten Teil seiner Karriere.
Teil eins endete vergangenes Jahr nach einigen Erfolgen samt Deutscher Meistertitel mit der knapp verpassten Qualifikation für die Olympischen Spiele in Paris. Danach verließ Krotter den Amateursport samt dessen Fördermöglichkeiten und Sicherheiten und suchte sich ein Management, um unter den Profis zu reüssieren.
Gelandet ist Krotter bei der 2023 gegründeten Firma Takeover Sports Management mit Sitz im nordwestlich von London gelegenen Essex. Der Chef heißt Leon Sudbury. „Er ist relativ neu im Game, aber ich bin sehr zufrieden mit seiner Arbeit. Er gibt 110 Prozent und investiert Zeit und Geld in meine Karriere“, sagt Krotter über seinen Manager, der auch in der Auto-Recycling-Branche tätig ist.
Nach gut 180 Amateurkämpfen bestritt Krotter bislang zwei Kämpfe als Profi. Bei einer Kampfnacht in München besiegte er den 33-jährigen Rumänen Octavian Gratii und beim Debüt in England den 38-jährigen Serge Ambomo.
Der Kameruner, der 2012 bei den Olympischen Spielen antrat und später einen Asylantrag im Königreich stellte, konnte Krotter im Brentwood Centre in Essex nicht gefährlich werden. Alles andere als deutliche Siege zum Start der Profikarriere hätten erstaunt. Üblicherweise bekommen Neulinge schlagbare Gegner vermittelt, die in der Branche auch despektierlich als Fallobst bezeichnet werden. So weit geht Krotter nicht: „Natürlich sind das Aufbaugegner, die aber nicht ungefährlich sind und die man nicht unterschätzen darf“.
Für den ehemaligen Schweriner Bundesligaboxer geht es nun auch darum, sich an die längere Kampfdistanz zu gewöhnen. Sechs Runden ging Krotter gegen Ambomo und kämpfte damit ungefähr doppelt so lange wie als Amateur. Seine Vorteile in Sachen Schnelligkeit und Beweglichkeit waren bis in die letzte Runde nicht zu übersehen und wurden mit einer deutlichen Punktewertung zu seinen Gunsten belohnt.
„Da muss man ganz neu lernen, seine Kraft einzuteilen, das ist schon ein höheres Niveau“, sagt Krotter. Entsprechend ausdauernd gestaltet sich das Sparring, das Krotter dieser Tage im Greenwood Negus Gym in Essex absolviert, teilweise mit Nina Hughes. Die Engländerin, ehemals Weltmeisterin nach Version der World Boxing Association (WBA) im Bantamgewicht, ist wohl das bekannteste Gesicht im Takeover-Stall. Trainiert wird sie von Kevin Lilley, der sich auch um Krotter kümmert.
Bei Showkämpfen in Deutschland trat Krotter zuletzt unter der Bezeichnung AK47 an. Den Beinamen hat er bekommen, weil er ähnlich schnell schlagen kann, wie Geschosse aus dem Lauf eines Maschinengewehrs der Marke Kalaschnikow rattern – bekannt als AK47. Sich in diesen Zeiten nach einer russischen Kriegswaffe zu benennen kann man zumindest ungeschickt finden, zumal wenn man auf Wohlwollen unter anderem von Sponsoren hofft. Sieht er wohl auch so mittlerweile.
Aktuell scheint der Begriff AK47 bei seinen öffentlichen Auftritten keine Rolle mehr zu spielen. Von denen gibt es im Netz einige. Krotter selbst bespielt Social Media recht ausdauernd mit professionell erstelltem Material.
Der die Kämpfe übertragende Streamingdienst, der auch im Fußball eine wichtige Rolle spielt, hilft mit, sein Gesicht bekannt zu machen. In England, findet er, tut man sich als Boxer leichter, eine Marke zu werden: „Viele kennen sich hier im Boxen sehr gut aus, die Arenen sind voll, es wird viel berichtet in den verschiedenen Medien.“
Der nächste Kampf ist für den 9. Februar wieder im Brentwood Centre in Essex geplant. Gegner ist Nathan Darby. Der 25-jährige Engländer ist ebenfalls noch relativ neu im Geschäft, hat von 15-Profikämpfen 13 verloren. Sieg Nummer drei für Krotter, der dann im Weltergewicht (knapp unter 70 Kilogramm) antritt, scheint eine sichere Wette zu sein.
Eine 8:0-Bilanz bis Ende 2025 ist das Ziel.
Ein halbes Dutzend Kämpfe will Krotter insgesamt in diesem Jahr bestreiten. „Eine 8:0-Bilanz bis Ende 2025 ist das Ziel“, sagt Krotter. Dann wäre er wohl so langsam bereit für höhere Aufgaben.
Am Ende all der Mühen soll ein WM-Titelkampf stehen. Als Sieger könnte er sich wohl locker zumindest Business-Class-Tickets gönnen und wäre der Mühe enthoben, sich mit einem Job parallel zum täglichen Training noch etwas für den Lebensunterhalt dazu zu verdienen.