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Veröffentlicht am 27.08.2023 12:49

Die Bürgergeld-Zahlen in Ansbachs Jobcenter steigen leicht

Die Zahlen beim Bürgergeld in Ansbach gehen weiter etwas nach oben. Ukraine-Geflüchtete sind seit Juni 2022 leistungsberechtigt – da noch im Hartz-IV-Rahmen. Aber: „Wir merken jetzt auch unabhängig von Ukrainern wieder einen leichten Zuwachs“, sagt die Chefin des Jobcenters Stadt Ansbach, Gabriele Lender-Mieke.

„Wir haben jetzt auch wieder einheimische Antragsteller“, stellt die Geschäftsführerin fest. Tröpfchenweise kämen immer noch Geflüchtete und EU-Bürger.

Gemäß den hochgerechneten Zahlen des Jobcenters gab es in Ansbach im Juli 1303 Bedarfsgemeinschaften. So nennen sich Haushalte, die Bürgergeld bekommen, egal ob sie aus Einzelpersonen oder aus großen Familien bestehen. Im Juli 2022 waren es 1247 Bedarfsgemeinschaften, also ein Plus von 4,5 Prozent.

Ein Plus von 19,4 Prozent in einem Jahr

Die aktuellsten gesicherten Zahlen stammen aus dem April 2023. Da waren es genau 1284 Bedarfsgemeinschaften, im April 2022 noch 1075 – was einem Plus von 19,4 Prozent entspricht. Im April 2022 waren jedoch Geflüchtete aus der Ukraine noch nicht leistungsberechtigt.

Als erwerbsfähige Leistungsberechtigte gelten in der Fachsprache Menschen von 15 Jahren bis zum Renteneintritt, die grundsätzlich arbeiten können. Im Juli 2023 waren dies gemäß den hochgerechneten Zahlen 1768 Personen in Ansbach und im Juli 2022 noch 1660. Dies bedeutet 6,5 Prozent mehr.

Die gesicherten Zahlen vom April 2023 sehen 1723 Menschen als erwerbsfähige Leistungsberechtigte an, die vom April ein Jahr vorher 1429. Das Plus beträgt 20,6 Prozent.

„Der Spracherwerb bei Ukrainern zieht sich in die Länge“

Nach den gesicherten Daten vom April zeigen sich in Ansbach 207 Bedarfsgemeinschaften, bei denen mindestens ein Leistungsberechtigter die ukrainische Staatsangehörigkeit hat, also rund 16 Prozent aller Haushalte mit Bürgergeld-Bezug.

Was Sprachkurse für Ukrainer betrifft, stellte man voriges Jahr 290 und dieses Jahr bisher 38 Teilnahmeberechtigungen aus, wie Gabriele Lender-Mieke schildert. Sprachkurse begonnen hätten voriges Jahr 229 Personen, dieses Jahr 47.

„Was wir nicht erwartet hatten, war, dass sich die Sprachkurse, der Spracherwerb und die Arbeitsintegration der Ukrainer doch recht in die Länge ziehen.“

In Ansbach herrsche eine gute Landschaft an Trägern für Sprachkurse, aber sie könnten nicht nur Vollzeitkurse anbieten. „Sie müssen das auch aus der Personalsituation heraus oftmals strecken“ – in längeren Teilzeitmaßnahmen. Dies verzögert letztendlich den Zeitpunkt, an dem die Menschen arbeiten.

Hohe Erwartungshaltung der Wirtschaft

„Die Erwartungshaltung auch der Wirtschaft war ja sehr hoch, als die Ukrainer kamen“, sagt die Jobcenter-Chefin, „da muss man schon ein bisschen dämpfen.“ Sprache sei weiter ein wichtiger Schlüssel zur Integration, und die Ukrainer könnten nicht mit jeder Ausbildung sofort ausbildungsangemessen einsteigen.

Gleichzeitig „besteht ein bisschen der Anspruch, adäquat zur Qualifikation eine Arbeit zu finden“. Nötig sei ein längerer Atem, was Wege in die Arbeit anbelangt. In reglementierten Berufen komme ja die berufliche Anerkennung hinzu.

Was erwartet Gabriele Lender-Mieke generell für das weitere Jahr? „Ich gehe schon davon aus, dass die Daten noch mal etwas steigen“, aber moderat, führt sie aus. Andererseits ziehe der Arbeitsmarkt eigentlich immer im Herbst an.

Freiwilligkeit statt Fordern

„Insgesamt merken wir, dass wir es schwerer haben, Menschen in Arbeit zu bringen.“ Allerdings habe man auch mehr erwerbsfähige Leistungsberechtigte, die derzeit nicht arbeiten können, weil sie zum Beispiel einen Sprachkurs besuchen.

Bis zur jüngsten Reform flossen Hartz-IV-Leistungen, offiziell Arbeitslosengeld II. Das Leitprinzip lautete dabei „Fördern und Fordern“. Dieses sei stärker dem Aushandeln und der Freiwilligkeit gewichen, bemerkt Gabriele Lender-Mieke.

Ohne bereits viele Erfahrungswerte zu haben, „denke ich, dass manche Menschen schon merken, dass sie nicht mehr so müssen“. Allerdings könne das Jobcenter jetzt zum Beispiel deutlich mehr in Sachen Weiterbildungen fördern.

Die Chefin des Jobcenters Stadt Ansbach, Gabriele Lender-Mieke (rechts), und Melanie Reimschüssel, Fachassistentin in der Leistungsabteilung des Jobcenters, blicken auf die derzeitige Situation. (Foto: Oliver Herbst)
Die Chefin des Jobcenters Stadt Ansbach, Gabriele Lender-Mieke (rechts), und Melanie Reimschüssel, Fachassistentin in der Leistungsabteilung des Jobcenters, blicken auf die derzeitige Situation. (Foto: Oliver Herbst)
Die Chefin des Jobcenters Stadt Ansbach, Gabriele Lender-Mieke (rechts), und Melanie Reimschüssel, Fachassistentin in der Leistungsabteilung des Jobcenters, blicken auf die derzeitige Situation. (Foto: Oliver Herbst)

Oliver Herbst
Oliver Herbst
... schreibt seit seinem 16. Lebensjahr für die Fränkische Landeszeitung. In über 30 Jahren lernte er dabei viele Menschen und ihre Geschichten kennen - von Burghaslach bis Mönchsroth und von Windsbach bis Schnelldorf. Seit 2014 gehört er zum Team der Lokalredaktion Ansbach.
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