Energie-Rekord im Kreis Neustadt/Aisch: Selbstversorgung steigt auf 181 Prozent | FLZ.de | Stage

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 24.04.2025 08:00

Energie-Rekord im Kreis Neustadt/Aisch: Selbstversorgung steigt auf 181 Prozent

Überwiegend blau: Ein großer Teil der Gemeinden ist nominell Selbstversorger. Alle Gemeinden, die mehr Strom erzeugen als sie verbrauchen sind in obiger Karte blau eingefärbt. Auch der gesamte Landkreis produziert dank Wind, Sonne und Biomasse schon fast doppelt so viel elektrische Energie wie hier von Haushalten und Betrieben abgenommen wird. (Grafik: Annalena Engerer)
Überwiegend blau: Ein großer Teil der Gemeinden ist nominell Selbstversorger. Alle Gemeinden, die mehr Strom erzeugen als sie verbrauchen sind in obiger Karte blau eingefärbt. Auch der gesamte Landkreis produziert dank Wind, Sonne und Biomasse schon fast doppelt so viel elektrische Energie wie hier von Haushalten und Betrieben abgenommen wird. (Grafik: Annalena Engerer)
Überwiegend blau: Ein großer Teil der Gemeinden ist nominell Selbstversorger. Alle Gemeinden, die mehr Strom erzeugen als sie verbrauchen sind in obiger Karte blau eingefärbt. Auch der gesamte Landkreis produziert dank Wind, Sonne und Biomasse schon fast doppelt so viel elektrische Energie wie hier von Haushalten und Betrieben abgenommen wird. (Grafik: Annalena Engerer)

Ein Selbstversorgungsgrad von 181 Prozent und 828 Gigawattstunden mit Hilfe von Wind, Sonne und Biomasse erzeugter Strom: Es sind absolute Spitzenwerte, die der Energie-Atlas 2023 für den Landkreis liefert. Das ist ein Grund zur Freude – wenn man auch das eine oder andere Haar in der Suppe findet.

Ja, ja, natürlich: Die 181 Prozent stehen nur auf dem Papier. Sonne und Wind sind unsichere Lieferanten: 2023 – die Daten im Energie-Atlas liegen immer erst mit deutlicher Zeitverzögerung vor – entwickelte sich vor allem dank des Windes zum Rekordjahr. Die Schwankungen sind erheblich. Lagen die drei Energieträger Wind, Sonne, Biomasse in anderen Jahren fast gleichauf, so machte der Wind nun mit 45 Prozent den Löwenanteil aus. Dank des flexibel einzusetzenden Biogases, das mit 21 Prozent zur Stromerzeugung beitrug, wäre der Autarkiegrad des Landkreises trotzdem relativ hoch.

Seit 2013 hat sich die Stromerzeugung im Landkreis fast auf 828 Gigawattstunden verdoppelt. In den vergangenen Jahren blieb man jeweils unter 700. Das ist ein gewaltiger Anstieg. An den wenigen neuen Anlagen kann das nicht alleine liegen: Die größte Freiflächenphotovoltaikanlage in Burghaslach lief ihr erstes Jahr komplett durch, genau wie zwei Windräder in Markt Taschendorf, im April 2023 wurde die erste Agri-PV-Anlage im Landkreis in Siedelbach (Markt Erlbach) eingeweiht. Der reichliche Windstrom half sehr.

2022 sehr viel Sonne, 2023 sehr viel Wind

Sonne gab es dafür weniger als 2022, das in dieser Hinsicht rekordverdächtig war. Doch der Anstieg der Stromerzeugung erklärt nicht alleine den gewaltigen Anstieg im Selbstversorgungsgrad, also dem erzeugten Strom im Verhältnis zum verbrauchten, auf 181 Prozent. Im Vorjahr lag diese Zahl noch bei 145 Prozent.

Dieser Sprung ist zum anderen darauf zurückzuführen, dass der Stromverbrauch das zweite Jahr in Folge sank. Ob das positiv oder negativ ist, hängt ganz davon ab: Wurden mehr Energiesparmaßnahmen umgesetzt, zum Beispiel Straßenlampen auf LED umgerüstet? Oder war die wirtschaftliche Lage schlechter und wurde weniger produziert als in den Vorjahren?

Das könnte Sie auch interessieren
Sonnenenergie verpufft in Heilsbronn künftig ungenutztNeue ILS schon eröffnet: Diese Kosten kommen 2026 auf den Rettungsdienstverband zuTanktourismus in Westmittelfranken: In Bad Windsheim war Benzin relativ günstigStarkes Netzwerk: Stadt und Kreis Ansbach wollen gegen häusliche Gewalt vorgehenSchuld und Sühne: Über spezielle Kreuze und Gedenksteine im Altlandkreis UffenheimBiogas-Blockheizkraftwerk in Rügland: Die Standortfrage ist geklärtSonnenstrom-Feld südlich von Ansbach: Der Weg ist frei für eine weitere PV-AnlageStadtrat Leutershausen: Photovoltaikanlage auf der städtischen Bibliothek geplantSpritpreise steigen weiter: In diesen Orten in der Region können Sie noch sparenLandkreis Ansbach: Welche Personen die Wählenden in den Kreistag gehoben habenBürgerwindpark Steigerwald mit 19 Anlagen: Der Projektierer gibt EinblickeBarrierefreie Gasthäuser auf einen Blick: Im Landkreis NEA entsteht nun ein PortalSo will Flachslanden seine marode Mehrzweckhalle aufmöbelnEin neues Wärmenetz für Wolframs-Eschenbach: Das sind die PläneDer Landkreis Ansbach macht junge Leute für die digitale Berufswelt fit

Miese Konjunktur lässt Verbrauch sinken

Für den Landkreis liegen keine Zahlen vor. Bundesweit sank der Stromverbrauch jedenfalls auch, was dort vom Statistischen Bundesamt auf die konjunkturelle Situation vor allem bei energieintensiven Betrieben zurückgeführt wird. Das könnte sich auch im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim ausgewirkt haben, wenn auch der Anteil des produzierenden Gewerbes relativ niedrig ist.

Eine Frage muss erlaubt sein: Wozu braucht man überhaupt einen Selbstversorgungsgrad von 181 Prozent? Die Netze können den Strom kaum abtransportieren, effiziente und bezahlbare Speicher sind noch selten.

Ein Blick in die Nachbarschaft zeigt, dass es durchaus Interesse an dem hier erzeugten Strom gibt: Schon im Landkreis Erlangen-Höchstadt, ländlich strukturiert, aber mit Großbetrieben wie Schaeffler, liegt der Selbstversorgungsgrad nur bei weniger als der Hälfte. Die Stadt Fürth kann selbst zwölf Prozent der verbrauchten Strommenge erzeugen. In Erlangen sind es fünf Prozent, in Nürnberg nur vier.

Der Landkreis wird Strom-Exporteur

Neben dem beruhigenden Gefühl, relativ unabhängig von großen Kraftwerken oder Strom aus dem Ausland zu sein, ist der Strom auch eine Einnahmequelle für die Kommunen und ein Exportgut. Der Oberscheinfelder Bürgermeister Peter Sendner hat das mit den Worten zusammengefasst: „Unsere Gewerbegebiete liegen eben im Wald.“

Noch ein Blick auf einzelne Gemeinden im Landkreis: Markt Taschendorf löste inzwischen Hemmersheim als diejenige Gemeinde ab, bei der die Stromproduktion den Verbrauch am deutlichsten überstieg. 24mal so hoch wie der Eigenbedarf war die Produktion in Markt Taschendorf, 22mal so hoch in Hemmersheim. Auch Oberickelsheim (20mal so hoch) und Simmershofen (zwölfmal so hoch) weisen beeindruckende Werte auf. Am niedrigsten ist das Verhältnis von produziertem zu verbrauchten Strom in Burgbernheim und Münchsteinach – aber auch sie produzieren mehr als ein Drittel.

Deutliche Unterschiede beim Energiehunger

Burgbernheim und Ergersheim sind nach Neustadt und Bad Windsheim die größten Stromverbraucher im Landkreis. Eine Vielzahl an Gewerbebetrieben im Fall Burgbernheim und ein großer Betrieb in Ergersheim dürften dafür die Hauptursachen sein.

Größter Stromproduzent im Landkreis ist und bleibt Uffenheim. Markt Taschendorf hat mit 63 Gigawattstunden einen großen Satz nach vorne gemacht. Auch Emskirchen erzeugt noch mehr als die Kreisstadt Neustadt, der wesentlich kleinere Gemeinden wie Markt Erlbach, Hemmersheim und Markt Bibart dicht auf den Fersen sind.

Solaranlagen

Die Macht der Kleinen

  • Eine interessante Zahl aus dem Energie-Atlas ist die Aufschlüsselung des Stroms, der mithilfe der Sonne erzeugt wird.
  • Es ist eine schöne Bestätigung des Sprichwortes: „Kleinvieh macht auch Mist“. Während in den Gemeinderäten Windräder und Freiflächen-Photovoltaikanlagen diskutiert werden, sind Dach-Photovoltaikanlagen dort selten ein Thema.
  • Deshalb ist man überrascht, wenn man sich die Zahlen etwas genauer ansieht. Gut ein Drittel des im Landkreis produzierten Stroms stammt demnach von der Sonne. – aber dort zu einem deutlich größeren Teil von den Dächern als von den großen Anlagen auf den Feldern.
  • 20 Prozent des gesamten Stroms stammt vom Dach, 14 Prozent von großen Freiflächenanlagen.
    Während letztere zum Beispiel wegen der Konkurrenz zu den landwirtschaftlichen Flächen auch erbitterte Gegner haben, ist die Kritik an den Dach-Modulen leise.
  • Die Masse macht es: 12.868 Anlagen auf Dächern verzeichnet der Energie-Atlas – Freiflächenanlagen gibt es 68.


Ulli Ganter
Ulli Ganter
Redakteurin
north