Der WM-Kontrast: Weinender Karl und Sané in der Jubeltraube | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 07.06.2026 09:02

Der WM-Kontrast: Weinender Karl und Sané in der Jubeltraube

Lennart Karl auf dem Weg zum Training im Soldier Field, bei dem seine WM-Träume platzten. (Foto: Federico Gambarini/dpa)
Lennart Karl auf dem Weg zum Training im Soldier Field, bei dem seine WM-Träume platzten. (Foto: Federico Gambarini/dpa)
Lennart Karl auf dem Weg zum Training im Soldier Field, bei dem seine WM-Träume platzten. (Foto: Federico Gambarini/dpa)

Als ausgerechnet Leroy Sané in Chicago nach seinem Siegtor gegen die USA den Mittelpunkt der deutschen Jubeltraube bildete, war WM-Pechvogel Lennart Karl längst zurück in Deutschland. Und das untröstlich. 

Er war es doch, der bei der Turnier-Generalprobe im Soldier Field auch noch den letzten Step der Vorbereitung erfolgreich gestalten wollte, um in den kommenden Wochen mit 18 Jahren auf der größtmöglichen Fußballbühne seinen kometenhaften Aufstieg in noch höhere Sphären zu beschleunigen.

Und jetzt? War es Konkurrent Sané, der bei der Turnier-Generalprobe seinen Platz auf dem rechten Flügel einnahm, in der 57. Minute mit seinem starken linken Fuß das 2:1 erzielte und zum Matchwinner wurde. Um später zu sagen: „Mein Tor ist mir egal, das Team ist mir wichtiger. Das ist mir wichtiger, dass wir alle zusammen an einem Strang ziehen und die Spiele positiv angehen.“

Bündelriss nach „relativ einfachem Torschuss“

Auch Karl wollte Teil dieser Gruppe sein, ein prägender noch dazu. Er war auch kurz davor. Bis ein „relativ einfacher Torschuss“ beim Training vor dem letzten WM-Test, wie Bundestrainer Julian Nagelsmann aufklärte, zu einem Muskelbündelriss im linken Oberschenkel führte. Und Karls Teenie-Träume von einem persönlichen WM-Sommermärchen jäh platzen ließ. 

Tränen flossen beim Bayern-Youngster im Stadion. Tränen flossen auch beim Abschied vor den versammelten Kollegen im Teamhotel. DFB-Präsident Bernd Neuendorf berichtete von emotionalen Szenen. Auch Karl habe noch ein paar Worte gesprochen, „obwohl ihm das schwergefallen ist. Er war extrem traurig“. 

Karl: Es tut einfach unbeschreiblich weh

In einem Instagram-Post beschrieb der nur 1,68 Meter große „Lenny“, wie ihn alle rufen, unter einem Bild, dass ihn auf dem Rücken liegend am Boden zeigt, seine Gefühle: „Ich weiß kaum, wo ich anfangen soll, aber es tut einfach unbeschreiblich weh, das größte Turnier verpassen zu müssen. Ich habe alles getan, um für die Weltmeisterschaft fit zu sein. Leider kommen Verletzungen oft zum unglücklichsten Zeitpunkt.“ Ein WM-Turnier gibt es nur alle vier Jahre. 

Mitgefühl kam von allen Seiten. Vom Bundestrainer, der von „einem großen Schock“ für alle sprach. Von Kapitän und Bayern-Kollege Joshua Kimmich: „Für Lenny tut es mir brutal leid.“ Von Rekordnationalspieler Lothar Matthäus, der in seiner Karriere selbst schwerste Verletzungen bewältigen musste. 

Eine WM sei „ein Kindheitstraum“, sagte der Weltmeister-Kapitän von 1990. „Du freust dich darauf, du arbeitest dahin.“ Und Karl sei doch förmlich „in den Himmel geschossen“ nach gerade mal neun Monaten als Profi. „Diesen Schock, den muss er auch vom Kopf her verarbeiten“, äußerte Matthäus mitfühlend. 

Wie geht's weiter für Karl? Reha statt WM heißt nun sein Sommer-Programm. Der Verein sicherte volle Unterstützung zu. Sportvorstand Max Eberl befand: „Es ändert sich nichts daran, wie viel Talent, Leidenschaft und Zukunft in Lenny stecken.“ Dieser wiederum versprach prompt: „Ich komme zurück, stärker.“ 

Das war der allgemeine Tenor, den auch DFB-Sportdirektor Rudi Völler anschlug: „Wir sagen alle das Gleiche: 'Lenny, du bist noch jung. Du wirst noch viele Turniere spielen können'.“

Ouédraogo rückt nach in den Kader 

Das Fußballgeschäft funktioniert so. Verletzungen gehören dazu. Und der stete Blick nach vorn. EM 2028. WM 2030. Bei der in Amerika aber nimmt nun - für viele überraschend - der 20 Jahre alte Leipziger Assan Ouédraogo Karls Platz im 26-Mann-Kader ein. Und der 30-jährige Sané womöglich auch im ersten WM-Spiel gegen Curaçao die von Karl hinterlassene Leerstelle rechts vorne.

Extrem bemüht und mit positiver Körpersprache ging Sané gegen die US-Boys zu Werke. Lange blieben seine Aktionen ohne Ertrag. Dann schlug er zu, als ihm 1:0-Schütze Kai Havertz den Ball perfekt auflegte. Völler lobte später: „Leroy hat gute Tempodribblings gehabt. Das ist seine große Qualität. Und er hat ein schönes Tor erzielt. So darf er ruhig weitermachen.“

Auch Nagelsmann war „insgesamt zufrieden“ mit Sané nach dessen 76. Länderspiel. „Er hat das Tor gemacht, das ist am Ende mit das Wichtigste, was ein Offensivspieler machen kann auf dem Feld.“ Einen Freibrief mochte der Bundestrainer aber Sané nicht ausstellen. „Wir haben mehrere Optionen.“

Maximilian Beier, Jamie Leweling, Jamal Musiala, auch Havertz nannte er namentlich. „Wir sind ein gutes Team. Wir freuen uns riesig auf die WM und wollen angreifen“, verkündete Sané. Das hätte auch Lennart Karl gewollt.

© dpa-infocom, dpa:260607-930-184661/1


Von dpa
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