Wer kümmert sich künftig um die Belebung der Innenstadt? Nehmen die Einzelhändler und Ladenbetreiber ihr Schicksal selbst in die Hand und inwieweit kann die Stadt die passenden Rahmenbedingungen schaffen? Fragen über Fragen, auf die es noch nicht viele Antworten gibt.
Die aktuelle wie künftige Situation hängt in mehrfacher Hinsicht mit der Citywerkstatt zusammen. Die unterschiedlichen Projektgruppen in dem Zusammenschluss von Händlern, Privatleuten und Ladenbetreibern haben die bei der Gründung vor mehr als zwei Jahren ins Auge gefassten Projekte inzwischen weitestgehend alle umgesetzt. Mit unterschiedlichen Ergebnissen.
„Versuchen macht schlau“ stand über allen Aktivitäten, was einerseits ungewöhnliche Ansätze zuließ, andererseits bei der Umsetzung schon mal zeigte, dass gute Ideen im Praxistest trotz vorheriger Prüfung auch durchfallen können.
Nur, wie geht es jetzt weiter? Erwächst aus der Citywerkstatt eine Gruppe, die sich künftig um Organisation und Ausrichtung von belebenden Events für die Innenstadt kümmert? „Das wäre wünschenswert“, sagt Gregor Heilmaier dazu. Er fungierte in den vergangenen beiden Jahren als Moderator der Citywerkstatt, brachte Menschen wieder zusammen und etablierte damit ein neues Miteinander. So erarbeitete er sich einen guten Ruf – als Vermittler zwischen den Sorgen der Händler und den finanziell limitierten Möglichkeiten der städtischen Wirtschaftsförderung.
Nur ist die Bezuschussung durch die Europäische Union inzwischen ausgelaufen, Heilmaier priorisiert andere Projekte, sieht die Arbeit der Citywerkstatt aber als gute Grundstruktur – in deren Rahmen ließen sich Aktionen wie das Osterhasensuchspiel oder die Stiefel-Rallye gut umsetzen, findet der Unternehmensberater.
Die Händler haben Heilmaier zufolge durch die Praxis der Citywerkstatt geeignete Werkzeuge an der Hand, um Kunden zu einem Einkaufsbummel in die Altstadt zu locken. Und die Stadt hat den – freilich unausgesprochenen – Auftrag, die Umsetzung von derartigen Projekten mit ihren Mitteln zu forcieren.
Doch auf uneingeschränkte Zustimmung trifft dieser Ansatz keineswegs. Die Kosten für die Aktionen der Citywerkstatt lägen gerade für kleinere Läden oftmals über dem Budget, bringt es Elke Homm-Vogel von Tante Anna auf den Punkt. Infolgedessen, und weil Ideen schon in den eigenen Köpfen entstehen sollen, gehen einige Händler einen eigenen Weg.
Die ersten Aktionen der Händler aus der Neustadt sind gut angekommen. Bei der derzeit laufenden Kampagne „Ein Herz für...“ konnten bereits 19 Teilnehmer verzeichnet werden. Auch aus anderen Ecken der Altstadt sind Ladenbetreiber dabei. „Was hier wächst, ist gigantisch“, findet Café-Besitzer Jürgen Wolf.
Seit einigen Monaten läuft der Findungsprozess der Gruppe, die sich „Miteinander. Füreinander“ nennt. Das Team, das kein Zusammenschluss sein will, in seiner gemeinschaftlichen Ausrichtung aber doch daran erinnert, hat bereits Ideen für das ganze Jahr in petto. „Die Gedanken sprudeln nur so“, sagt Wolf und betont das Solidaritätsprinzip: „Wir halten richtig gut zusammen.“
Die Interessengemeinschaft setzt in ihrer Organisation auf die Kommunikation der kurzen Wege via Whatsapp oder klassische Mundpropaganda von Laden zu Laden. Und die Rolle der Stadt dabei? „Wir können nicht erwarten, dass unsere Projekte finanziert werden“, sagt Wolf bestimmt. Genauso bestimmt beschreibt er die Erwartungshaltung der Händler: „Die Stadt soll die Rahmenbedingungen schaffen.“
Das macht sie, nur das kostet Geld, teilte kürzlich Wirtschaftsförderer Christoph Albrecht per Mail mit. So würde die Stadt etwa den Service des Aufhängens der bunten Regenschirme in der Neustadt, der Rosenbadstraße und Uzstraße mit 2000 Euro angemessen entlohnt sehen.