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Veröffentlicht am 30.04.2026 07:24, aktualisiert am 30.04.2026 15:26

EZB wartet trotz Inflationsschub ab - Zinserhöhung im Juni?

EZB-Präsidentin Lagarde: „Würden uns alle ein schnelles Ende des Iran-Krieges wünschen.“ (Foto: Florian Wiegand/dpa)
EZB-Präsidentin Lagarde: „Würden uns alle ein schnelles Ende des Iran-Krieges wünschen.“ (Foto: Florian Wiegand/dpa)
EZB-Präsidentin Lagarde: „Würden uns alle ein schnelles Ende des Iran-Krieges wünschen.“ (Foto: Florian Wiegand/dpa)

Die Europäische Zentralbank (EZB) hält die Leitzinsen im Euroraum trotz des Inflationsschubs infolge des Iran-Kriegs unverändert. Der für Banken und Sparer wichtige Einlagenzins bleibt bei 2,0 Prozent, wie die Notenbank entschied. Damit tasten die Euro-Währungshüter zum siebten Mal in Folge die Zinsen im Euroraum nicht an.

Volkswirte erwarten jedoch, dass die Zentralbank im Jahresverlauf die Zinsen anheben wird. „Je länger der Krieg anhält und je länger die Energiepreise auf hohem Niveau bleiben, desto stärker wird sich dies voraussichtlich auf die allgemeine Inflation und die Wirtschaft auswirken“, sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde in Frankfurt.

Die Französin mahnte zugleich die Politik: Fiskalische Notfallpakete als Antwort auf die deutlich gestiegenen Energiepreise sollten zeitlich begrenzt bleiben. „Reformen sind wichtiger denn je“, sagte Lagarde. 

Inflation sprunghaft gestiegen

Der Ölpreisschock infolge des Krieges im Nahen Osten hat die Teuerung im Währungsraum nach oben getrieben: Im April lagen die Verbraucherpreise im Euroraum nach erster Schätzung der Statistikbehörde Eurostat um 3,0 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Bereits im März war die Inflationsrate mit 2,6 Prozent deutlich erhöht. Entspannung erwartet Lagarde vorerst nicht: Kurzfristig werde die Inflation „merklich über zwei Prozent liegen“.

Ökonomen fürchten, dass die gestiegenen Energiepreise auf die gesamte Wirtschaft überspringen und viele Waren und Dienstleistungen teurer werden. Auch der EZB-Rat sieht ein erhöhtes Risiko, dass die Inflation weiter anzieht und zugleich das Wirtschaftswachstum geringer ausfällt. 

Die EZB strebt mittelfristig eine Inflation von 2,0 Prozent im Euroraum an. Bei dieser Marke sieht die Notenbank ihr oberstes Ziel erreicht, für einen stabilen Euro zu sorgen und die Kaufkraft der Menschen zu sichern. 

Mehrere Zinserhöhungen dieses Jahr erwartet

„Noch kann die EZB abwarten, aber mit jeder Woche, in der die Rohölversorgung der Weltwirtschaft durch die Blockade im Persischen Golf eingeschränkt bleibt, steigt für die Geldpolitik die Notwendigkeit, die Leitzinsen zu erhöhen“, sagt Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater. „Das schlägt auch auf die Kreditzinsen durch: keine guten Nachrichten für diejenigen, die jetzt eine Baufinanzierung benötigen.“

An den Finanzmärkten werden bis Jahresende drei Leitzinserhöhungen um je 0,25 Prozentpunkte erwartet. Die nächste Zinsentscheidung steht am 11. Juni an. Mit höheren Zinsen kann die EZB die Inflation im Zaum halten: Dies würde Kredite verteuern, was die Nachfrage bremsen und die Teuerung dämpfen kann. Sparerinnen und Sparer würden zugleich von steigenden Leitzinsen profitieren, wenn Banken diese an sie weiterreichen.

Sparzinsen ziehen an

Mit der Erwartung steigender Leitzinsen sind die Sparzinsen bereits gestiegen. Seit Beginn des Iran-Kriegs seien die Festgeldzinsen so stark geklettert wie seit 2023 nicht, beobachtet das Vergleichsportal Verivox. Anlagen mit zwei Jahren Laufzeit bringen im Schnitt 2,25 Prozent, das sei der höchste Stand seit Anfang 2025. „Beim Festgeld ist die Zinswende schon angekommen“, sagt Timo Halbe vom Geldratgeber Finanztip. „Das deutet darauf hin, dass Banken sich auf ein länger höheres Zinsniveau einstellen.“ Allerdings lag die Inflation in Deutschland zuletzt bei 2,9 Prozent, Sparer verlieren also unter dem Strich Geld.

EZB in der Zwickmühle

Wie es mit der Geldpolitik der EZB weitergeht, hängt maßgeblich davon ab, wie lange der Iran-Krieg dauert und ob es bei einem zeitlich befristeten Energiepreisschock bleibt oder die jüngste Teuerungswelle die komplette Wirtschaft erfasst. Noch besteht Hoffnung, dass sich die USA und der Iran am Verhandlungstisch einigen.

Schon jetzt trübt der Krieg die Konjunkturaussichten. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet, dass die Wirtschaft im Euroraum in diesem Jahr nur um 1,1 Prozent wachsen wird. Für Europas größte Volkswirtschaft Deutschland sieht es mit 0,8 Prozent noch schlechter aus. Im ersten Quartal gab es für die Wirtschaft im Euroraum laut Eurostat ein Mini-Wachstum von gerade einmal 0,1 Prozent.

Höhere Zinsen würden Investitionen für Unternehmen verteuern. Die EZB steckt in einer Zwickmühle: Erhöht sie die Zinsen, um die Inflation einzudämmen, läuft sie Gefahr, die Wirtschaft abzuwürgen. Im schlimmsten Fall droht Stagflation: Wirtschaftsflaute bei zugleich deutlich steigenden Preisen. 

Schlechte Erinnerungen an Ukraine-Krieg

Die EZB will unbedingt verhindern, dass sie auf eine mögliche neue Preiswelle zu spät reagiert. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 stand die Notenbank in der Kritik, den damaligen Preisanstieg lange unterschätzt zu haben. Die Inflation im Euroraum schnellte zeitweise auf mehr als zehn Prozent hoch. Mit der Energiekrise stiegen auch die Lebensmittel- und Spritpreise in Deutschland. Die damaligen Preiserhöhungen wirken bis heute nach.

© dpa-infocom, dpa:260430-930-13388/4


Von dpa
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