Die VR-Bank Mittelfranken Mitte scheint ihre Fusion gut verkraftet zu haben und hat die Bilanzsumme um 5,7 Prozent auf 4,24 Milliarden Euro gesteigert. Bayernweit waren die Bilanzsummen der Genossenschaftsbanken mit 0,5 Prozent im Durchschnitt im vergangenen Jahr sogar leicht rückläufig.
Angesichts dessen zeigten sich die Vorstände Dr. Gerhard Walther, Erwin Einzinger und Richard Oppelt bei der Präsentation der aktuellen Zahlen sehr zufrieden. „Gegen den Trend zu wachsen, ist natürlich anspruchsvoll“, stellte Vorstandsvorsitzender Walther im Gespräch mit der FLZ fest. Noch größer ist die Herausforderung, wenn man gerade erst eine Fusion – die VR-Bank Mittelfranken West und die Raiffeisenbank Roth-Schwabach haben sich 2022 zusammengeschlossen – hinter sich hat und der komplette Markt in Aufruhr geraten ist.
Die Synergieeffekte machen sich bemerkbar.
Durch eine Stärkung des Vertriebs sei es gelungen, sowohl die ausgegebenen Kredite als auch die Spareinlagen im vergangenen Jahr zu steigern. Darlehen in einer Gesamthöhe von 3,15 Milliarden Euro hat die VR-Bank mit Hauptsitz in Ansbach in der Bilanz stehen. Im Jahr zuvor waren es noch 2,90 Milliarden gewesen. Damit liegt die Genossenschaftsbank nun an der Spitze in der Region. Die Sparkasse Ansbach hatte im vergangenen Jahr 2,69 Milliarden Euro an Krediten vergeben, die VR Bank im südlichen Franken 2,87 Milliarden.
Das Geschäftsgebiet der VR-Bank Mittelfranken Mitte erstreckt sich zwar auf fast 130 Kilometer vom westlichsten bis zum östlichsten Punkt. Dennoch ist Walther überzeugt, dass die Bankenhochzeit der absolut richtige Schritt war. „Die Synergieeffekte der Fusion machen sich bemerkbar“, sagt er mit Blick auf die Bilanz fürs vergangene Jahr. Durch die neue Größe könne die Bank auch anspruchsvollere Darlehenswünsche von größeren mittelständischen Unternehmen aus der Region erfüllen.
Die Bank hat sehr daran gearbeitet, die Vergabe von Krediten möglichst einfach und effizient zu machen. Dafür setzt sie Robotik ein, wie Vorstand Erwin Einzinger erläuterte. Gemeint ist, dass Kunden, die einen Kredit beantragen wollen, in einem ersten Schritt verschiedene Dokumente hochladen. Der Berater oder die Beraterin kann sich damit ganz gezielt vorbereiten und die erforderlichen Daten direkt in eine Software tippen.
Automatisiert werden sie überprüft und ein konkretes Angebot erstellt, wobei auch Fördermöglichkeiten oder andere Finanzierungsoptionen einbezogen werden. Wenn alle Unterlagen vorliegen und die Liquidität des Kunden passt, ist der Darlehensvertrag im Idealfall nach 48 Stunden unterschriftsreif, zeigte sich Einzinger sichtlich stolz.
Mit einem Betriebsergebnis von 1,15 steht die VR-Bank Mittelfranken Mitte besser da als der bayernweite Durchschnitt von 0,98. Das Betriebsergebnis ist eine Kennzahl, um das operative Geschäft zu bewerten. Auch bei der Zahl der Beschäftigten liege die VR-Bank Mittelfranken Mitte um rund zehn Prozent unter dem bayerischen Durchschnitt, betont Walther, der auch Vorsitzender des Genossenschaftsverbandes in Bayern ist. 560 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat das Geldhaus. Die Zahl der Stellen ist kleiner, weil viele in Teilzeit beschäftigt sind. Übrigens hat sich der Vorstand seit der Fusion verkleinert. Aus dem anfangs fünfköpfigen Gremium ist ein Trio geworden.
Auch die weiteren Zahlen der Bilanz konnten bei der Vertreterversammlung am Donnerstagabend im Onoldiasaal überzeugen. Die Kundeneinlagen stehen nun bei 2,96 Milliarden Euro (Vorjahr: 2,76). Der Bilanzgewinn kletterte von 2,45 Millionen Euro auf nun 4,15 Millionen. 2,12 Millionen Euro davon erhalten übrigens die Mitglieder der Genossenschaftsbank. Die Vertreterversammlung hat am Donnerstagabend eine Dividende von 3,5 Prozent beschlossen. Der Rest fließt in die Rücklagen. Außerdem segnete die Versammlung Änderungen an der Satzung ab, um beispielsweise die Voraussetzungen für hybride Sitzungen zu schaffen oder veränderte das Höchstalter für Mitglieder des Aufsichtsrates.
Apropos Mitglieder: Deren Zahl ist von 60.461 auf 62.586 gewachsen. „53 Prozent unserer Kunden sind auch Mitglieder“, stellt Vorstandsvorsitzender Gerhard Walther fest. Bundesweit liege der Wert nur bei 47 Prozent. Walther hat ehrgeizige Ziele: „Wir wollen auf 65 Prozent.“ Vor einem Jahr hatte er noch 60 Prozent als Marke genannt. Für ihn ist die Zahl der Mitglieder „ein Indikator für Nähe“.
Um neue Mitglieder zu gewinnen, hat sich die Bank einiges einfallen lassen: Vergünstigungen bei regionalen Partnern, Tickets für Veranstaltungen und neuerdings gibt es sogar Nachhilfe als Bonus. Schüler können sich in den Fächern Mathe, Physik, Deutsch, Englisch und Chemie Online-Unterstützung holen, wenn sie Mitglied der VR-Bank sind.
Von den vier Hauptstellen der VR-Bank Mittelfranken-Mitte sind Ansbach, Rothenburg und Schwabach bereits modernisiert. Roth fehlt noch, folgt nun aber. Von September bis April wird die Niederlassung für 3,5 Millionen Euro auf Stand gebracht. „Wir wollen Präsenz in der Stadtmitte zeigen“, betonte Vorstand Richard Oppelt.
Doch diese Sanierung ist nicht die größte Investition der Bank. Noch im Juni beginnt der Bau eines Wohn- und Geschäftshauses in Spalt, in das die Bank selbst, ein Café und der Raiffeisen-Warenmarkt der Stadt einziehen sollen. Hinzu kommen sieben Wohnungen. 7,15 Millionen Euro gibt die Genossenschaftsbank dafür aus. Der Bau beginnt noch diesen Monat, bis November 2025 soll alles fertig sein.