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Veröffentlicht am 05.05.2026 03:31, aktualisiert am 05.05.2026 13:19

Ehepaar gesteht Millionendiebstahl aus Münzautomaten

Über zehn Jahre hinweg soll das Ehepaar eine Millionensumme aus den Parkautomaten entwendet haben.  (Foto: Stefan Puchner/dpa)
Über zehn Jahre hinweg soll das Ehepaar eine Millionensumme aus den Parkautomaten entwendet haben. (Foto: Stefan Puchner/dpa)
Über zehn Jahre hinweg soll das Ehepaar eine Millionensumme aus den Parkautomaten entwendet haben. (Foto: Stefan Puchner/dpa)

Mit einem tränenreichen Geständnis hat der Prozess um einen Millionendiebstahl aus Parkautomaten in Kempten im Allgäu begonnen. „Ich habe viele Menschen enttäuscht. Ich bereue meine Taten zutiefst“, sagte der 40-jährige Angeklagte im Landgericht Kempten und gab der Anklageschrift in allen Punkten recht. Demnach soll der ehemalige Mitarbeiter der Stadt binnen zehn Jahren mit Hilfe seiner 39-jährigen Frau rund 1,9 Millionen Euro erbeutet haben. Auch seine Frau gestand.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Paar, das seit November vergangenen Jahres in Untersuchungshaft sitzt, gewerbsmäßigen Diebstahl vor. Das Gesetz sieht dafür eine Höchststrafe von bis zu zehn Jahren Haft vor. 

Geld auch von Frau abgeholt

Der Angeklagte war im Tatzeitraum als Bauhofmitarbeiter für das Leeren der Parkscheinautomaten zuständig und räumte ein, von 2020 bis 2025 in 335 einzelnen Fällen gemeinsam mit seiner Frau insgesamt 1,34 Millionen Euro gestohlen zu haben. Er habe die Münzen aus dem Parkautomaten genommen, in Plastiksäcke gefüllt und mit nach Hause genommen. In anderen Fällen habe seine Frau das Geld am Automaten abgeholt. 

„Anfangs waren es Münzen, später ganze Geldkassetten. Die Summe hat sich rasch gesteigert“, sagte der Angeklagte. Seine Frau habe von Anfang an Bescheid gewusst. Als er zuletzt Zweifel an seinen Diebstählen bekommen habe, habe sie ihn zum Weitermachen ermutigt. 

Frau will nicht Triebfeder gewesen zu sein

Auch seine Frau legte ein Geständnis ab. Sie stritt aber ab, ihren Mann zum Diebstahl ermutigt zu haben. Sie berichtete von psychischem Druck, der durch die Diebstähle entstanden sei. Weiter will sie auch erst zwei Jahre nach der ersten Tat erfahren haben, woher die Münzen kamen. 

Laut Anklage hatte sie zur Einzahlung des Münzgelds erheblichen Aufwand betrieben und zur Verschleierung der Herkunft weitere Menschen eingebunden. Außerdem soll sie sich bei ihrer Bank erkundigt haben, ob es bei Einzahlungen am Automaten auffallen würde, dass große Mengen an Münzen eingezahlt werden.

Die Münzen soll das Paar auf private Konten eingezahlt und sich dafür Supermarktgutscheine geholt haben. Inzwischen sei von dem Geld nichts mehr übrig, sagte der Angeklagte vor Gericht. „Unser Lebensstandard hat sich gesteigert, wir haben es für Luxusgüter ausgegeben.“ Von Pferden, Autos und teurer Kleidung ist vor Gericht die Rede. 

Die offene Schlüssel-Frage

Völlig unklar blieb, wie der Angeklagte an den entscheidenden Schlüssel zum Öffnen der Geldkassette gelangen konnte. Verschiedene Bauhofmitarbeiter, die als Zeugen geladen waren, berichteten übereinstimmend: Ihre Aufgabe sei das Entnehmen der Geldkassette, mit dem Bargeld kämen sie aber gar nicht in Kontakt. 

In Ausnahmefällen müssten sie aus technischen Gründen eine leere Kassette öffnen. Den Schlüssel dazu habe allein ein Vorgesetzter, der ihn gegen eine Unterschrift für kurze Zeit herausgebe. Der Angeklagte wiederum spricht von mangelnder Dokumentation. „Alle konnten jederzeit an alle Schlüssel gelangen. Es ist eine unbekannte Anzahl im Umlauf“, sagte er.

Der Fall war im November bekanntgeworden, nachdem eine Bank wegen Geldwäscheverdachts die Ermittler eingeschaltet hatte. Warum das Fehlen des Geldes bis dahin niemandem aufgefallen war, wurde durch Nachfragen des Richters bei aktuellen und ehemaligen Bauhofmitarbeitern klar: Die fortlaufende Nummer der Parkautomaten-Quittung wurde früher nicht dokumentiert. 

Über 500 Fälle bereits verjährt

Mehr als 500 weitere Fälle seit dem Jahr 2015 sind mittlerweile verjährt, dafür können die Eheleute nicht bestraft werden. Das bei diesen mutmaßlichen Diebstählen erbeutete Geld in Höhe von insgesamt fast 584.000 Euro soll aber ebenfalls von der Justiz eingezogen werden. Die Staatsanwaltschaft hat die Einziehung des gesamten Schadens in Höhe von etwa 1,9 Millionen Euro bei dem Paar beantragt. 

Für den Prozess sind zwei weitere Verhandlungstage geplant, ein Urteil könnte am 21. Mai fallen. Die Stadt Kempten hat aufgrund der Ermittlungen ihre Parkraumbewirtschaftung geändert. So wurden Schlösser ausgetauscht, zusätzliche Kontrollen eingeführt und ein externer Dienstleister beauftragt.

Weiteres Ermittlungsverfahren wegen Geldwäsche-Verdachts

Im Zusammenhang mit der Parkmünzenaffäre gibt es mittlerweile ein weiteres Ermittlungsverfahren wegen Verdachts der Geldwäsche. Die Kripo hat deswegen im April zwei Banken in Kempten und in Dietmannsried im Oberallgäu sowie ein Dienstleistungsunternehmen im hessischen Neu-Isenburg durchsucht. Das Verfahren richtet sich nach Angaben der Ermittler gegen drei Verdächtige im Alter von 46 bis 60 Jahren.

Da es sich um mögliche Wirtschaftskriminalität handelt, wird dieses Verfahren von der darauf spezialisierten Augsburger Staatsanwaltschaft geführt. Details dazu, worum es bei den Vorwürfen konkret geht, wurden von der Staatsanwaltschaft nicht genannt. Die Sparkasse Allgäu hat mittlerweile mitgeteilt, dass sie von dem neuen Verfahren betroffen sei. Die Unterlagen zu den Vorgängen seien der Staatsanwaltschaft zur Verfügung gestellt worden.

© dpa-infocom, dpa:260505-930-34283/3


Von dpa
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