Head Spa: Das steckt hinter dem Wellness-Trend | FLZ.de | Stage

arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 16.06.2026 00:08

Head Spa: Das steckt hinter dem Wellness-Trend

Entspannung und Kopfhaut im Fokus: Anders als beim Friseurbesuch geht es beim Head Spa nicht um Haarschnitt, Farbe, Dauerwelle und Co.  (Foto: Evelyn Steinbach/dpa-tmn)
Entspannung und Kopfhaut im Fokus: Anders als beim Friseurbesuch geht es beim Head Spa nicht um Haarschnitt, Farbe, Dauerwelle und Co. (Foto: Evelyn Steinbach/dpa-tmn)
Entspannung und Kopfhaut im Fokus: Anders als beim Friseurbesuch geht es beim Head Spa nicht um Haarschnitt, Farbe, Dauerwelle und Co. (Foto: Evelyn Steinbach/dpa-tmn)

Nicht der Friseurstuhl, sondern eine warme Liege empfängt mich an diesem Vormittag in Köln-Riehl. Kein Föhnlärm, kein Gewusel. Stattdessen gedämpftes Licht, sanfte Klänge, der Duft von Öl und Tee. Im „Muck Retreat“ geht es um Head Spa – eine Behandlung, die mehr will als Haarewaschen. Doch was eigentlich? Das möchte ich hier herausfinden.

Ich schlüpfe in weiche Hausschuhe, trinke Popcorn-Tee und streiche mir ein duftendes, feuchtes Tuch über Hände und Gesicht. Inhaberin Wijitra Kaehne und ihr Mann Tobias erklären den Ablauf. Sie fragen nach meiner Kopfhaut, nach Empfindlichkeiten. Danach geht es in den Nebenraum: auf ein japanisches Head-Spa-Bett, eine temperierte Liege, bei der der Kopf auf einer Kunststoffstütze über einem großen rechteckigen Waschbecken ruht. Erst wirkt das fremd, dann ziemlich bequem. Nacken und Schultern bleiben frei, der Rest verschwindet unter einer Decke.

Klangschale und Kamm

Die Idee des Head Spa kommt aus Japan und verbreitete sich schnell in andere Teile Asiens, wo zusätzliche Pflege- und Massagetechniken in die Behandlungen einflossen. Auch bei Wijitra Kaehne zeigt sich dieser Einfluss: Die gebürtige Thailänderin kombiniert den japanischen Ursprung des Head Spa mit weiteren Elementen. 

Ich schließe die Augen, höre Klangschalen schwingen, spüre Federn auf der Gesichtshaut. Meine Haare werden langsam gebürstet und gekämmt. Dann bekommt das Gesicht eine Druckpunktmassage nach japanischem Vorbild. Wijitra Kaehne drückt auf Akupressurpunkte an Schläfen, Wangen, Mund, Augenlidern und Stirn. Ziemlich intensiv ist das: So sollen Spannungen weichen. 

Es folgt der Hinterkopf. Wieder kämmt sie das Haar, zieht diesmal mehrere Scheitel. Mit einer Pipette wird warmes Öl auf der Kopfhaut verteilt. Es piekst kurz, dann legt sich ein warmer Film auf die Haut. Wijitra Kaehne arbeitet das Öl sanft ein, setzt zwischendurch einen chinesischen Gua-Sha-Stab an, lockert Schultern und Nacken. Der Zustand: zwischen Meditation und Halbschlaf. „In Thailand nennen die Menschen es Sleeping Salon anstelle von Head Spa“, sagt Wijitra Kaehne. „Weil man dabei kurz davor ist, einzuschlafen.“

Kein Head Spa ohne Wasserbogen?

Jetzt erst werden die Haare gewaschen. Das Shampoo arbeitet Wijitra Kaehne nicht - wie ich es aus Friseursalons gewohnt bin - in knetenden, kreisenden Bewegungen ein, sondern in schnellen, schiebenden Impulsen. Ich werde wieder wach. Der Schaum zieht durchs ganze Haar, bleibt länger darin, wird gründlich ausgespült. Erst ganz zum Schluss folgt jener goldene Wasserbogen, der in sozialen Medien als Sinnbild fürs Head Spa gilt. Spektakulär sieht er aus. Doch für das Erlebnis ist er fast nebensächlich.

Nach 60 Minuten fühle ich mich nicht nur gepflegt, sondern auch deutlich entspannter: Die Haare sind weich, ich bin frisch und bereit für den Tag. Die Behandlung kostet hier 99 Euro für 60 Minuten, 90 Minuten gibt es für 129 Euro.

Fürs Head Spa zum Friseur

Head Spa: Das gibt's nicht nur in Köln. Die „Vogue“ berichtete im April dieses Jahres etwa von einem Head Spa-Besuch in München bei „Glow Head Spa“ - inklusive Kopfhaut-Analyse, Kopf-, Nacken- und Schultermassage und Aromadampf. 

Auch das Modemagazin „Glamour“ testete die Wellness-Behandlung. „Anders als beim klassischen Friseurtermin geht es hier nicht um Schnitt oder Styling, sondern ausschließlich um das Wohlbefinden und die Gesundheit der Kopfhaut“, heißt es dort. Doch mitunter kann man auch einen Haarschnitt mit Head Spa kombinieren: Einige Friseursalons bieten die Wellness-Behandlung inzwischen ebenfalls an.

In Schwäbisch Gmünd führt Friseurmeisterin Nina Baxmann seit dem Sommer 2023 ein japanisches Head Spa. Bei ihr kann die Behandlung mit einer Kopfhautanalyse unter dem Mikroskop beginnen. Sie schaut: „Wie dicht wächst das Haar? Wie viele Follikel produzieren ein Haar? Wie ist die Durchblutung?“, erzählt sie. Das ersetzt zwar keine ärztliche Diagnose, sagt Baxmann, hilft aber bei einer Empfehlung. Denn viele Probleme erkennt man ihr zufolge direkt an der Kopfhaut: „Zum Beispiel Schuppen, verstopfte Poren oder Ablagerungen.“

Geht auch ohne volle Haare

Die Ergebnisse fließen in die mehrstufige Behandlung ein. „Bei trockener Kopfhaut arbeiten wir mit Ölen, Wärme und Dampf, um die Haut intensiv zu pflegen“, sagt Baxmann. Wärme und Dampf öffnen die Schuppenschicht des Haares, sodass Pflegeprodukte besser aufgenommen werden. Haben sich Talg oder Produktrückstände angesammelt, empfiehlt Baxmann ein Kopfhaut-Peeling mit feinen Meersalzkristallen. „Bei Haarausfall setzen wir auf Produkte und Massagen, die die Durchblutung der Kopfhaut anregen.“ 

Dazu gehört auch bei ihr eine japanische Akupressurmassage. Ihr Salon berechnet 120 Euro für 70 Minuten. Die Kopfhaut-Analyse mit Mikroskop kostet 14 Euro extra.

Ähnlich wie zu Wijitra Kaehne kommen auch zu Baxmann Kundinnen und Kunden mit unterschiedlichen Anliegen. Manche wünschen sich vor allem eine Tiefenreinigung der Kopfhaut, andere suchen Entspannung. Welche Schwerpunkte die Behandlung setzt, wird vorab besprochen.

Dabei richtet sich ein Head Spa nicht nur an Menschen mit vollem Haar. Weil die Kopfhaut im Mittelpunkt steht, nutzen laut Wijitra Kaehne auch Menschen mit wenig Haaren oder Glatze die Anwendung. Baxmann berichtet zudem, dass während einer Chemotherapie der Wunsch entstehen kann, der Kopfhaut etwas Gutes zu tun. Nach Kaehnes Erfahrung kommen auch Menschen mit häufigen Kopfschmerzen zum Head Spa. Wissenschaftlich eindeutig belegt ist die Wirkung allerdings nicht: Für Head Spa als eigenständige Therapie gibt es bislang keine belastbaren Studien.

© dpa-infocom, dpa:260615-930-228515/1


Von dpa
north