Nach dem Sabbat-Jahr 2024 – da hatte der Schwund an Helfenden das „Eulenflug” verhindert – kehrte dieses stark verändert zurück. Drei neue Kollektive hatten die Rothenburger Grenzkünstler unterstützt. Ein Modell für die Zukunft? Wenn es nach Chef-Organisator Johannes Keitel geht, könnte sich das neue Eulenflug gerne so etablieren.
Am Samstag ausverkauft, am Freitag an dieser Marke gekratzt: Entsprechend zufrieden sind die Veranstalter mit der Eulenflug-Auflage 2025, sagt Keitel im Redaktionsgespräch. „Alles lief unglaublich rund, unglaublich entspannt und wir haben unglaublich viel Lob bekommen.”
Mit „IsarBass” aus München für das Unterholz, dem Verein „Kontrastprogramm” aus Neustadt für die Wiese und „Rap aus Liebe” aus Rothenburg hat das Grenzkunst-Kollektiv – die Begründer des Eulenflugs und Betreiber der Oberholz-Bühne – viel frischen Wind bekommen. Ob das Wiederholungspotenzial hat? „Ich würde es mir wünschen”, sagt Johannes Keitel.
Doch um das festzuklopfen, sei es noch zu früh. „Jetzt steht erst einmal der Abbau an, dann müssen sich alle erholen und dann schauen wir weiter”, gibt der Grenzkunst-Vertreter die Marschroute vor. Jedoch habe er auch von den Kollektiven und Helferinnen und Helfern eigentlich nur Positives gehört. Entsprechend ist er zuversichtlich, dass das gesamte Kollektiv-Quartett (Grenzkunst mit eingerechnet) auch 2026 wieder zur Verfügung stünde.
Am Sonntag endete das Festival am Abend mit einem Set von Tim Freitag, ein DJ aus den Grenzkunst-Reihen. Das sei für die vielen Helferinnen und Helfer – insgesamt sind das übers gesamte Eulenflug-Wochenende gerechnet 160 bis 170 Personen – der Moment, zur Ruhe zu kommen und selbst das Festival und die Musik noch einmal zu genießen. Keitel: „Das ist immer eine wahnsinnig schöne Party.”
Schließlich muss dann ein Teil der Menschen wieder Energie tanken, denn bereits am Montag begann der Abbau. Mit Blick auf den Aufwand – die selbst gebauten Bühnen, die kreative Dekoration, das viele Licht und die Sitz-Aufbauten – geht das natürlich nicht in einer Stunde. Johannes Keitel rechnet mit drei bis vier Tagen, bis das Wäldchen zwischen den Windelsbacher Ortsteilen Linden und Nordenberg wieder in den Ur-Zustand zurückversetzt ist.
Doch wie bekommen vier Kollektive mit Freiwilligen ein derart professionelles und mit so viel Aufwand verbundenes Festival auf die Beine gestellt? „Viele Menschen arbeiten in dem Bereich”, sagt Keitel. Sie machen also auch berufsmäßig Licht und Sound oder sind handwerklich begabt und engagiert. Besonders bei den Münchnern von „IsarBass” sind viele auch bei Clubs beschäftigt, haben entsprechendes Know-how und – nicht zu vergessen – auch die Kontakte, um viele Szenegrößen – ob Techno, Downtempo, Disco oder Drum&Bass – für Auftritte nach Linden zu lotsen.
Mit der Bühne von „Rap aus Liebe” hatten die Veranstalter etwas Besonderes gewagt: Hip-Hop und Rap auf einem bislang rein elektronischen Festival. „Das klingt erst einmal untypisch, war aber eine gigantische Bereicherung”, findet Keitel. Vor allem der Battle-Rap – zwei Sprechgesangskünstlerinnen und/oder Sprechgesangskünstler duellieren sich ohne Skript, sondern nur mit Text-Ideen, die spontan aus der Situation heraus entstehen – sei gut angenommen worden und sehr gut angekommen.
„Wir schauen voller Freude und Zuversicht in die Zukunft”, sagt der Grenzkunst-Vertreter. „Wir werden die neue Konstellation des Formats hoffentlich so weiterführen und auch weiterentwickeln.” Schließlich lasse sich bei einer Premiere noch nicht das volle Potenzial ausschöpfen. Alles müsse sich erst einmal einspielen. Dafür hat das Eulenflug 2025 jedoch überraschend gut funktioniert.
Doch das Rothenburger Grenzkunst-Kollektiv steht für noch mehr als das Eulenflug-Festival, beispielsweise auch für den „Sundowner”, ein zweitägiger Wochenend-Rave (Rave steht für eine Tanzveranstaltung mit elektronischer Musik) auf dem Wildbad-Areal in Rothenburg. Nachdem die Stadtwerke das Gelände der evangelischen Kirche abgekauft haben, könnte auch dieses Format weiterbestehen – zumindest in der Theorie. Stadtwerke-Vertreter hatten grundsätzlich angekündigt, die Veranstaltungen im Wildbad so weiterlaufen zu lassen.
Ob der „Sundowner” mit einem derartigen Aufwand für die Grenzkünstler aber auch künftig stemmbar sein wird, dahinter macht Johannes Keitel (noch?) ein Fragezeichen. Es habe auch noch keine Gespräche zwischen Grenzkünstlern und den Stadtwerken gegeben. Und jetzt müssen sich ohnehin erst einmal alle von den Eulenflug-Strapazen erholen. Doch es sieht sehr gut aus, dass zumindest dieses Drei-Tages-Festival auch 2026 erneut steigen wird. „Wir lassen die Eule wieder fliegen.”