Die Freien Wähler schicken ihr Wunderkind Marco Meier ins Ansbacher Landratsrennen | FLZ.de | Stage

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 24.02.2026 14:23

Die Freien Wähler schicken ihr Wunderkind Marco Meier ins Ansbacher Landratsrennen

Marco Meier ist zwar gern Bürgermeister in Ornbau, doch ist aus seiner Sicht die Zeit reif für einen Wechsel im Landkreis Ansbach. Deshalb bewirbt er sich als Landrat.  (Foto: Robert Maurer)
Marco Meier ist zwar gern Bürgermeister in Ornbau, doch ist aus seiner Sicht die Zeit reif für einen Wechsel im Landkreis Ansbach. Deshalb bewirbt er sich als Landrat. (Foto: Robert Maurer)
Marco Meier ist zwar gern Bürgermeister in Ornbau, doch ist aus seiner Sicht die Zeit reif für einen Wechsel im Landkreis Ansbach. Deshalb bewirbt er sich als Landrat. (Foto: Robert Maurer)

Man könnte ihn als politisches Wunderkind bezeichnen. Marco Meier hat mit seinen 33 Jahren bereits 15 Jahre politische Erfahrung. Seit sechs Jahren ist er Bürgermeister und Kreisrat, seit zweieinhalb Jahren zusätzlich Bezirksrat. Nun will der Freie Wähler Amtsinhaber Dr. Jürgen Ludwig (CSU) vom Thron schubsen.

Angesichts von sieben Bewerberinnen und Bewerbern um den Landratsposten gilt eine Stichwahl als sehr wahrscheinlich. In der Kreispolitik trauen viele Meier zu, im Finale dabei zu sein. Er ist eloquent, tritt selbstbewusst auf, hat ein Gespür für Themen und bietet pragmatische Lösungen an.

Meier sieht Spielräume

Das hat er in den vergangenen sechs Jahren als Bürgermeister von Ornbau immer wieder bewiesen. In schöner Regelmäßigkeit hat er das Städtchen mit gut 1700 Bürgerinnen und Bürgern in ein positives öffentliches Licht gerückt. Studiert hat er übrigens Sportmanagement und Sportpsychologie. Sollte die politische Karriere des überzeugten Freien Wählers also abrupt enden, hat er noch ein ganz anderes Eisen im Feuer. Dann würde er den modischen Anzug vermutlich öfter gegen den Kapuzenpullover tauschen, mit dem er auch jetzt gelegentlich im Rathaus von Ornbau anzutreffen ist. „Wenn ich keine Termine habe”, sagt er und grinst.

„Wir haben als Kommunalpolitiker die Möglichkeit, Spielräume auszureizen”, ist Marco Meiers Credo. Er sieht bei den Fachbehörden zu viel Macht und möchte bei Entscheidungen mehr gesunden Menschenverstand walten lassen.

Kliniken brauchen „Profil mit Strahlkraft”

Das bestimmende Thema im Wahlkampf ist für Meier die Gesundheitsversorgung im Landkreis. „Wir können ANregiomed nur mit einem neuen Verwaltungsratsvorsitzenden retten”, sagt er und es ist klar, wer aus seiner Sicht für den Posten am besten geeignet wäre. „Wir müssen uns fragen: Wo wollen wir in fünf Jahren stehen?” Um dauerhaft mehr Patientinnen und Patienten zu haben, sei ein „Profil mit Strahlkraft” nötig.

Aus Meiers Sicht sind die Häuser in Dinkelsbühl und Rothenburg unverzichtbar für die 24/7-Basisversorgung und um genügend Ärztinnen und Ärzte für die Notfallversorgung zu haben. Vor eineinhalb Jahren hatte er angesichts des enormen Defizits von ANregiomed noch eine andere Meinung vertreten. Dazu steht er auch und verweist auf die Entwicklungen seitdem.

Beim Themenfeld medizinische Versorgung verweist Meier auf den Notstand bei niedergelassenen Ärzten. Dass hier Handlungsbedarf herrsche, sei seit zehn Jahren bekannt. „In der Zeit kann man als Landkreis schon etwas anschieben”, greift er den Amtsinhaber an. Der Freie Wähler, der auch der Kandidat der unabhängigen Wählergemeinschaften im Landkreis ist, verweist auf die Räumlichkeiten im ehemaligen Krankenhaus in Feuchtwangen und in der Klinik in Neuendettelsau. Ideale Voraussetzungen, um Medizinzentren zu etablieren, findet er. „Das sollte man doch in die Versorgungsstruktur einbinden.”


Das macht mich verrückt


Noch teurer als ANregiomed ist für den Landkreis der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV). Seit einem Jahr liefen Workshops und Arbeitskreise, aber erst jetzt will die Verwaltung mit digitalen Fahrgastzählungen beginnen. „Das macht mich verrückt.” Der Wahl-Ornbauer, der in Weihenzell aufgewachsen ist und dort schon früh dem Gemeinderat angehörte, schüttelt im Gespräch immer wieder den Kopf, wenn er von solchen Dingen erzählt.

Das Fundament für das ÖPNV-Angebot muss nach Ansicht Meiers klar die Schülerbeförderung sein. „Die müssten wir komplett neu aufstellen.” Gut fände er das Angebot eines Azubi-Shuttles. Solche Angebote gebe es in anderen Landkreisen und diese seien für wenig Geld realisierbar.

Beim Thema Wirtschaft bricht die Ungeduld, die Meier antreibt, vollends aus ihm heraus. „Interfranken geht mir zu langsam.” Die Wirtschaftskraft im Landkreis sei entscheidend für alles andere. Deshalb sei es unerlässlich, Gewerbeflächen anzubieten. Was den Flächenfraß angeht, würde der Ornbauer den Fokus eher auf die Ballungsräume richten. „Wir kämpfen hier dagegen an, nicht abgehängt zu werden.”

Meier sieht zwar grundsätzlich die Zeit für den Wechsel im Landkreis Ansbach gekommen. Doch er sagt nicht, dass bislang alles schlecht gelaufen wäre. Bei den Schulen und den Straßen habe der Landkreis seine Hausaufgaben gemacht. Das Projekt Chance Natur wird weiter gepflegt. Mit der Unterstützung der Städte und Gemeinden konnte der Landkreis seine Schulden abbauen.

Akribische Planung der Kandidatur

Marco Meier kandidiert nicht nur als Landrat. Er bewirbt sich auch erneut um den Posten als Bürgermeister von Ornbau. Als einziger Kandidat. In anderen Landkreisen seien solche Doppelkandidaturen üblich, sagt er. „Wäre ich ein Angestellter, würde ich meinen bisherigen Job auch nicht kündigen, bis ich den neuen sicher habe.” Sollte er Landrat werden, steht schon ein Ersatzkandidat von außerhalb bereit, kündigt Meier an. In Ornbau wohnen bleiben will er ohnehin – völlig unabhängig vom Wahlausgang.

Der 33-Jährige hat seine Landratskandidatur akribisch geplant. Seit September hat er alle Städte und Gemeinden besucht und wird bis zum Wahltag an mehr als 350 Wahlveranstaltungen teilgenommen haben. Intensiver als alle anderen Herausforderer Ludwigs plakatiert er und schaltet Werbung. Vor sechs Jahren hat der FW-Landratskandidat Jürgen Seifert in der Stichwahl 42 Prozent gegen Amtsinhaber Ludwig geholt, obwohl Seifert als Kandidat von außerhalb weniger bekannt war. Deshalb sieht Meier für sich echte Chancen. „Das ist die Wahl zwischen einem Weiter-so und einem echten Wechsel.”

north