Dinkelsbühler Bürgerbus: Keine Rollstuhlmitnahme trotz Kritik | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 22.11.2025 16:00

Dinkelsbühler Bürgerbus: Keine Rollstuhlmitnahme trotz Kritik

Auf dem Stellplatz des Dinkelsbühler Bürgerbusses „parkt” auch die Hebebühne für Rollstühle. Klaus Wüstner von der Bürgerbusverwaltung sagt, dass ein Einbau derzeit nicht möglich sei. (Foto: privat)
Auf dem Stellplatz des Dinkelsbühler Bürgerbusses „parkt” auch die Hebebühne für Rollstühle. Klaus Wüstner von der Bürgerbusverwaltung sagt, dass ein Einbau derzeit nicht möglich sei. (Foto: privat)
Auf dem Stellplatz des Dinkelsbühler Bürgerbusses „parkt” auch die Hebebühne für Rollstühle. Klaus Wüstner von der Bürgerbusverwaltung sagt, dass ein Einbau derzeit nicht möglich sei. (Foto: privat)

Klaus Wüstner ist der „Bürgerbusverwalter” in Dinkelsbühl. Er reagierte jetzt auf die Kritik, dass das Fahrzeug keine Menschen im Rollstuhl befördern kann, weil die Hebebühne wieder ausgebaut wurde.

Wüstner schreibt in seiner Stellungnahme, dass der ursprünglich für Bürgerbusfahrten angeschaffte rote Kleinbus mit der Rollstuhlfahrereinrichtung „für Kurzstrecken nicht tauglich war”. Eine Reparatur habe die andere abgelöst und zuletzt habe der Motor stark darunter gelitten. „Es wäre unverantwortlich gewesen, das Fahrzeug für Kurzstrecken weiter zu verwenden”, ist Wüstner überzeugt.

Es kam zu der Entscheidung, den roten Bürgerbus stattdessen für Ausflüge von Vereinen und damit für weite Strecken zur Verfügung zu stellen. Um genügend Stauraum zu schaffen, sei die Rollstuhlfahrereinrichtung ausgebaut worden. Damit habe es seit 2023 kein Rollstuhlfahrerangebot mehr gegeben.

Der Elektrobus ist zu klein

Im Januar 2023 habe der Bauausschuss beschlossen, einen zweiten Bürgerbus anzuschaffen, um den Transport von „bedürftigen Bürgern” weiterhin zu gewährleisten, so Wüstner weiter. Allerdings sei es nicht möglich, die ausgebaute Rollstuhlfahrereinrichtung in den viel kleineren Elektrobus einzubauen. Auch passe keine andere Rollstuhlfahrereinrichtung in dieses Fahrzeug.

„Es scheitert damit schon an den technischen Möglichkeiten” – nicht zuletzt, weil das bestehende Raumangebot für den regulären Fahrbetrieb, also die Sitze für die Fahrgäste, nicht weiter eingeschränkt werden könne.

Taxiunternehmen seien hinsichtlich der Nachfrage von Rollstuhltransporten eingerichtet und hielten Fahrzeuge vor, die speziell für den Rollstuhlfahrertransport gebaut seien oder nachgerüstet werden konnten. Zudem müsse jeder Fahrer eines solchen Unternehmens „aus versicherungsrechtlichen Gründen” für das Befestigen von Rollstühlen geschult sein, was bei den ehrenamtlichen Bürgerbusfahrern nicht garantiert sei.

Es gibt kaum Nachfragen

Wüstner bestätigt die Aussage von Oberbürgermeister Dr. Christoph Hammer, dass die Nachfrage für Rollstuhltransporte unter einem Prozent liege. Er selbst, so Bürgerbusverwalter Klaus Wüstner, ist nach eigenen Angaben diesbezüglich seit 2023 „vielleicht zwei- oder dreimal angesprochen” worden. Er weist in seiner Stellungnahme außerdem darauf hin, dass „sehr viele Bürgerbus-Fahrgäste mobil eingeschränkt oder gehbehindert sind” und diese für die Möglichkeit der Fahrten mit dem Bürgerbus sehr dankbar seien.

Wüstner widerspricht auch der Aussage des früheren Vorsitzenden des Seniorenbeirats, Wilhelm Reu, dass Rollatoren nicht mitgenommen würden. Ein Bürgerbusfahrer habe ihm dazu mitgeteilt, „dass er in letzter Zeit sogar drei Rollatoren zur gleichen Zeit mitgenommen hat”, behauptet Wüstner.

Auch das Fahrerteam ist gegen Nachrüstung

Bei einem Treffen mit Bürgerbusfahrern hätten sich die anwesenden Fahrer „aufgrund der mangelnden Nachfrage und des doch erheblichen zeitlichen Aufwands ausdrücklich gegen eine Nachrüstung des Bürgerbusses für Rollstuhlfahrer ausgesprochen”, berichtet Wüstner über diese Zusammenkunft. Bei bis zu 25 Fahrten pro Tag könne das gewünschte Pensum „beinahe jetzt zeitweise schon nicht mehr erfüllt werden”, so der Bürgerbusverwalter weiter.

Bei einer möglichen Anschaffung eines dritten Busses könne die Rollstuhlmitnahmemöglichkeit laut Oberbürgermeister Dr. Hammer „dann gerne erneut aufgegriffen werden”, stellt Wüstner außerdem fest und betont: „Der Bürgerbus ist keine verpflichtende Dienstleistung der Stadt.” Es gebe immer wieder Anfragen zu Terminen, die schon belegt seien. Wenn der Fahrgast zeitlich gebunden sei, wird ihm mitgeteilt, dass er auf ein Taxi zurückgreifen könne. „Das was machbar ist wird geleistet – mehr ist nicht möglich”, fasst Wüstner zusammen

Rechtfertigung für Zweckentfremdung?

Willi Piott, Wilhelm Reu und Karl Otto Ruck haben sich in der Bürgerbus-Sache auch noch einmal zu Wort gemeldet. Sie reagieren auf die Begründung, die OB Hammer zum Ausbau der Hebebühne gegeben hatte. Diese „entbehrt jeglicher Grundlage, sie dient ausschließlich der Rechtfertigung für die Zweckentfremdung des roten Bürgerbusses”, sind die drei „Urväter” des Angebots überzeugt. Und das sei „sicherlich nicht im Sinne des Sponsors”.

Eigene Erfahrungen zeigten, dass die Hebebühne einfach und sicher zu bedienen sei, dies werde durch die landesweite Nutzung dieser Technik im sozialen Bereich bestätigt. Die Aussage, der Transport von Rollstuhlfahrern liege unter einem Prozent, missachte soziale Normen. Soziales Verhalten werde geprägt durch „die Fähigkeit zur Empathie sowie dem Verständnis sozialer Werte wie Hilfsbereitschaft einhergehend mit sozialer Kompetenz”, sind Piott, Reu und Ruck überzeugt.

Tätigkeitsbericht wird gefordert

Und: „Eine kontinuierliche, zukunftsorientierte Weiterentwicklung schlägt sich sicherlich in Entlastung des Fahrdienstes und einhergehender Kostenreduzierung wider”, betonen sie. „Dem Beispiel benachbarter Kommunen folgend und um die Arbeit der ehrenamtlichen Fahrer entsprechend zu würdigen, wäre ein jährlicher Tätigkeitsbericht hinsichtlich der Einrichtung „Bürgerbus” zu begrüßen, fordern sie.

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