Einen ungewöhnlichen und für etliche Beteiligte mutmaßlich ernüchternden Verlauf nahmen die Neuwahlen beim Kreisverband des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) in der NeuStadtHalle. Der einzige Kandidat für die Position des Vorsitzenden erreichte nur 44 Stimmen – die Wahl wurde daraufhin vertagt. Nun zeichnet sich eine Lösung ab.
Eigentlich war alles angerichtet: Der Landtagsabgeordnete Harry Scheuenstuhl, seit acht Jahren Vorsitzender des BRK-Kreisverbandes, sowie seine Stellvertreter Dr. Birgit Kreß (Bürgermeisterin von Markt Erlbach) und Dr. Christian von Dobschütz (Landrat) hatten signalisiert, auf eine erneute Kandidatur zu verzichten.
Gegenüber der Redaktion begründete Harry Scheuenstuhl diese Entscheidung: „Die alte Vorstandschaft wollte sich ursprünglich – bis auf wenige Ausnahmen – wieder zur Wahl stellen. Aber dann ging ein weiterer Listenvorschlag aus den Reihen der BRK-Aktiven ein, dann haben wir beschlossen, dass wir dem nicht im Wege stehen wollten.“
Ähnlich begründete auch Christian von Dobschütz den Verzicht auf eine erneute Bewerbung: „Es ist aus meiner Sicht zuletzt sehr gut gelaufen, ich habe keine Verwerfungen oder eine unruhige Lage beim BRK wahrgenommen. Aber ich kann sehr gut verstehen, wenn die Ehrenamtlichen jemanden aus den eigenen Reihen als Vorsitzenden wollen – dem wollten wir nicht im Weg stehen.“
Tatsächlich, so berichtet es Kreisgeschäftsführer Ralph Engelbrecht auf Nachfrage, sei der Wahlvorschlag, in dem Manuel Körner als neuer Vorsitzender und eine neue Führungsmannschaft vorgeschlagen worden waren, ordnungsgemäß eingereicht worden und aus den Reihen der Ehrenamtlichen gekommen. Wie viele von diesen hinter dem Vorschlag standen, wollte Engelbrecht nicht sagen.
Nach Informationen unserer Redaktion war die Unterstützung für Körners Mannschaft vor allem aus den BRK-Bereitschaften Markt Erlbach und Scheinfeld gekommen. Die anderen Standorte hingegen hatten sich davon offenbar distanziert, wofür auch jene nur 44 Stimmen sprechen (bei 123 anwesenden Wahlberechtigten), die Körner bei der Wahl erhalten hatte.
Körner selbst reagierte bis Redaktionsschluss nicht auf eine schriftliche Gesprächsbitte der Redaktion. Ralph Engelbrecht formulierte seine Reaktion auf die geplatzte Wahl diplomatisch: „Ich bin als Kreisgeschäftsführer ein Angestellter und der Vorsitzende des Kreisverbandes ist mein Chef. Es steht mir nicht zu, diese Wahl zu kommentieren, aber ich möchte darauf verweisen, dass es sich um einen ganz normalen demokratischen Vorgang handelt.“ Körner sei vor vier Jahren schon einmal angetreten und sei damals bereits unterlegen. „Das jetzige Ergebnis könnte darauf hindeuten, dass die Mitglieder keinen Führungswechsel wollen“, so Engelbrecht.
Wie Dr. Birgit Kreß, Markt Erlbachs Bürgermeisterin und bisher stellvertretende Vorsitzende, erklärte, kenne sie Manuel Körner natürlich als „sehr engagierten Mann beim BRK“ ihrer Heimatgemeinde. Allerdings habe sie ihn nicht selbst ins Spiel gebracht – das sei nicht ihre Aufgabe. Von seiner Kandidatur habe sie erst eine Woche vor der Wahl erfahren und in den Gesprächen mit ihren Vorstandskollegen habe sich dann schnell herauskristallisiert, dass man einem Neuanfang mit einer Vorstandsriege aus den BRK-Reihen keinesfalls im Wege stehen wollte. Der Ausgang habe sie nun zwar „etwas enttäuscht“, aber „eine Wahl ist eben eine Wahl“.
Wie geht es also nun weiter? Der vorgeschlagene neue Vorsitzende scheint nicht mehrheitsfähig, die alte Vorstandschaft hat ihren Verzicht erklärt und wurde bereits mit Blumen verabschiedet. Bleibt das BRK im Landkreis damit führungslos? Nein, versichert Ralph Engelbrecht: „Der Wahlvorbereitungsausschuss bleibt jetzt im Amt und wird die Wahl neu ausschreiben. Voraussichtlich wird dann Anfang Juni neu gewählt.“
Aber wer wird gewählt? Wer tritt dann an? Engelbrecht gibt darauf keine konkrete Antwort, aber zumindest eine Andeutung kommt von Harry Scheuenstuhl: „Das Rote Kreuz kann nicht ohne Vorsitzenden sein“, so der SPD-Landtagsabgeordnete und weiter: „Mir hat die Aufgabe sehr viel Spaß gemacht, ich habe mich auch im BRK-Bezirks- und im Landesvorstand engagiert.“
Würde er also – wenn man ihn denn fragt – doch noch einmal antreten? Einen Rückzieher vom Rückzieher machen? Eindeutig äußern will sich Scheuenstuhl nicht, sagt aber: „Eine Kampfabstimmung wollten wir zu Gunsten des Roten Kreuzes unbedingt vermeiden. Aber jetzt hat die Versammlung beschlossen, die Wahl neu auszuschreiben und wir vom alten Vorstand wollen, dass es gut weiter geht.“
Mit diesen Aussagen konfrontiert, erklärt Ralph Engelbrecht: „Es war aus meiner Sicht eine sehr, sehr gute Zusammenarbeit mit dem bisherigen Vorstand, ich fand es schade, dass sie sich zurückziehen und nicht mehr zur Verfügung stehen. Wenn sie es sich jetzt überlegen und doch weiter machen, würde mich das sehr freuen, aber das ist natürlich nicht meine Entscheidung.“
Dass Engelbrechts Hoffnung sich erfüllen könnte, sagt am deutlichsten Christian von Dobschütz. Auf die Frage, ob er es sich vorstellen könnte, in der bisherigen Konstellation doch noch weiter zu arbeiten, sagt er: „Ja, schon. Ich habe das dem BRK auch so signalisiert.“