Die Lösungssuche für die Schwarzbachgrund-Staatsstraße bleibt kompliziert. Die Bewohner der drei Dörfer Burghöchstadt, Münchhof und Freihaslach wollen nun mit einem Brief Druck auf Behörden und Politik ausüben.
Der in Burghöchstadt ansässige Gemeinderat Hannes Sternecker verlas am Montagabend im Burghaslacher Ratsgremium einen Brief, den die Bewohner der drei Ortschaften an eine Reihe von Politikern senden wollen.
Darin ist von einem „desaströsen Ausbauzustand“ der Straße die Rede, und zwar schon „seit Jahrzehnten“. Es gebe täglich „sehr gefährliche Situationen“ bis hin zu Unfällen, einer davon – im Dezember 2017 – sogar tödlich. Neben der Sicherheitsfrage sei der jetzige Zustand auch in touristischer Hinsicht ein Mangel.
In den Schwarzbachgrund-Dörfern ist man der Meinung: „Zu einer wirklichen Verbesserung der Situation beitragen kann nur ein Ausbau in angemessener Breite und mit neuer Fahrbahndecke auf der gesamten Länge des betreffenden Abschnitts.“
Damit ist auch Skepsis gegenüber dem jüngsten Vorschlag formuliert. Landtagsabgeordneter Hans Herold hatte vor wenigen Tagen von einer Einigung mit dem Staatlichen Bauamt Ansbach gesprochen: Die Behörde würde den westlichen Teil – zwischen der Grenze zu Unterfranken und Münchhof – sanieren. Für diese Zusage bestehen jedoch Vorbehalte und Einschränkungen.
Es ist uns nicht möglich, Planungskapazitäten und finanzielle Mittel in ein solches Ausbauvorhaben zu investieren.
Haupteinschränkung ist, dass das Straßenbauamt nur eine Deckensanierung vornehmen würde, keinen Ausbau und damit auch keine Verbreiterung. Wie dies dann aussähe, könne man an einer anderen Stelle der gleichen Staatsstraße 2256 sehen. Zwischen Hombeer und Burghaslach wurde die Fahrbahn in den letzten Jahren auf solch einfache Weise erneuert.
Eine Verbreiterung, so argumentiert das Straßenbauamt, käme einem Vollausbau gleich. Doch auf dieser Strecke fahren laut der Behörde nur rund 500 Fahrzeuge je Tag, was den Schwarzbachgrund offenbar dauerhaft ins Hintertreffen bringt: „Wegen der äußerst geringen Verkehrsbelastung ist es uns im Hinblick auf deutlich verkehrswichtigere Vorhaben nicht möglich, Planungskapazitäten und finanzielle Mittel in ein solches Ausbauvorhaben zu investieren“, schreibt Behördenleiter Heinrich Schmidt auf eine Anfrage unserer Redaktion.
Eine abschnittsweise einfache Sanierung wäre hingegen durchaus möglich, und zwar auf ganzer Länge, sagt das Straßenbauamt. Es nennt dazu auch Kosten. Bei einem Ausbau auf die inzwischen gängigen sechs Meter Breite rechnet man grob mit 1,5 bis zwei Millionen Euro – je Kilometer. Für die Gesamtstrecke von zirka 7,5 Kilometer ergäbe das folglich eine Größenordnung von elf bis 15 Millionen Euro. Für eine bloße Fahrbahnsanierung rechnet man hingen mit einem Kilometerpreis von 200.000 bis 300.000 Euro, also maximal einem Fünftel der Vollausbau-Kosten.
Der Vorschlag der Kreisbehörde, dass sie sich um den östlichen, rund drei Kilometer langen Abschnitt ab Münchhof kümmert, würde laut dem Staatlichen Bauamt auch bedeuten, dass die Kreisstraße (NEA7) zwischen Münchhof und dem Verkehrskreisel bei Oberrimbach zur Staatsstraße hochgestuft wird.
Dies jedoch „drängt sich wegen der geringeren Verkehrsbedeutung der NEA7 zunächst nicht auf“, findet das Straßenbauamt: „Eine solche Straßennetzänderung muss begründet sein und mit den vorgesetzten Dienstbehörden abgestimmt werden. Letztendlich zuständig für die Straßennetzgestaltung ist das Bauministerium.“ Der schwarze Peter wandert diesbezüglich also nach München ans Ressort von Christian Bernreiter (CSU).
Aktuell wird nach dem Kenntnisstand unserer Redaktion noch eine weitere Überlegung geprüft. Grob gesprochen könnten der Landkreis und das Staatliche Bauamt sich nicht die Straße, sondern die Arbeit aufteilen; in welcher Weise dies praktikabel und schnell umsetzbar sein könnte, wird derzeit diskutiert.
Für Irritation in den drei Dörfern sorgt unter anderem der Umstand, dass für den Ausbau der Schwarzbachgrund-Strecke bereits seit vier Jahrzehnten Vorbereitungen getroffen sind: „Der Grunderwerb hierfür ist durch den Freistaat Bayern bereits seit Anfang der 1980er Jahre getätigt“, heißt es in dem Schreiben. Auch in den Ortschaften selbst habe es bereits bauliche Maßnahmen gegeben.
Wir möchten handfestere Zusagen bekommen.
Den Grund sehen die Bürgerinnen und Bürger vorrangig in der Politik: „Leider ist der einheitliche, durchgängige Ausbau in den vergangenen Jahren vor allem aufgrund fehlender Einigkeit auf politischer Ebene gescheitert.“ Deshalb soll der Brief nun an etliche Politiker gehen. Dazu soll das Schreiben in den nächsten ein, zwei Wochen noch einen Feinschliff erhalten und um Fotos ergänzt werden, kündigte Sternecker an. Ziel sei es: „Wir möchten handfestere Zusagen bekommen.“
Das Ratsgremium versicherte den drei Ortschaften seinen vollen Rückhalt. Thomas Büttner (Freie Gemeindeliste) schlug vor, für den Brief auch im Kernort Burghaslach Unterschriften zu sammeln. Hermann Wehr (NBB/BfMB) empfahl jedoch, sich bei den Adressaten auf die konkreten Entscheidungsträger zu beschränken, „sonst schiebt es wieder der eine auf den anderen“.
Bürgermeister Armin Luther hoffte, dass es bis zum nächsten CSU-Dreifrankentreffen – also bis zum 18. Mai – schriftliche Antworten der Adressaten gibt. Beim Vorjahrestreffen hatte der CSU-Landtagsabgeordnete Gerhard Eck Hoffnungen geweckt, als er sich für den Schwarzbachgrund einzusetzen versprach. Seitdem ist offenkundig ergebnislos ein Jahr verstrichen.
Mit den im Raum Burghaslach anstehenden Arbeiten an der Autobahn A3 werde der (Ausweich-)Verkehr im Schwarzbachgrund sicherlich nicht weniger, warnte Wehr zudem.