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Veröffentlicht am 23.07.2024 17:51

Gratis-Fritten bei Bifi: Der DGB wirbt in Ansbach für Tariftreue

Seit Jahrzehnten nimmt die Tariftreue der deutschen Unternehmen ab – besonders in Bayern. Dagegen kämpft der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) jetzt mit der bundesweiten Kampagne „Eintreten für die Tarifwende“. Vor den Werkstoren des Bifi-Produzenten Jack Link’s machte das DGB-Frittenmobil Station.

Kostenlos Pommes frites an die Beschäftigten verteilen und mit ihnen ins Gespräch kommen – das ist der Sinn hinter der Frittenmobil-Aktion. Die Pommesbude des DGB und seiner Mitgliedsgewerkschaften ist noch bis 2. August auf großer Bayern-Tour, um auf ein ernstes Thema aufmerksam zu machen: Die Tarifbindung der bayerischen Unternehmen nimmt seit Jahren stetig ab.

Auch Kommunen können etwas tun

Nach DGB-Angaben waren Anfang der 2000er Jahre noch über 70 Prozent der Beschäftigten in Bayern tarifgebunden, aktuell gilt das nur noch für 48 Prozent der Arbeitnehmer. Bayern ist nach Gewerkschaftsangaben mit Hamburg das einzige „westliche“ Bundesland, in dem die Tarifbindung der Beschäftigten unter 50 Prozent liegt.

DGB-Sekretär Alexander Eglmaier sieht hier auch die Politik in der Pflicht. Bayern sei das einzige Bundesland, das kein Tariftreue-Gesetz für die Vergabe öffentlicher Aufträge habe. Doch auch die Kommunen könnten Vergabeordnungen erlassen, die den Auftragnehmern auferlegten, ihre Beschäftigten nach einem Flächen- oder Haustarifvertrag zu bezahlen.

Große Marktmacht

Die Zahlen des DGB aus dem Jahr 2021 machen deutlich, welche Marktmacht die Kommunen haben: Rund 17 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, etwa 500 Milliarden Euro, entstünden durch Aufträge der öffentlichen Hand, rund 58 Prozent davon würden auf kommunaler Ebene vergeben.

Doch die eigentliche Zielgruppe der Frittenmobil-Kampagne sind natürlich die Unternehmen – vor allem, wenn es dort darum geht, einen Tarifvertrag abzuschließen. „Seit zehn Jahren gibt es im ehemals tarifgebundenen Bifi-Werk keine Tarifverträge mehr“, sagt Regina Schleser, Geschäftsführerin der DGB-Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) in Nürnberg. Der Jack Link’s-Betriebsrat bestätigt das. „Wir wollen das ändern und werden das Unternehmen zu Haustarifverhandlungen auffordern“, so Schleser. Gute Arbeit brauche Mitbestimmung und tarifliche Leistungen.


Die Arbeitgeber halten sich sehr zurück.

Regina Schleser

Gerade im Lebensmittel- und Gastgewerbe sei die Tarifbindung mit unter 30 Prozent gering. „Bei der Fleischverarbeitung halten sich die Arbeitgeber sehr zurück“, kritisiert Schleser. Bei Jack Link’s profitiere man aktuell noch von der alten Tarifbindung, doch der Arbeitgeber könne jedes Jahr neu entscheiden.

Stephan Doll, Geschäftsführer des DGB Mittelfranken, erklärt, mit der Aufkündigung der Tarifbindung schössen die Arbeitgeber ein Eigentor: „Mit Tarifvertrag ist für alle Seiten mehr drin in der Pommestüte.“ Tarifgebundene Unternehmen seien nicht nur attraktiver für Fachkräfte, sie arbeiteten auch innovativer und hätten so einen Wettbewerbsvorteil.

Die Beschäftigten profitierten von besseren Arbeitsbedingungen wie höheren Löhnen, geregelten Arbeitszeiten sowie Urlaubs- und Weihnachtsgeld.

Das Frittenmobil des DGB machte Station vor den Werkstoren von Jack Link’s in Ansbach (von rechts): DGB-Sekretär Alexander Eglmaier, NGG-Geschäftsführerin Regina Schleser und Musa Sahi vom Berliner Caterer verteilten Pommes frites an die Beschäftigten. (Foto: Winfried Vennemann)
Das Frittenmobil des DGB machte Station vor den Werkstoren von Jack Link’s in Ansbach (von rechts): DGB-Sekretär Alexander Eglmaier, NGG-Geschäftsführerin Regina Schleser und Musa Sahi vom Berliner Caterer verteilten Pommes frites an die Beschäftigten. (Foto: Winfried Vennemann)
Das Frittenmobil des DGB machte Station vor den Werkstoren von Jack Link’s in Ansbach (von rechts): DGB-Sekretär Alexander Eglmaier, NGG-Geschäftsführerin Regina Schleser und Musa Sahi vom Berliner Caterer verteilten Pommes frites an die Beschäftigten. (Foto: Winfried Vennemann)

Winfried Vennemann
Winfried Vennemann
Redakteur
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