Bürgermeister: Kitakinder in Neuendettelsau waren nicht bedroht | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 27.06.2025 17:24

Bürgermeister: Kitakinder in Neuendettelsau waren nicht bedroht

In der Heilsbronner Straße in Neuendettelsau kam es am Mittwochmorgen zu einem Messerangriff, bei dem es aber keine Verletzten gab. (Foto: Antonia Müller)
In der Heilsbronner Straße in Neuendettelsau kam es am Mittwochmorgen zu einem Messerangriff, bei dem es aber keine Verletzten gab. (Foto: Antonia Müller)
In der Heilsbronner Straße in Neuendettelsau kam es am Mittwochmorgen zu einem Messerangriff, bei dem es aber keine Verletzten gab. (Foto: Antonia Müller)

Nach dem Messerangriff auf einen 30-jährigen Mann am Mittwoch in Neuendettelsau kocht die Gerüchteküche. Im Rathaus denkt man darüber nach, wie gesicherte Informationen künftig schneller verbreitet werden können, um das Aufkommen von Halbwahrheiten und Übertreibungen in den sozialen Medien zu vermeiden.

An zwei Punkten sieht Bürgermeister Christoph Schmoll (SPD) Handlungsbedarf: Es sei bei diesem Vorfall „nur schlecht gelungen“, die Öffentlichkeit frühzeitig zu informieren. Er will mit den Fraktionen im Gemeinderat darüber beraten, wie die Kommune informieren kann, ohne die Ermittlungen der Polizei zu behindern. Das Polizeipräsidium Mittelfranken hatte erst am Donnerstag um 15.36 Uhr eine Pressemitteilung verschickt, also über 30 Stunden nach der Tat.

Beratung und Betreuung werden überprüft

Die zweite Baustelle ist die Beratung und Betreuung von Geflüchteten, für die die Diakonie Ansbach und die Caritas verantwortlich sind. Mit diesen Organisationen will der Bürgermeister sprechen, ob zusätzliche Angebote erforderlich sind.

Das sind die bisher bekannten Fakten zu dem Angriff: Ein 39-jähriger Bewohner der örtlichen Außenstelle der Erstaufnahmeeinrichtung Zirndorf geriet laut Polizei in einen Streit mit einem 30-jährigen Mann, der nichts mit der Einrichtung zu tun hat. Der Angegriffene bestätigte gegenüber der FLZ diese Darstellung des Geschehens. Allerdings sei es nicht zu einem richtigen Streitgespräch gekommen. Vielmehr habe er Geschrei gehört und um Ruhe gebeten. Kurz darauf habe der Täter versucht, auf ihn einzustechen.

Kinder blieben im Gebäude

Der 30-Jährige wich dem Messer nach hinten aus, lief davon und blieb unverletzt. Der Angreifer kehrte anschließend in die Unterkunft zurück. Mehrere Notrufe, die bei Polizei und Rettungsdienst eingegangen waren, riefen Beamte der Polizeiinspektion Heilsbronn auf den Plan. Sie hielten dem Messerangreifer in der Unterkunft eine Waffe vor und nahmen ihn vorläufig fest.

Bei ihrem Eintreffen wandten sich die Streifen nach den Worten von Bürgermeister Schmoll auch an den nahe gelegenen Kindergarten und baten darum, dass die Mädchen und Jungen sich ins Gebäude begeben. Dies sei das Standardvorgehen bei einer unklaren Lage, betonte Schmoll. Für eine konkrete Bedrohung der Kinder und ihrer Betreuer gebe es keine Anhaltspunkte – ebenso wenig für einen islamistischen Hintergrund der Tat.

Keine Änderungen bei der Kirchweih

Vielmehr spielen vermutlich Drogen und eine psychische Erkrankung eine Rolle, weshalb der 39-Jährige auf Beschluss des Haftrichters am Donnerstag vorläufig in einer Fachklinik untergebracht wurde. Die Ansbacher Kriminalpolizei ermittelt wegen eines versuchten Tötungsdelikts.

Bei der Neuendettelsauer Kirchweih gelten laut Bürgermeister Schmoll die alljährlichen verstärkten Vorkehrungen für ein erhöhtes Schutzniveau. Darüber hinaus seien keine Maßnahmen geplant, denn es habe sich aller Wahrscheinlichkeit nach um einen Einzeltäter gehandelt.

Videokonferenz am Donnerstagabend

Am Donnerstagabend gab es eine Videokonferenz, an er unter anderem Vertreter der Polizei und der Kindertagesstätte teilnahmen, berichtete der Bürgermeister weiter. Er verwies darauf, dass sich die Gemeinde auf eigene Kosten bereits an einer verstärkten Betreuung beteiligt und die ehrenamtlichen Helfer unterstützt. Die Unterbringung von Geflüchteten sei eine „Riesenbelastung“, aber man müsse die Herausforderung annehmen, um „möglichst friedlich zusammenzuleben.“

Hinter der Story

Je länger es dauert, bis über ein Ereignis wie den Messerangriff in Neuendettelsau sachlich berichtet wird, desto mehr blühen die Spekulationen. Radikale kochen in den sozialen Medien auf der Unsicherheit der Menschen ihr politisches Süppchen.
Umso wichtiger ist es für die Redaktion, nur gesicherte Informationen weiterzugeben. So schnell wie möglich, aber auch nicht übereilt – und unbedingt nur auf der Grundlage von vertrauenswürdigen Quellen.
Dabei gilt es immer abzuwägen, welche Informationen relevant sind und was mit der Tat eigentlich nichts zu tun hat. Das geschieht nach professionellen journalistischen Regeln, die im Pressekodex festgehalten sind.


    Thomas Schaller
    Thomas Schaller
    Redaktion Westmittelfranken/Landkreis Ansbach
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