Kommt die Energiewende in der Region voran, bei der die Regierung von Mittelfranken eine zentrale Rolle spielt? Die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister des Landkreises Ansbach wurden darüber aus erster Hand informiert.
In regelmäßigen Abständen lädt Landrat Dr. Jürgen Ludwig zu Zusammenkünften ein, um Angelegenheiten zu erörtern, die für alle Städte und Gemeinden im Landkreis eine grundsätzliche Bedeutung haben. Beim jüngsten Treffen empfing Burgoberbachs Bürgermeister Gerhard Rammler in der Turnhalle der Grundschule.
Der parteilose Kommunalpolitiker nutzte als Gastgeber die Gelegenheit, die Erfolge seiner 13-jährigen Arbeit in Schlaglichtern hervorzuheben: weg vom hohen Schuldenstand zur niedrigen Pro-Kopf-Verschuldung auf 237 Euro, Kita-Erweiterung und steigende Bevölkerungszahl. Neue Baugebiete sollen das Wachstum weiter fördern. Rammler möchte dem Ziel „5000 Einwohner” näherkommen.
Auf die Energiewende im Landkreis Ansbach ging die zuständige Regierungsdirektorin, Dr. Katrin Leuzinger, in ihrem Vortrag ein. Sie zeigt sich laut Leuzinger bereits an vielen Beispielen. Es gibt im Landkreis inzwischen rund 100 Windräder, über 230 Biogasanlagen, über 23.000 Photovoltaikanlagen und zirka 120 Nähwärmenetze. Die Geschäftsstelle Energiewende an der Regierung von Mittelfranken ist Teil des staatlichen Berater-Netzwerks, das den Umbau der Energieversorgung mit den Kommunen und in Abstimmung mit dem Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie vorantreibt.
Der Umstieg auf erneuerbare Energien ist der Regierungsdirektorin zufolge für den Klimaschutz und das Wirtschaftswachstum wichtig. In der Energiewende sieht sie eine „echte Einkommenschance für den ländlichen Raum”.
Die Technologie der Windkraftanlagen habe sich im Laufe der Jahre erheblich verbessert. Moderne Technik könne heute mehr Windenergie aus der angeströmten Rotorfläche erzeugen. Dr. Andrea Leuzinger sieht „gute Voraussetzungen” für die wirtschaftliche Rentabilität von Windkraftanlagen, insbesondere an Standorten mit guten Windverhältnissen.
An einem 2015 in Betrieb gegangenen Windpark mit fünf Windrädern wurden in zehn Jahren im Vergleich 50 Millionen Liter Heizöl eingespart und eine Million Euro Gewerbesteuer ausgeschüttet. „Geld, das nicht ins Ausland abgeflossen ist”, so Leuzinger.
Der regionale Planungsverband Westmittelfranken, der die drei Landkreise Neustadt-Aisch/Bad Windsheim, Ansbach und Weißenburg-Gunzenhausen umfasst, sucht Vorrangflächen für Windkraft aus, mit denen dann weiter in das Beteiligungsverfahren eingegangen wird. Genehmigungen für neue Windkraftanlagen sind aber schon im laufenden Verfahren möglich.
Die Regierungsdirektorin verhehlte nicht die Probleme mit den Abschaltauflagen und die Diskussionen über hohe Windräder und dem Flugbetrieb der Luftstreitkräfte. Gespräche mit den stationierten US-Amerikanern in der Region seien „aufbauend und förderlich” gewesen. „Dort haben wir mit unseren Anliegen sehr viel mehr erreicht als im Austausch mit der Bundeswehr”, so Leuzinger.
Ziel der Verhandlungen mit dem Energieversorger N-Ergie und dem Stromnetzbetreiber Tennet sei, das Stromnetz im Sinne der Energiewende auszubauen. „Die Energiewende ist auf einem guten Kurs in Mittelfranken, trotz vieler Unsicherheiten”, so Leuzinger. Es gebe gute Kompromisse, „mit denen wir weiterkommen”. Etwa durch Lösungen und Möglichkeiten im bestehenden Stromnetz für mehr Flexibilität zu sorgen, wenn viel Wind- oder Sonnenstrom in die Netze eingespeist wird und große Mengen weiter transportiert werden müssen.
Neue Technologien könnten den Überschuss-Strom aus erneuerbaren Quellen durch die Umwandlung elektrischer Energie in Wärme („Pover-to-Heat”) nutzen. Die Projektinitiative „GeoMem” arbeitet an der Entwicklung eines geotechnischen Großspeichersystems für eine stabile, regenerative Energieversorgung. „Wir haben kluge Köpfe in der Region”, sagt Leuzinger.