Seit acht Jahren plant die Stadt Heilsbronn, die Grundschule in der Nürnberger Straße zu modernisieren und zu erweitern. Jetzt zeichnet sich ab, dass die Planungszeit und -kosten vergeblich investiert worden sein könnten.
Einstimmig stoppte der Stadtrat jetzt vorläufig die Planungen, um sich mit einem kompletten Neubau zu beschäftigen. Die Reißleine zu ziehen, hat die Stadtverwaltung empfohlen, weil sich in den vergangenen Wochen statische Probleme an den bestehenden Gebäuden aufgetan haben.
So habe ein Tragwerksplaner „in den unterschiedlichen Gebäudeteilen erhebliche Defizite in der Lastabtragung nachgewiesen“. Das betreffe sowohl den Altbau – er stammt aus dem Jahr 1919 – als auch den Verwaltungstrakt (Baujahr 1964).
Die Verstärkung der Geschossdecken koste einen noch nicht ermittelten Betrag, berichtete Geschäftsleiter Ralf Wittmann. Aber allein für den erforderlichen Baustahl entstünde ein Mehraufwand von 250.000 Euro. Zudem würden sich die Raumhöhen um etwa 65 Zentimeter verringern.
Deswegen sollte der Stadtrat über einen Neubau an einem anderen Standort nachdenken, heißt es sinngemäß in der Sitzungsvorlage. Bestärkt sieht sich die Verwaltung in der Stellungnahme der Regierung von Mittelfranken. Nach deren Überzeugung habe das bisher geplante Schulbauprojekt „Generalsanierungscharakter“. Deshalb sollte man die Baukosten im Bestand den Kosten eines Neubaus gegenüberstellen. Zugleich lässt die Regierung durchblicken, dass der Neubau erhebliche Vorteile in Bezug auf passende Raumgrößen und Energieeffizienz habe. Bei einer Generalsanierung könnten hingegen unerwartete Probleme auftauchen.
Verlockend wäre laut Verwaltung eine neue Schule an einem neuen Standort nicht zuletzt wegen finanzieller Anreize. Der Erwerb eines Baugrundstücks würde zu 70 Prozent gefördert. Außerdem rechnet sie vor, dass man einen Vorteil von drei Millionen Euro hätte, wenn man auf die Auslagerung der Schule in ein Provisorium verzichten könnte und das jetzige Schulgelände veräußern würde.
Bei der CSU-Fraktion rannte die Verwaltung mit ihrem Vorschlag offene Türen ein. Es biete sich „eine einmalige Chance“ zu neuen „technisch modernen Gebäuden“ für die Grundschule zu kommen, sagte deren Sprecher Manfred Huber. „Diese Chance sollten wir doch bitte nutzen!“ Die bestehenden Schulgebäude zu ertüchtigen, verschlänge „enorme Mittel“ und wäre dennoch nur ein Kompromiss.
Bürgermeister Dr. Jürgen Pfeiffer erkannte ebenfalls Vorteile, vor allem für die Schulkinder selbst. Sie müssten nur einmal umziehen, nämlich in die neue Schule, sagte er. Andernfalls noch ein zweites Mal, nämlich während der Umbauzeit in ein Provisorium. Bisher war vorgesehen, während der Bauphase auf dem Grundschulgelände den Unterricht in die Containeranlage nahe der katholischen Kirche zu verlagern. Diese nutzt bis zu den Sommerferien die Realschule.
Die anderen Fraktionen zeigten sich deutlich zurückhaltender. Für die Freien Wähler beklagte Wolfgang Prager eine „nicht ausreichende Faktenlage“. Das Szenario sei nicht so einfach wie von der Verwaltung dargestellt. Weder kenne man die Mehrkosten, noch sei geklärt, ob etwa die Grundschule in Bürglein in die Überlegungen einbezogen werden soll. Und dann gebe es auf dem Gelände noch ein rund zehn Jahres altes Schulgebäude, dessen Aufstockung von Anfang an vorgesehen gewesen sei.
„Wo ist die grüne Wiese“, wo der Neubau entstehen solle, fragte Prager. Wenn die Grundschule einen neuen Standort bekäme, dann müsste dort auch eine zusätzliche Sporthalle entstehen. Die Kinder zum Sportunterricht mit Bussen zu fahren, verbiete sich angesichts des Zeitverlusts. Das bestätigte auch Schulleiter Martin Roth.
Für die Grünen-Fraktion sprach Thomas Franck von der Alternative zu den bisherigen Planungen von einer „Blackbox“. Er nannte es „extrem“, dass nach acht Jahren Planung das Thema Statik aufs Tablett komme, und stellte die Frage nach der Verantwortung für dieses Versäumnis. Auch Sebastian Buhl (FW) wähnte „Fehler bei der statischen Beurteilung“ der Gebäude während der Vorplanung.
„Von entscheidender Bedeutung“ ist nach den Worten von Petra Hinkl (SPD) die Standortfrage für einen eventuellen Neubau. Ihr Fraktionskollege Alois Frank meinte, „einen besseren Standort“ als den jetzigen in der Nürnberger Straße finde man in Heilsbronn nicht. In ihrer Sitzungsvorlage spricht die Verwaltung allerdings von einem „zukunftsfähigen zentralen Schulzentrum gegenüber der Realschule“.
Die bisherigen Planungen vorläufig zu stoppen und Grundlagen für eine neue Entscheidung einzuholen, trägt der gesamte Stadtrat mit. Dass die Verwaltung bereits jetzt Grundstücksgespräche für einen neuen Schulstandort führen soll, lehnten zwei Ratsmitglieder ab.
Der Stadtrat hatte in den vergangenen Jahren die Weichen gestellt, um die Modernisierung der Grundschule mit 15 Klassen sowie Ganztagsbetreuung und Hort in diesem Jahr zu starten. Für 2027 war bei einer Investitionssumme von 14 Millionen Euro (Stand Sommer 2024) die Fertigstellung vorgesehen.