Schubladen sind aufgerissen, Türen mit Gewalt aufgehebelt, Schränke stehen offen und Schlösser sind zerstört. Kleingeld liegt verteilt auf dem Boden. Zwischen 300 und 400 Euro finanziellen Schaden haben Einbrecher im Georg-Wilhelm-Steller Gymnasium in Bad Windsheim kurz vor den Osterferien verursacht. "Das, was wir als Sachschaden haben, übertönt alles", betont Schulleiter Uwe Nickel im Gespräch mit der Redaktion.
Durch einen Hintereingang haben sich Unbekannte Zutritt in einen Gebäudetrakt des Gymnasiums verschafft. Sie steuerten mehrere Räume an: das Lehrerzimmer, Sekretariat, Hausmeisterbüro, Bistro und Büros der Verwaltung. „Ich weiß, jemand war in meinem Büro”, sagt Nickel. Das hinterlässt „ein ungutes Gefühl”.
Gezielt wurde nach Bargeld gesucht, erzählt er. Technische Geräte, wie Computer, haben die Einbrecher nicht entwendet. Die Klassenräume blieben unberührt. Wegen des Einbruchs musste der Unterricht am letzten Schultag vor den Osterferien ausfallen. Die Kriminalpolizei Ansbach war zur Sicherung der Spuren vor Ort. Auch in die daneben liegende Grundschule sind die Einbrecher eingestiegen.
Der Vorfall in Bad Windsheim ist kein Einzelfall. Immer wieder geraten Schulen ins Visier von Einbrechern. Mehr als ein halbes Dutzend Schulen waren es in diesem Jahr in den Landkreisen Ansbach und Neustadt/Aisch-Bad Windsheim. Und das alleine in den ersten fünf Monaten – ein Trend ist spürbar. Das bestätigt das Polizeipräsidium Mittelfranken: „Wir können tatsächlich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum momentan einen Anstieg von Schuleinbrüchen in der Region feststellen.” Jedoch schwankt die Anzahl der Fälle jedes Jahr, betont das Präsidium.
20.000 Euro Sachschaden waren es Anfang des Jahres an einer Schule in Burgbernheim. Im März wurden auch in Schulen in Emskirchen und Dietersheim mehrere Zimmer und Schränke aufgebrochen und Bargeld gestohlen. In die Grund- und Mittelschule in Uffenheim sind Unbekannte kürzlich über den Bau der offenen Ganztagsschule in das Schulgebäude eingedrungen, wie Bürgermeister Wolfgang Lampe informierte. Der jüngste Einbruchs-Fall ereignete sich am 1. Mai in Diespeck.
Doch wieso steuern Einbrecher vor allem Schulen an? In Gastronomien, Supermärkten und Co. gäbe es in den meisten Fällen mehr Wertgegenstände zu entwenden. „In der Regel verfügen Schulen über keine besonderen Sicherheitsvorkehrungen”, schreibt das Polizeipräsidium. Darunter fallen Alarmanlagen und Videoüberwachung. Da Schulgelände meist relativ groß sind, gebe es mehrere Möglichkeiten für Täter, unbemerkt einzubrechen. Zudem würden Geräusche oft außerhalb des Geländes nicht wahrgenommen werden. Das betroffene Bad Windsheimer Gymnasium verfügt über Videoüberwachung, erzählt der Schulleiter. Jedoch nur in einem bestimmten Bereich.
Denkbar ist als Motiv außerdem der Einbruch als Mutprobe, als Racheakt oder als eine Art Streich von Jugendlichen. Beantworten lässt sich das aber erst, wenn Tatverdächtige feststehen. Bei den jüngsten Einbrüchen in der Region gibt die Polizei dennoch eine Tendenz ab. Wegen der Art und Weise, wie die Täter vorgegangen sind, „dürfte es sich eher nicht um Schülerstreiche handeln”. Die Einbrecher suchten gezielt nach Wertgegenständen, so das Präsidium. Etwas aus der Reihe tanzt ein Fall in Feuchtwangen. Dort verschaffte sich ein 15-Jähriger Zutritt zum Schulgebäude, verwüstete es und versuchte ein Feuer zu legen.
Für die Zukunft denkt das Gymnasium in Bad Windsheim darüber nach, Geld nur noch in einem Safe zu lagern. Auch ein Gespräch mit dem Neustädter Landratsamt über zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen wie eine Alarmanlage könne sich der Schulleiter vorstellen. „Wir haben Glück, dass jetzt Ferien sind.” Bis zum Ende der Ferien soll eine Schreinerei alle Türen provisorisch verschlossen haben.