Ein „erfreulicher Anlass“ war zu Beginn der Gemeinderatssitzung in Markt Bibart geboten. Bürgermeister Klaus Nölp dankte Heimatforscher Heinz Kühlwein für die Übertragung von fünf alten Dokumenten ins heutige Deutsch.
Im einzelnen waren dies die Siebenerordnung von Markt Bibart aus dem Jahr 1761, das Ziegenbach-Casteller Gemeinbuch von 1616 und damit einhergehend das Rügbuch von 1622. Weiter war es ein Allgemeinbuch von Ziegenbach aus dem 17. und 18. Jahrhundert – mit Aufzeichnungen zum Beispiel über Viehseuchen und Flurumgänge.
Ganz aktuell kamen hinzu die Personalia von 200 Verstorbenen, welche die Casteller Pfarrer von 1777 bis 1836 notiert hatten – damals war die Casteller Geistlichkeit für Ziegenbach zuständig. Die Schrift beinhaltet Lebensläufe von Verstorbenen, welche die Pfarrer seinerzeit bei Beerdigungen vorgetragen hatten. 300 Seiten hatte Kühlwein allein dafür transkribiert.
Die Arbeit habe ihn bereichert, so Kühlwein – je mehr er sich hineinvertieft habe, desto mehr sei sein Erkenntnisinteresse gestiegen. Als amüsant aus heutiger Sicht habe er es empfunden, dass die Pfarrer bei ihren Aufzeichnungen jeden freien Fleck des Papieres ausgenutzt hatten – beispielsweise für ein Schnapsbrennrezept oder das Wählerverzeichnis von Schönaich. Solche Randnotizen zeugten auch von der Kostbarkeit des Papiers in früheren Jahrhunderten.
Am Montagabend wurde Heinz Kühlwein nun neben einer Flasche Wein auch das Gemeindewappen von Markt Bibart als Dank der Gemeinde überreicht. Eigentlich hätte es das Wappen von Ziegenbach sein müssen, scherzte man am Ratstisch.
Die Personalia gehen nun in den Druck – zehn Exemplare lässt die Gemeinde laut Kühlwein anfertigen. Wer in Markt Bibart oder Ziegenbach Familienforschung betreibt, dem könnten Kühlweins Anstrengungen nutzen.