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Veröffentlicht am 16.09.2024 11:44

Ein Ansbacher Original, das sich stets treu blieb

Der Tod von Thomas Fitzthum Anfang Mai dieses Jahres kam plötzlich und unerwartet. Dem Ansbacher Original widmeten Weggefährten und Freunde am Samstagabend ein ganz spezielles Gedenken im Kunsthaus Reitbahn 3. Ein Film, eine Abschiedsrede und ganz viel Musik formten das Porträt dieser außergewöhnlichen Persönlichkeit.

Deutlich an Farbe verloren hat das Ansbacher Kulturleben seit dem Tod von Thomas Fitzthum. Über viele Jahre hinweg war der umtriebige, vielseitig begabte, eigenwillige und mitunter auch anstrengende Allrounder ein Teil des Ansbacher Stadtlebens gewesen. Er war präsent, ohne wirklich die Aufmerksamkeit zu genießen, die er wohl verdient gehabt hätte. Daran erinnerte Richard Illig in seiner Gedenkrede, die er bereits zur Beerdigung Fitzthums gehalten hatte und auf Bitten von Freunden noch einmal vortrug. „Man hätte genauer hinschauen sollen“, heißt es darin.


„Ein unkonventioneller Typ, der im Grunde bedürfnislos war.“

Richard Illig

Vielleicht hätte man dann einen Menschen entdeckt, der trotz aller Eigenheit eine wichtige Botschaft weitergetragen hat: Nicht auf das Materielle, auf den großen Erfolg kommt es im Leben an. Sondern darauf, sich treu zu bleiben und sich selbst nicht zu ernst zu nehmen. „Ein unkonventioneller Typ, der im Grunde bedürfnislos war“, so Illig.

Im Jahr 2022 bei der Vorstellung seines Sammelbandes „Der Querulant“: Thomas Fitzthum. (Foto: Elke Walter)
Im Jahr 2022 bei der Vorstellung seines Sammelbandes „Der Querulant“: Thomas Fitzthum. (Foto: Elke Walter)

Ein Ansbacher Original und Künstler: Thomas Fitzthum verstorben

Er war auf vielen Feldern aktiv, machte Lieder, schuf Land-Art-Arbeiten, erfand Spiele und bastelte mit Kindern. Ein Lebenskünstler war er obendrein.

Obwohl mit vielen Talenten begabt und stets rührig, blieb Fitzthum der wirkliche Durchbruch versagt. Wie der hätte aussehen können, hat Rolf Fütterer in einem Film, in dem Fitzthum sich selbst spielt, ausgemalt. „Fit fürn Hit“ fühlte sich der „Fifi“, wie ihn viele liebevoll nannten, bereits vor 20 Jahren. Seinen Weg zum Star zeichnet der Film in augenzwinkernder Weise nach.

Eine Single stürmt die Charts

Einblendungen von einem Rolling-Stones-Konzert umreißen die Dimensionen, in denen die Fantasie des Ansbacher Barden wandelte, als er mit einem Demo-Tape bei keinem Geringeren als Evert Fraterman im Tonstudio auftaucht. Doch zunächst scheitert das Unterfangen am Geld, das bei Thomas Fitzthum wie immer knapp ist. Also versucht er es mit allerlei Gelegenheitsjobs, heuert bei der Müllabfuhr an, kellnert in den Kammerspielen, wäscht Autos und muss bald erkennen, dass alle Bemühungen vergebens sind.

Doch dann hilft ihm der Zufall auf die Sprünge: Ein lebensmüder Millionär will die Rollen mit ihm tauschen. Fitzthums Single aus der CD „Unkraut vergeht nicht“ stürmt mit der richtigen Promotion international die Charts. Der Barde hebt ab zu einem Höhenflug, der ihn direkt wie Major Tom ins All katapultiert. Am Ende jubelt die Menge wie bei den Stones … Vieles hat Fitzthum mit einer gewissen Selbstironie versehen, und genau die hat Rolf Fütterer in seinem liebevollen Film zur Geltung gebracht.

Magazin „Querulant“ lieferte Denkanstöße

Im wahren Leben freilich waren die Spuren Fitzthums nicht ganz so mächtig. Aber sie sind noch da. Beim Waldspaziergang kann man immer noch seinen Holzskulpturen begegnen. Das eigentlich im September stattfindende Bardentreffen, das dieses Jahr das erste Mal im Juli auf der Ziegenwiese über die Bühne ging, fußte maßgeblich auf seinen Ideen. Viele Kinder hat er an Kunst und Natur herangeführt. Thomas Fitzthum hat Bastelbücher geschrieben, Spiele erfunden und in seinem Magazin „Querulant“ manchen Denkanstoß geliefert.

Und dann war da vor allem die Musik. Noch einmal kamen seine langjährigen musikalischen Wegbegleiter zusammen: Robert Wachsmann, Arne Kemmeter, Sammy West und Andreas Jordan gaben Solovorstellungen. Letzterer hat das Projekt mit dem Kulturforum auf den Weg gebracht.

Einer, dem die Ideen nie ausgingen: Thomas Fitzthum. (Archivbild: Jim Albright)
Einer, dem die Ideen nie ausgingen: Thomas Fitzthum. (Archivbild: Jim Albright)
Einer, dem die Ideen nie ausgingen: Thomas Fitzthum. (Archivbild: Jim Albright)
Wegbegleiter und Freunde eines vielseitigen und unangepassten Künstlers, der Ansbach prägte: vorne (von links) Richard Illig, Hans Ruppert und Rolf Fütterer, hinten (von links) Andreas Jordan, Arne Kemmeter, Robert Wachsmann und Sammy West. (Foto: Martina Kramer)
Wegbegleiter und Freunde eines vielseitigen und unangepassten Künstlers, der Ansbach prägte: vorne (von links) Richard Illig, Hans Ruppert und Rolf Fütterer, hinten (von links) Andreas Jordan, Arne Kemmeter, Robert Wachsmann und Sammy West. (Foto: Martina Kramer)
Wegbegleiter und Freunde eines vielseitigen und unangepassten Künstlers, der Ansbach prägte: vorne (von links) Richard Illig, Hans Ruppert und Rolf Fütterer, hinten (von links) Andreas Jordan, Arne Kemmeter, Robert Wachsmann und Sammy West. (Foto: Martina Kramer)

Von Martina Kramer
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