Es klingt nach Thriller. Menschen bleiben im Aufzug stecken, Tankstellen geben kein Benzin frei, erste Tumulte beginnen. Szenen wie diese drohen bei einem Blackout, einem völligen Stromausfall. Hilfsorganisationen in Ansbach simulierten ihn in einer Übung. Was brachte Ideengeber Steffen Beck gerade auf dieses Thema?
An einen Stromausfall, der zwischen zwölf und 72 Stunden dauert, denkt wohl niemand gern. Die Aktiven im Katastrophenschutz aber müssen es. Welche Schlüsse ziehen sie nun aus der Übung am Freitag? Es war die erste Blackout-Übung in der Stadt, wie der Stadtbrandrat und Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr (FFW) Ansbach, Steffen Beck, erklärte.
Er hatte mit seinem Vorgänger Horst Settler, abgestimmt mit dem städtischen Amt für Brand- und Katastrophenschutz, ein Gasmangel- und Blackout-Konzept für die Stadt erarbeitet. Den Ausschlag dafür, es einmal auf den Prüfstand zu stellen, habe nun der rund 60-stündige Stromausfall im Südosten Berlins im September gegeben.
Steffen Beck, der auch Örtlicher Einsatzleiter (ÖEL) ist, Pascal Mittemeyer, Stadtbrandinspektor und erster stellvertretender Kommandant, sowie Patrick Mittemeyer, Zugführer und ÖEL, alle von der FFW Ansbach, bereiteten die Übung vor.
Das Szenario „ist leider nicht unrealistisch”, führte der Leiter des Amtes für Brand- und Katastrophenschutz, Martin Zippel, in der Ansbacher Feuerwache im Ortsteil Eyb aus. Man habe im Bundesgebiet jetzt schon mehrfach länger andauernde Stromausfälle erlebt.
Bei der Übung dabei waren diejenigen Feuerwehren in der Stadt, die einen von mehreren Katastrophenschutz-Leuchttürmen mit Notstromversorgung betreiben. Dahinter verbergen sich Anlaufstellen für Einwohnerinnen und Einwohner, zum Beispiel bei medizinischen Notfällen.
Außerdem wirkten an der Übung das Rote Kreuz, die Polizei, das Technische Hilfswerk (THW), die Bundeswehr, die Führungsgruppe Katastrophenschutz (FüGK) der Stadt und die Örtliche Einsatzleitung mit. Oberbürgermeister Thomas Deffner und der städtische Rechtsreferent Udo Kleinlein waren ebenfalls vor Ort.
Das Szenario setzte zu einem Zeitpunkt ein, als in der Stadt übungshalber schon sechs Stunden Stromausfall herrscht. „Die Übung war zweigeteilt”, schilderte Steffen Beck. Zum einen habe der Einsatzstab mit Tilman Wörrlein als Örtlichem Einsatzleiter in einem theoretischen Rahmen fiktive Meldungen abgearbeitet. Er ist Stadtbrandinspektor und weiterer stellvertretender Kommandant der FFW Ansbach.
Unter den Meldungen waren gemäß Steffen Becks Angaben etwa eine ausgefallene Heizung in einem Altenheim, knapp werdender Treibstoff in einem wichtigen Notstromaggregat oder Unruhen an Einkaufsmärkten und Tankstellen. Überdies enthielt die Übung ein brennendes Mehrfamilienhaus durch eine umgestürzte Kerze.
Zum anderen gab es einen Praxisteil, indem „man diese Leuchttürme in Betrieb nimmt und diese Abläufe testet”, stellte der Stadtbrandrat fest. Statistinnen und Statisten hätten hier Anliegen vorgebracht, also zum Beispiel geklagt, dass ein kleines Kind hohes Fieber hat.
Darüber hinaus habe man die Weinberghalle als Versorgungszentrum über ein externes Notstromaggregat mit Strom versorgt. Das THW bereitete einen Bereitstellungsraum, also einen Sammelpunkt von Einsatzkräften, vor und betrieb ihn, wie Steffen Beck erläuterte. Das Rote Kreuz habe fiktive Einsätze erledigt. Die Übung „ist von den ganzen Einsatzkräften sehr gut angenommen worden”.
In der Bilanz sieht der Kommandant sie „sehr positiv”. Bei einigen Abläufen gelte es jedoch, Stellschrauben nachzuziehen, also das anzupassen, was nicht so gut gelaufen sei. Zum Beispiel könne man Betriebsabläufe effizienter gestalten.
2019 simulierte eine Stabsrahmenübung, also eine theoretische Übung, in der keine Kräfte zum Einsatz fahren, einen Bombenfund nahe dem Bahnhof. Die Idee dazu hatte ebenso Steffen Beck als damaliger Stadtbrandinspektor.
„In der FLZ war vorher zu lesen, dass Bauarbeiten am Bahnhof anstanden”, blickte er später in einem Interview zurück. „Wer die Geschichtsbücher durchkämmt, weiß, dass der Bahnhof 1945 bombardiert worden ist.” 2021 tauchten bei den Bauarbeiten echt zwei Blindgänger auf, ein weiterer bei Arbeiten am nahen Retti-Palais. Daran erinnerten Beteiligte am Rande der Übung jetzt – und hofften, dass diese nicht Realität wird.