Starkregen, Hochwasser, Stürme: Experten sind sich einig, dass extreme Wetterereignisse in der Zukunft weiter zunehmen werden. Um sich vor Schäden zu schützen, ergreifen Kommunen unter anderem bauliche Maßnahmen. Im Heilsbronner Stadtrat wurde jetzt ein Frühwarnsystem für Starkregen-Vorfälle präsentiert.
Die Heilsbronner haben in der Vergangenheit bereits ihre Erfahrungen mit den Auswirkungen solcher Extremwetterlagen gemacht. Bereits mehrfach ist es zu lokalen Überflutungen im Einzugsgebiet der Stadt gekommen. Aus diesem Grund lässt die Stadt das bestehende Hochwasserschutzkonzept um ein Sturzflut-Risikomanagement erweitern. Dieses nimmt wild abfließendes Wasser in den Blick. Das Frühwarnsystem soll eine weitere Ergänzung der Schutzmaßnahmen sein.
Sinn dieses System ist es, „vor die Lage zu kommen“, sagte Ingenieur Hans Junginger von der Spekter GmbH in der Stadtratssitzung. So soll es eine bessere Vorbereitung auf drohende Starkregenereignisse geben. Es besteht laut Junginger die Chance, Schäden zu vermeiden oder sie zumindest zu reduzieren.
Im Rahmen einer Projektstudie hat die Firma das Heilsbronner Gebiet untersucht und so eine Handlungsempfehlung erarbeitet. So wurde das Areal in neun Warngebiete mit Gewässereinzugsbereichen unterteilt, wie Junginger erklärte. Hinzu kommen vier Regenmess- und acht Pegelstationen.
Durch die gesammelten Daten kann die Wetterlage in Echtzeit überwacht, ausgewertet und dokumentiert werden, wie der Ingenieur ausführte. Werden im Vorfeld definierte Gefahrenstufen erreicht, wird gezielt über eine App auf dem Smartphone alarmiert. Im Durchschnitt können so 60 Minuten gewonnen werden, um sich auf das Ereignis vorzubereiten, führt Junginger aus.
Die Warnung geht dabei nicht nur an die Einsatzkräfte, sondern auch an Einwohner von Heilsbronn. Man müsse auch die Bürger auf solche Ereignisse vorbereiten, so Junginger. Diese seien für den Schutz der eigenen Immobilie verantwortlich.
Einen Haken hat das System aber: Für derartige Vorhaben gibt es kein Förderprogramm. Sämtliche Kosten für das Frühwarnsystem müsste die Stadt Heilsbronn aus eigenen Finanzmitteln bezahlen. Ein Angebot hat die Stadt noch nicht vorliegen. Aber neben den Geräten selbst werden bis zu 9000 Euro Montagekosten fällig, antwortete Junginger auf eine Frage von Peter Stemmer.
Der Freie-Wähler-Stadtrat wollte auch wissen, wie die Geräte mit Strom versorgt werden. Junginger zufolge hängen die Regensensoren an der Stromversorgung. Bei einem Ausfall liefern sie dennoch noch für rund 72 Stunden Daten. Die Pegelsensoren dagegen werden über eine Batterie versorgt, die eine Lebensdauer von drei bis fünf Jahren haben.
An der Vorwarnzeit störte sich derweil Werner Scherzer (CSU). Die 60 Minuten sind aus seiner Sicht zu kurz, damit sich eine Feuerwehr auf ein solches Ereignis vorbereiten könne. 60 Minuten zu haben, sei besser als nichts, entgegnete Junginger. Gleichwohl handelt es sich ihm zufolge bei dieser Zeit um die zweite von drei Warnstufen. In der ersten Stufe kann die Zeit bis zu drei Stunden betragen.
Freilich machen Wetterereignisse keinen Halt vor Landkreisgrenzen, nicht jede Kommune benutzt das System der Spekter GmbH. Dahingehend beruhigte der Firmen-Vertreter die Heilsbronner Stadträte. Das System greife nicht nur auf die Radardaten des Deutschen Wetterdienstes zurück, sondern kommuniziere auch mit Frühwarnsystemen anderer Anbieter.