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Veröffentlicht am 15.06.2026 08:37, aktualisiert am 15.06.2026 11:14

Der tiefe Fall des Royal-Sohns: Høiby soll ins Gefängnis

Marius Borg Høiby soll für vier Jahre in den Knast. (Archivbild) (Foto: Heiko Junge/NTB Scanpix/AP/dpa)
Marius Borg Høiby soll für vier Jahre in den Knast. (Archivbild) (Foto: Heiko Junge/NTB Scanpix/AP/dpa)
Marius Borg Høiby soll für vier Jahre in den Knast. (Archivbild) (Foto: Heiko Junge/NTB Scanpix/AP/dpa)

Es war der vorerst letzte Akt in einem monatelangen Schauspiel, wie Norwegen es selten erlebt hat. Das Gerichtsurteil wird um 8.30 Uhr verkündet. Vier Jahre Haft für Marius Borg Høiby, den Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit. Ein Mitglied der Königsfamilie, ein verurteilter Verbrecher. Nach norwegischem Recht sogar: Vergewaltiger. In zwei Fällen von Vergewaltigung hält das Gericht ihn für schuldig - da war er mit dem Finger in die Frauen eingedrungen. Vom schwersten Vorwurf, der Vergewaltigung mit Penetration mit dem Penis, spricht das Gericht ihn frei, genau wie von einem vierten Vergewaltigungsvorwurf. Verurteilt wird er in insgesamt 34 Anklagepunkten. 

Wie Høiby auf das Urteil reagiert, bleibt der Öffentlichkeit verborgen. Denn er sitzt in dem Moment, der über seine Zukunft entscheidet, nicht in Saal 250 des Osloer Gerichts, in dem über viele Wochen gegen ihn verhandelt wurde. Die Entscheidung verfolgt er aus gesundheitlichen Gründen per Video aus dem Gefängnis, heißt es. Dort wird er nun lange bleiben, wenn es nach den Richtern geht. Rechtskräftig ist das Urteil noch nicht. Zwei Wochen Zeit hat Høiby, um zu überlegen, ob er dagegen in Berufung gehen will. 

Ein Schock ist es aber schon jetzt, nicht nur für ihn, sondern auch für das norwegische Königshaus. Der Hof kommentiert das Urteil gegen den Ziehsohn von Kronprinz Haakon auf Anfrage nicht. Es kommt zum schlechtesten Zeitpunkt. Denn Høibys Mutter Mette-Marit ist schwer lungenkrank, ihr Zustand hat sich zuletzt laut dem norwegischen Hof dramatisch verschlechtert. So sehr, dass sie jetzt auf die Warteliste für eine neue Lunge gekommen ist. Das Drama um ihren Sohn belastet sie zusätzlich.

Drama um Mette-Marit: Høiby will bei kranker Mutter sein

Um Mette-Marit kreist derzeit die komplette Familie. Erbprinzessin Ingrid Alexandra, die Tochter des Kronprinzenpaars, hat ihr Studium in Sydney unterbrochen und ist nach Hause zurückgekehrt. Kronprinz Haakon sagt Termine ab. Kurz nach dem Urteil am Montag beantragte Marius Borg Høiby laut norwegischen Meiden zum wiederholten Mal die Freilassung aus der U-Haft, um bei seiner kranken Mutter sein zu können. Sie nur einmal die Woche im Gefängnis sehen zu können, sei unerträglich, hatte er kürzlich gesagt. Denn jedes Mal könne das letzte sein. Erst vor knapp zwei Wochen hatte er ohne Erfolg versucht, deshalb freizukommen. 

Die Richter hatten in zweiter Instanz damals wenig Mitleid mit ihm. Schließlich gehe es ihm nicht schlechter als anderen in seiner Situation. Außerdem sahen sie eine Wiederholungsgefahr: Bereits mehrfach hatte Høiby in der Vergangenheit gegen ein Kontaktverbot gegenüber einer Ex-Freundin verstoßen. Das hatte auch dazu geführt, dass er seit Beginn des Prozesses gegen ihn Anfang Februar in U-Haft sitzt.

Im Rausch ausgerastet, Möbel zerstört, Ex-Freundin geschlagen

Auf die Beziehung zu der Frau, die norwegische Medien nach dem Osloer Stadtteil, in dem sie gewohnt hat, „Frogner“-Frau nennen, hatten sich 20 der ursprünglich 40 Anklagepunkte bezogen. In fast allen dieser Punkte wurde Høiby nun den Angaben zufolge verurteilt. Zugegeben hatte er, im Rausch ausgerastet zu sein, Möbel zerstört zu haben und der Frau gegenüber gewalttätig geworden zu sein. Auch einige Verstöße gegen Kontaktverbote hatte er eingeräumt. 

Die Vergewaltigungen hatte Marius Borg Høiby aber stets bestritten. Um vier Vorfälle mit vier Frauen ging es, fast alles One-Night-Stands, bei denen er zuvor einvernehmlichen Sex mit den Betroffenen hatte. Dann aber soll er sie laut Anklage sexuell missbraucht haben, während die Frauen schliefen, und dabei gefilmt haben. 

Freispruch in zwei Fällen von Vergewaltigung

Einer der Vergewaltigungs-Fälle, in denen die Richter Høiby für schuldig halten, spielte sich am Sitz der Kronprinzenfamilie ab. „Es wurde Videomaterial in dem Fall vorgelegt. Die Aufnahmen zeigen sexuelle Handlungen und das Eindringen mit dem Finger“, sagte der Vorsitzende Richter laut der Zeitung „Verdens Gang“. „Die Geschädigte liegt völlig still da, es sind keine Geräusche zu hören.“ Deshalb sehe das Gericht es als erwiesen an, dass sie während der Aufnahmen geschlafen habe. Auch für einen ähnlichen Vorfall in der Wohnung einer Frau, die Høiby bei einem Fest kennengelernt hatte, wurde er demnach verurteilt. 

Dass er im Surfurlaub auf den Lofoten eine Bekanntschaft vergewaltigt hatte, sahen die Richter dagegen nicht als bewiesen an. „Das Gericht ist zu dem Schluss gekommen, dass begründete Zweifel bestehen“, zitierte die Zeitung „Verdens Gang“ den Vorsitzenden Richter. Es war der einzige Fall, in dem Høiby laut Anklage mit dem Penis in die Vagina einer Frau eingedrungen sein sollte, während diese schlief. In einem anderen Fall, in dem Høiby eine Frau in einem Hotel in Oslo nach norwegischem Recht vergewaltigt haben sollte, wurde er den Angaben zufolge ebenfalls freigesprochen. Verurteilt wurde er demnach aber wie in anderen Fällen dafür, dass er die Frau ohne ihr Wissen gefilmt hatte. 

Außerdem sah das Gericht es als erwiesen an, dass der Norweger eine andere Ex-Freundin - eine Influencerin - in der Beziehung der beiden missbraucht hatte. „Es liegen mehrere Gewalttaten vor“, sagte der Vorsitzende Richter laut „Verdens Gang“. „Aber im Mittelpunkt steht besonders die psychische Misshandlung.“ Auch Verkehrsdelikte sowie der Transport von 3,5 Kilogramm Marihuana verlängerten das Strafmaß.

Geht Høiby in Berufung? Noch ist das nicht klar

Weder Staatsanwaltschaft noch Verteidigung dürften zufrieden mit dem Urteil sein. Die Anklage hatte Høiby in 39 Punkten für schuldig gehalten und sieben Jahre und sieben Monate Haft verlangt. Høibys Verteidiger hatten dagegen auf eineinhalb Jahre Haft für ihren Mandanten plädiert.

Hunderte SMS und Zeugenaussagen hatten in dem Mammutprozess ein Leben mit Eifersucht, Gewalt, Untreue, ausschweifenden Partys und Drogenkonsum dokumentiert. Intime Details über Høibys sexuelle Vorlieben und die toxischen Beziehungen zu seinen Ex-Freundinnen waren genauso Gegenstand der Verhandlung gewesen wie das Aufwachsen des Norwegers im Rampenlicht. 

Seit früher Kindheit: Høiby fühlt sich verfolgt von der Presse

Unter Tränen hatte Høiby die Presse beschuldigt, ihn seit seiner frühen Kindheit verfolgt zu haben. Sich selbst hatte er als „Monster“ in der öffentlichen Wahrnehmung und „Hassobjekt von ganz Norwegen“ bezeichnet. Høiby war noch ein Kleinkind, als seine Mutter Mette-Marit den norwegischen Kronprinzen kennenlernte. Zunächst war ganz Norwegen verzückt von Haakons hellblondem Ziehsohn. Doch als junger Erwachsener geriet Høiby auf Abwege, kämpfte mit Drogensucht und psychischen Problemen.

Im August 2024 nahm die Polizei ihn nach einem Vorfall in der Wohnung der „Frogner“-Frau zum ersten Mal fest. Im Laufe der Ermittlungen kamen immer mehr Vorwürfe ans Licht. Kurz vor dem Prozess griff die Polizei Høiby erneut auf. Ob der 29-Jährige in U-Haft bleibt, bis er seine Strafe antritt, hängt nun davon ab, ob Høibys neuer Antrag auf Freilassung Erfolg hat. Der Grund diesmal wie beim letzten Mal: sein Wunsch, bei seiner schwer kranken Mutter zu sein.

© dpa-infocom, dpa:260615-930-224215/4


Von dpa
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