65 Jahre sind eine lange Zeit, besonders für eine Ehe. Erika (85) und Hans Bürkel (87) aus dem Petersauracher Ortsteil Großhaslach sind gemeinsam durch dick und dünn gegangen. Auch nach so vielen Jahren sind sich die beiden von Herzen zugetan. Nun feierten sie im Kreis ihrer großen Familie die Eiserne Hochzeit.
Kennengelernt hat sich das Paar vor über sechs Jahrzehnten. „Sympathisch war er mir eigentlich immer“, verrät Erika Bürkel heute. Ans Heiraten habe sie aber nicht gleich gedacht. Was hat Hans Bürkel damals an ihr gefallen? „War eine nette Frau”, bemerkt er pragmatisch. „Als junger Kerl hat man doch ein nettes Mädchen gesucht.“ Auf die Suche begab sich der Großhaslacher zum Beispiel beim Kirchweihtanz in den umliegenden Ortschaften. „Überall ist man hingegangen und hat geschaut: Wo sind denn die Schönsten?“
Fündig wurde er dann in Heilsbronn, dem Geburtsort seiner späteren Frau. Sie arbeitete dort in einer Kunststofffabrik, Hans Bürkel machte in einem Betrieb eine Lehre zum Landmaschinenmechaniker. Beide engagierten sich ehrenamtlich als Sanitäter beim Roten Kreuz. So kam es, dass man sich öfter einmal über den Weg lief – und schließlich zueinander fand.
Weil es ihm an einem motorisierten Fortbewegungsmittel mangelte, musste sich Hans Bürkel auf sein Rad schwingen und die sechs Kilometer von Großhaslach nach Heilsbronn fahren, um sein Mädchen zu besuchen. Als die beiden schon zwei, drei Jahre miteinander gingen, war es dann doch an der Zeit, sich zu verloben. „Dann hat sie ein Ringlein von mir gekriegt“, erzählt er.
Geheiratet haben die beiden schließlich am 11. Juni 1960 in der Großhaslacher Kirche. „Sie war 20, ich war 22“, erinnert sich Hans Bürkel. Gefeiert wurde dann in seinem Elternhaus. „Die Hochzeit war auf engstem Raum.“ In dem Haus, in das die junge Erika nun einzog, wohnte auch Hans Bürkels Mutter bis zu ihrem Tod im stolzen Alter von 90 Jahren. Sein Vater war im Krieg geblieben, als Hans noch ein Kind war. In dem Anwesen, das später um einen Anbau ergänzt wurde, lebt das Ehepaar Bürkel heute noch.
Die Hochzeitsreise führte damals ein paar Tage nach Garmisch-Partenkirchen. Anstrengende Wanderungen waren aber nicht drin. „Die Frau war ja schon schwanger“, sagt Hans Bürkel. „Da sind wir bloß ein bisschen spazieren gegangen.“ In späteren Jahren holten sie das Reisen nach. Es ging in die Schweiz oder nach Italien, und einmal besuchte das Paar einen Kindheitsfreund von Hans Bürkel in Amerika. Der war vor vielen Jahren als Flüchtling in Großhaslach untergebracht.
In den Jahren nach der Hochzeit bekamen sie vier Kinder. Erika kümmerte sich um den Nachwuchs, während ihr Hans Geld verdiente. Nach der Lehrzeit blieb er noch einige Jahre bei seinem Betrieb in Heilsbronn. Später pendelte er nach Nürnberg zu seiner Stelle im Ausbesserungswerk der Deutschen Bahn.
Als die Enkelkinder zur Welt kamen, wurden auch sie liebevoll von den Großeltern betreut. Der Opa chauffierte sie auf dem Fahrrad-Gepäckträger in den Kindergarten, und die Oma bekochte sie nach der Schule – Baunzen waren zum Beispiel sehr beliebt. Insgesamt neun Enkel hat das Ehepaar, inzwischen sogar drei Urenkel.
Viel Zeit verbringen Erika und Hans Bürkel mit der Pflege ihres großen Gartens. „Das machen wir alles noch selber“, berichtet Erika Bürkel stolz. Und das hält fit, auch wenn es an der einen oder anderen Stelle mal zwickt. Aktiv waren die beiden ihr Leben lang. Während sich Erika Bürkel um die Kinder kümmerte und auch sonst zur Stelle war, wo immer sie gebraucht wurde, widmete Hans Bürkel einen großen Teil seiner Freizeit der Dorfgemeinschaft. Er engagierte sich bei den Sportfreunden Großhaslach, im Verein für Gartenbau und Landschaftspflege, im Kirchenvorstand und im Posaunenchor.
Über viele Jahre war er Dirigent und ist auch heute noch als Bläser dabei, wenn der Posaunenchor bei Beerdigungen oder runden Geburtstagen spielt. Überhaupt ist die Trompete Hans Bürkels treuer Begleiter. Wenn das Wetter schön ist, bläst er manchmal im Garten. Oft spielt er seiner Frau abends etwas vor. „Letzthin hat er plötzlich gesagt, er kann nicht mehr blasen“, erzählt Erika Bürkel. Er brachte nichts mehr heraus. „Da war er ganz niedergeschlagen.“ Als es am nächsten Tag wieder ging, waren beide sehr froh.
Ob es immer leicht gewesen sei, miteinander verheiratet zu sein? „Nicht immer“, gibt Erika Bürkel zu. Sicher habe es auch mal Streit gegeben, aber im Großen und Ganzen habe man immer wieder zueinander gefunden. „Wir sind nicht gleich fortgelaufen.“ Ihr Ehemann bestätigt das. „Es muss jeder mit tun, wenn das so lange halten soll.“