Seit dem Jahreswechsel ist das Wildbad keine kirchliche Einrichtung mehr. Dass dem Haus nun eine rasante „Verweltlichung“ bevorsteht, dass es also nach betriebswirtschaftlichen Kriterien komplett umgekrempelt wird, steht aber nicht zu befürchten. Dies betonten die Verantwortlichen im Gespräch mit der Redaktion.
Das an ein Märchenschloss erinnernde Anwesen im Taubertal war 1902 als Kurhotel eröffnet worden und lief als solches bis zum Ersten Weltkrieg. Danach hatte das Haus wechselnde Eigentümer und diente als Lazarett, Kinderheim, Vertriebenenunterkunft oder Polizeischule, bis es 1977 evangelische Tagungsstätte wurde. Steigende Defizite führten 2023 zur Entscheidung der Landeskirche, den Betrieb einzustellen und das Anwesen zu veräußern.
Nach Monaten der Ungewissheit wurden im Herbst 2024 die Weichen neu gestellt: Die Stadtwerke beschlossen, das Anwesen zu kaufen und von der Schlosshotel Hellenstein GmbH in Heidenheim weiterführen zu lassen. Die 28 Mitarbeitenden machen weiter, auch der bisherige Leiter Dr. Wolfgang Schuhmacher und dessen für das Kaufmännische zuständige Kollege Stephan Michels.
Mit Erich Weber, dem Geschäftsführer der Schlosshotel-GmbH, äußerten sich die beiden nun darüber, wie sie die Zukunft des Wildbads sehen. Der Tenor: Am Charakter einer offenen Begegnungsstätte, in der Kulturveranstaltungen und Tagungen stattfinden, wird nicht gerüttelt. Geschärft werden soll aber das Profil des Hauses als „normaler“ Übernachtungsbetrieb. Zwar hätten sich im Wildbad schon bisher jederzeit Touristinnen und Touristen einquartieren können, erklärte Erich Weber. So richtig als Hotel wahrgenommen worden sei es aber nicht, sondern eben vor allem als Tagungsstätte.
An dieser Stelle werde bei der Vermarktung nachjustiert, meinte er. Ziel sei dabei, zu einer höheren und über das ganze Jahr gleichmäßiger verteilten Auslastung der knapp 60 Gästezimmer zu kommen. Bisher hätten vor allem Tagungen, Probewochenenden von Chören oder größere Veranstaltungen für vorübergehend gute Buchungszahlen gesorgt. Dazwischen seien dann Phasen mit nur wenigen Gästen gewesen. Von diesen Schwankungen wegzukommen, sei der Plan, so Weber.
Für die alten Stammkunden, und zwar ausdrücklich auch für die kirchlichen Gruppen, soll das Wildbad weiter attraktiv gehalten werden, betonte Stephan Michels. Sonderkonditionen, die es früher für diese Klientel gegeben habe, könnten auch künftig geboten werden, wobei eine gewisse Preisanpassung unumgänglich sei, so Weber. Die Pakete würden aber zunächst im Schnitt nur ein paar Prozent teurer, was sich im Rahmen der in vielen Lebensbereichen unvermeidlichen Kostensteigerungen bewege. Aktuell würden die Kontakte zur kirchlichen Stammkundschaft wiederbelebt, denn viele Gruppen hätten sich bei ihren Planungen zwangsläufig neuorientiert.
Noch stärker als früher beworben werden solle das Wildbad auch als Veranstaltungsort für private Feiern wie Geburtstage, Vereinsjubiläen oder Hochzeiten. Wenn all das gelinge, werde sich unterm Strich auch das wirtschaftliche Ergebnis verbessern, ohne dass hier zu großer Druck aufgebaut werde, betonte Weber: „Im ersten Jahr werden wir die schwarze Null sicher nicht erreichen.“
Wenn sich die Auslastung verbessere, müsse natürlich auch personell aufgestockt werden, so Dr. Wolfgang Schumacher. Es sei der Plan, für Service oder Küche zusätzliche Fachkräfte zu gewinnen und in diesen Bereichen nach Möglichkeit ab September 2025 auch wieder selber auszubilden, ergänzte Stephan Michels.
Dass an dem über 120 Jahre alten Anwesen immer wieder Modernisierungs- und Reparaturmaßnahmen fällig seien, liege auf der Hand, betonte das Leitungstrio. Es gebe eine Liste von Maßnahmen, die in den nächsten Jahren abgearbeitet werde, erklärte Erich Weber. Ganz große Sanierungsmaßnahmen stünden vorläufig aber nicht an. Der Gesamtzustand sei gut. Ein Vorteil sei auch, dass viele Maßnahmen vom Hausmeister-Team mit Unterstützung der Bautechnik-Fachleute der Stadtwerke umgesetzt werden könnten.
Keine Rolle spielten im Moment Überlegungen, das Hotel mit Wellness-Elementen zu versehen, so Weber. Vielmehr werde allen Wildbad-Gästen angeboten, die nahe gelegenen Bäder und den Saunabereich der Stadtwerke kostenfrei mitzunutzen.
Zur künftigen inhaltlichen Ausrichtung des Hauses äußerte sich Dr. Wolfgang Schuhmacher. Für alle, die sich bisher im Wildbad wohlgefühlt hätten, stehe diese Begegnungsstätte auch künftig offen, betonte er. Zusätzlich würden mit der gebotenen Sorgfalt neue Zielgruppen angesprochen, natürlich auch solche „außerhalb des kirchlichen Kontexts“.