Im Scheinfelder Gymnasium war es bislang im Wesentlichen so geregelt: Wer Französisch als zweite Fremdsprache wählt, darf am Schüleraustausch mit dem französischen Larche teilnehmen; wer Latein wählt, kann freilich nicht ins alte Rom, dafür aber nach Trbovlje nach Slowenien.
Zwar spricht man auch dort kein Latein, sondern eine slawische, also für die meisten hiesigen Ohren mindestens ebenso rätselhafte, Sprache. Dennoch kamen die Schülerinnen und Schüler mit den Deutschgrundkenntnissen der Trbovlje-Gäste, ein bisschen Englisch und den redensartlichen Händen und Füßen meist zurecht. Jedenfalls klappte der Austausch (von der Corona-Zwangspause abgesehen) über drei Jahrzehnte. Er war vermutlich bayernweit der erste und in Mittelfranken bis zuletzt der einzige seiner Art. Doch nun ist zum Bedauern des Scheinfelder Gymnasiums Schluss.
Vor zwei Monaten bekam die Schule die Nachricht von den slowenischen Partnern, dass eine Fortsetzung wohl keinen Sinn mehr ergebe. Denn zum zweiten Mal hintereinander muss die Schule in Trbovlje den Austausch mit Scheinfeld absagen, weil es in der Schülerschaft zu wenig Interesse dafür gegeben habe. Es hätten sich fürs laufende Schuljahr nur vier Jugendliche dafür angemeldet – zu wenige, um den Organisationsaufwand rechtfertigen zu können.
„Es tut uns sehr leid”, schrieb Schulleiterin Jelena Keršnik an ihren Scheinfelder Amtskollegen Wolfram Schröttel. Auf Seiten der slowenischen Verantwortlichen mutmaßte man, dass bei ihren Jugendlichen Reisen ohne weitergehende Verpflichtungen inzwischen höher im Kurs stehen. Im Übrigen seien die Gründe für die Zurückhaltung unter den slowenischen Schülerinnen und Schüler wohl vielfältig, erklärte Keršnik.
Das Bedauern teilt Schröttel. Ihn treibt die Frage um, wie es nun weitergehen soll. Am Donnerstagnachmittag wurde darüber auch im Schulforum debattiert. Die Schüler- und Elternvertreter waren dort dafür, dass der Slowenien-Austausch nicht ersatzlos wegfällt, berichtete Schröttel. Im Sinn hat der Direktor dabei zum Beispiel Polen. Da besteht seit inzwischen ebenfalls schon einigen Jahren eine Gebietspartnerschaft zwischen Mittelfranken und Pommern. Im hiesigen Landkreis haben zudem drei Kommunen (Uffenheim, Uehlfeld und Burghaslach) Städtepartnerschaften zu polnischen Kommunen.
Auch Tschechien haben die Scheinfelder im Blick. Partnerschaften dorthin werden aktuell auch von der bayerischen Politik befürwortet, erläutert der Direktor. Und die historischen Verbindungen Scheinfelds mit dem Haus Schwarzenberg wären eventuell ein zusätzliches Argument.
Entschließt sich das Gymnasium, keine neue Partnerschaft einzugehen, dann gäbe es noch die Möglichkeit, vermehrt Einzelaustausche von Schülern und Schülerinnen anzubieten. Das hatten die Scheinfelder jüngst etwa mit Kolumbien im Programm. Im Übrigen, so deutet Schröttel an, sähe man es seitens des Kultusministeriums wohl gar nicht so ungern, wenn künftig die eine oder andere Partnerschaft weniger gestemmt werden müsste. Auch die Überlegung, statt eines Austausches eine Klassenfahrt zu unternehmen, wird erwogen.
Fürs laufende Schuljahr ist, wie man so sagt, der Zug wohl abgefahren. Da lässt sich in der Kürze der Zeit sicherlich nichts Neues auftun, ist sich Schröttel gewiss. Fürs nächste Schuljahr bleiben aber noch ein paar Monate Zeit. In der Regel werden solche Entscheidungen zum Schuljahresanfang getroffen. Besprochen werden muss derlei nicht nur mit dem Schulforum, sondern auch mit der Lehrerkonferenz, die darüber entscheidet, und mit dem Elternbeirat, der seine Zustimmung geben muss.