Das neue Feuerwehrhaus ist richtig und wichtig – zumindest grundsätzlich sind sich darüber alle Neustädter Stadtratsfraktionen einig. Allerdings – und auch da herrscht Konsens – es ist auch ganz schön teuer und belastet den städtischen Haushalt enorm. Umso überraschender, dass der Stadtrat jetzt eine Ausgabe beschloss, die von der Feuerwehr gar nicht gewünscht wurde.
Konkret geht es um den Bodenbelag, der in den Fahrzeughallen verlegt werden soll. Wie in derartigen Hallen – auch in Industrie und Handel – üblich, hatte man sich im Vorfeld auf einen Rüttelklinkerbelag geeinigt. Dabei handelt es sich um einen Belag, für den Klinker oder Platten in einem speziellen Verfahren in ein Mörtelbett „eingerüttelt“ werden. Dieser Verbund aus keramischem Bodenbelag mit einer darunter befindlichen mineralischen Bettung gilt als besonders strapazierfähig und langlebig.
Strapazierfähig genug auch für die schweren Einsatzcontainer, die der Landkreis bei der Neustädter Stützpunktfeuerwehr platzieren will? Da hatte der Projektausschuss, der sich intensiv mit allen Fragen rund ums Feuerwehrhaus auseinandersetzt, leise Zweifel, so dass dessen Mitglieder vorschlugen, in zehn Hallen so genannte Stahlankerplatten einbauen zu lassen. Diese sind noch ein Stückchen widerstandsfähiger und damit auch für diese zu erwartenden höheren Gewichtsmassen als jene der „normalen“ Feuerwehrfahrzeuge bestens geeignet. Vor allem Christian Köstner (CSU) setzte sich dafür auch im Stadtrat ein – er ist mit den entsprechenden Bodenbelägen und deren Belastbarkeit dank eigener beruflicher Erfahrung bestens vertraut.
So weit, so gut. Allerdings will die Feuerwehr diese Stahlankerplatten, von denen zwei bereits mit ausgeschrieben und im Bodenbelagspreis des günstigsten Anbieters von 261.000 Euro enthalten waren, offenbar gar nicht. Der Grund: Wenn diese Platten nur in einigen der Fahrzeughallen verlegt würden, dann sei man auf ewig festgelegt, wo welche Fahrzeuge abgestellt werden müssen. Das jedoch schränke die Flexibilität deutlich ein und dies wolle man sich und künftigen Generationen nicht zumuten. Im Klartext: Aus Sicht der Feuerwehr könne man sich die doch nicht unerheblichen Zusatzausgaben für die Stahlankerplatten eigentlich sparen.
Die Mehrheit des Stadtrats sah dies anders. Zunächst hatte Christian Köstner eigene Erfahrungen und Recherchen eingebracht, anschließend meldete sich auch Heike Gareis (SPD) zu Wort. Die dritte Bürgermeisterin plädierte dafür, in zehn Hallen die besagten Stahlplatten einbauen zu lassen: Die ebenfalls vorgeschlagenen sechs Hallen seien zu wenig – das nehme der Wehr tatsächlich zu viel Gestaltungsspielraum. Doch wenn man zehn Stellplätze damit ausrüste, gebe es immer noch genügend Variabilität und „wir würden jetzt dauerhaft etwas extrem Haltbares machen“.
Während David Muck (Grüne) sich wunderte („Warum sollten wir jetzt plötzlich mehr Geld ausgeben, als die Feuerwehr sich wünscht?“) sprach Wilfried Westhauser von einer „Mindestsicherung“, die man einbauen solle. Zehn Hallen mit den Platten auszurüsten, sei aus seiner Sicht allerdings zu viel – sechs Hallen seien genau richtig. Das sah letztlich eine klare Mehrheit genau so: Mit 17 gegen vier Stimmen wurde beschlossen, sechs Hallen mit den Stahlankerplatten auszurüsten, der Mehrpreis von rund 42.000 Euro wurde dafür in Kauf genommen.
Deutlich problemloser gingen weitere Vergaben über die Bühne: Die Außentore für die drei Ein- und Ausfahrten zum Gelände gehen für knapp 87.000 Euro an eine Firma aus Lehrberg – rund 40.000 Euro unter der Kostenberechnung. Ebenfalls deutlich weniger als gedacht wird für die Rohrrahmentüren im Neubau aufgewendet: Den Auftrag erhielt ein Adelsdorfer Unternehmen für etwa 54.000 Euro, etwa 45.000 Euro weniger als kalkuliert worden waren.
Der Reinigungsraum für die Schutzkleidung (116.000 Euro) sowie die Atemschutzwerkstatt (Prüfung und Instandhaltung der Atemschutzgeräte; 111.000 Euro) wurden an eine Fachfirma aus Ilshofen-Eckartshausen vergeben, jeweils einstimmig. Diese Posten muss die Stadt nicht alleine tragen: Der Freistaat steuert 34.700 Euro Förderung bei.