Günter Pfisterer steckt im Tierheim noch mitten in der Arbeit. Nach 28 Jahren als Vorsitzender des Tierschutzvereins Ansbach und Umgebung aber ist für ihn bald Schluss in dem Domizil am Haldenweg. Noch in dieser Woche gibt der 89-Jährige seinen Chefposten turnusgemäß ab. Dieser war nicht sein einziges Ehrenamt.
Zur Welt kam Günter Pfisterer in Nürnberg. Sein Vater war Werkmeister bei Siemens-Schuckert und wechselte 1942 nach Krenau (polnisch Chrzanów) zu einer Lokomotivfabrik. Die Familie zog mit. Auf dem Schulweg kam der kleine Günter an Häusern vorbei, in denen er jüdische Familien und Kinder sah. „Eines Tages waren die Häuser weg, die Menschen wurden abtransportiert und ermordet“, sagt er betroffen.
1944 flüchtete seine Familie nach Coburg, und drei Jahre später ging es weiter nach Ansbach. Mit der Mittleren Reife verließ Günter Pfisterer seinerzeit auf eigenen Wunsch die Oberrealschule, das heutige Platen-Gymnasium.
Als Lehrling begann er beim Vermessungsamt, dem er bis zum Ruhestand 1999 treu blieb. „Der Beruf war mir wie auf den Leib geschneidert“, betont Günter Pfisterer. Er habe mit Menschen sprechen und verhandeln können. Sie hätten gewusst, dass er sie nicht belügt. Er stieg hier in den gehobenen Dienst auf.
Sein Vater war schon Sozialdemokrat gewesen, und auch die Kriegsereignisse und die Nachkriegspolitik prägten Günter Pfisterer: 1963 trat er selbst in die SPD ein. 1972 kandidierte er erstmals für den Stadtrat und zog ins Gremium ein.
Vor zehn Jahren schied der Mandatsträger verärgert aus dem Stadtrat aus, weil ihn die Stadtverwaltung unter der damaligen Oberbürgermeisterin Carda Seidel (parteilos) gerügt und ihm ein Ordnungsgeld angedroht hatte. Er hatte Sitzungen vor dem Ende verlassen. „Wenn man so lange im Stadtrat war“, schimpft er noch heute.
25 Jahre lang saß Günter Pfisterer der Bernhard Endres’schen Stiftung vor. Hier oblag ihm, daran mitzuwirken, „berufsbildende Schulen zu unterstützen“, wie er ausführt. Was das Theater Ansbach betrifft, hat er heute Angst, dass es nicht weiterbesteht, „wenn es nicht eine gewaltige Unterstützung erfährt“. Das Große Haus müsse wieder öffnen, und OB Thomas Deffner (CSU) müsse dies durchsetzen.
1997 ließ sich Günter Pfisterer zum Vorsitzenden des Tierschutzvereins wählen. Seine bereits verstorbene Ehefrau Edith hatte gemeint: „Du weißt doch nicht, was du tun sollst, wenn du im Ruhestand bist.“ Nun wurden es 28 Jahre.
„Dabei habe ich mich eigentlich vor Hunden gefürchtet“, gibt Günter Pfisterer zu. In seiner Zeit im Tierheim jedoch habe ihn nie einer gebissen, er sei bestens mit ihnen zurechtgekommen und sei nach einiger Zeit mit ihnen spazieren gegangen. Als das Besondere an dem Amt beschrieb er einmal, „dass man sich um so eine noble Aufgabe kümmern kann, der Kreatur zu helfen“. Der Tierschutz stehe heute stärker im Blickpunkt der Gesellschaft.
2024 wurden Vorwürfe aus Mitarbeiterkreisen gegen das Tierheim laut, zum Beispiel wegen toter Tiere im Müll. „Man muss davon ausgehen, dass nichts dran war, sonst wäre ja irgendetwas passiert“, sagt der scheidende Chef. Im selben Jahr überraschte den Verein eine große Erbschaft von Horst Merck.
Zu Beginn der Ära Pfisterer hatte man das Katzenhaus eingeweiht. Anschließend galt es, dessen Quarantänestation fertigzustellen. Später kamen ein Anbau ans Katzenhaus und ein Kleintierhaus hinzu.
Im Augenblick ist der scheidende Chef noch mittendrin in der Arbeit, vor allem in Sachen Bau des neuen Hundehauses. „Wir haben schon mit Bodenuntersuchungen begonnen“, macht er deutlich.
In der Jahresversammlung am Freitag, 23. Mai, stellt sich Günter Pfisterer nicht mehr zur Wahl. Es war für ihn eine erfüllende Aufgabe. „Man hat gewusst, wofür man seine Zeit investiert.“ Die bisherige Schatzmeisterin Eva Lindner kandidiert für seine Nachfolge. Ab und zu möchte er allerdings nach wie vor im Tierheim vorbeischauen: „Es ist ja doch ein Teil meines Lebens.“