Die Mittelschule Feuchtwangen-Land hat in ihre Praxisausbildung investiert. Da laut Schulleiter Johannes Stegmann noch Mittel im diesjährigen Haushalt übrig waren, wurden vier 3D-Drucker für etwa 300 Euro pro Gerät angeschafft. Und diese kamen jetzt auch direkt zum Einsatz.
Schon seit Jahren kooperiert die Firma Rehau Automotive mit der Feuchtwanger Mittelschule in verschiedenen Bereichen. Nun fiel der Startschuss für ein weiteres gemeinsames Projekt: Mit Hilfe von den neu angeschafften 3D-Druckern erhielten die Schülerinnen und Schüler der Klasse M8 einen praxisnahen Einblick in die Welt der Kunststofftechnologie.
Unter fachkundiger Anleitung von Markus Mögel, Ausbilder für den Bereich Elektro bei Rehau Automotive, haben die 14 Mädchen und Buben im Technik-Unterricht ihre Namen in Form von Schlüsselanhängern gefertigt.
Zunächst wurden die Buchstaben am PC mit Hilfe eines kostenlosen Programms modelliert, angeordnet und alle notwendigen Einstellungen vorgenommen. Dann wurden die Dateien über USB-Sticks, die das Unternehmen gesponsert hatte, an den 3D-Drucker übertragen.
Und schon ging es los: Mit einem leisen Surren und Vibrieren trug der 3D-Drucker mit zirka 230 Grad Schicht für Schicht des Materials auf – bis am Ende jeder seinen eigenen Schlüsselanhänger in den Händen halten konnte. Hierbei war Geduld gefragt. Etwa 30 Minuten, je nach Länge des Namens, dauerte die Fertigstellung.
Als Material kam dabei nicht etwa – wie meist erwartet – Plastik, sondern Maisstärke zum Einsatz. „Uns ist es auch wichtig, dass die jungen Menschen sehen, dass die Kunststoffverarbeitung nicht mehr so umweltbelastend ist wie früher, sondern dass wir mit einem recycelfähigen und nachwachsenden Rohstoff arbeiten“, hob Mögel hervor.
Dank der Kooperation wird Rehau die Schule auch künftig mit diesem Nachfüllmaterial kostenlos versorgen. Eine Win-win-Situation für beide Einrichtungen, wie Thomas Schoppik, Leiter im Personalwesen bei Rehau, erklärte. „Für uns sitzen hier natürlich die potenziellen Nachwuchskräfte von morgen. Wir wollen die jungen Menschen motivieren, sich an das Thema Kunststoff heranzutrauen. Und wenn es am Ende nur zwei oder drei Leute interessiert, die dann mal bei uns in der Ausbildung landen, dann haben wir alles richtig gemacht.“
Für einige Schüler ist das Thema 3D-Druck kein Neuland mehr. Der 14-jährige Lukas hat beispielsweise bei seinem Opa ein solches Gerät stehen. „Ich finde es interessant, wie fein und präzise ein 3D-Drucker arbeiten kann. Vom einfachen Würfel bis zum komplexen Eiffelturm – es ist alles möglich“, sagte er. Sein Klassenkamerad Devin fügte hinzu: „Am Anfang ist es zwar ein bisschen schwierig, das Programm zu verstehen, aber am Ende ist man richtig stolz, etwas komplett selbst hergestellt zu haben.“
Der 14-jährige Nick besitzt bereits selbst einen 3D-Drucker, mit dem er beispielsweise schon Weihnachts-Deko-Artikel hergestellt hat. „Der Unterricht hat heute sehr viel Spaß gemacht. Es wurde alles sehr gut erklärt.“ Die drei Buben kümmern sich künftig um die Wartung der Geräte. Auf die Frage, welche Schulnote sie dem 3D-Druck-Kurs geben würden, antworten alle ohne Zögern mit „Eins“.
Und auch Schulleiter Johannes Stegmann zeigte sich zufrieden: „Die Schüler sind motiviert, da sie direkt ein Ergebnis ihrer Arbeit sehen.“ Es sei ein spielerischer erster Zugang zum Thema Kunststoff. Aber jetzt sei natürlich auch die Auslastung dieser 3D-Drucker wichtig. „Wir wollen deshalb die Lehrkräfte in diesem Bereich weiter ausbilden, so dass zum Beispiel Klassenprojekte umgesetzt werden können.“ Theoretisch wären die 3D-Drucker zum Beispiel auch im Fach Kunst einsetzbar. Und: „Ich bin mir sicher, dass damit noch viele gute Sachen zu Stande kommen“, sagte Rektor Stegmann.