Hohe Belastung für die Ehrenamtlichen: Ansbacher Tafel braucht mehr Helfer | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 31.12.2024 15:00

Hohe Belastung für die Ehrenamtlichen: Ansbacher Tafel braucht mehr Helfer

Im Ehrenamt fehlt der Nachwuchs, das merkt auch die Ansbacher Tafel. Dort hat sich die prekäre Situation jetzt noch verstärkt. Denn mit dem Jahreswechsel hören Edeltraut Merker und Heinrich Krill auf, die die Leitung innehatten. Was die zwei in vielen Jahren aufgebaut haben, ist schwer zu ersetzen.

„Wir brauchen unbedingt Nachwuchs“, sagt Christiane Halenke, die seit Kurzem für die Öffentlichkeitsarbeit des Diakonischen Werks Ansbach zuständig ist. Die meisten Ehrenamtlichen bei der Tafel seien älter als 65 Jahre, erklärt sie. Bei den Fahrern seien sogar viele 80+.

Die Helferinnen und Helfer fallen immer wieder aus

Die Ansbacher Tafel ist ein ökumenisches Projekt und befindet sich in Trägerschaft des Diakonischen Werks und des Caritasverbandes. Sie ist außerdem Mitglied im Bundesverband Deutscher Tafeln mit bundesweit einheitlichen Richtlinien.

Derzeit sei jeder der Engagierten in Ansbach gezwungen, immer mitzuhelfen, sagt Halenke. Das sei eigentlich keine schöne Lage. Aufgrund des hohen Alters der Helferinnen und Helfer gebe es auch immer wieder Ausfälle.

Sie hofft auf Jüngere, sie sich ehrenamtlich engagieren wollen. Man sei deshalb keineswegs verpflichtet, jede Woche anzupacken: „Es reicht auch, wenn jemand einmal im Monat hilft, zum Beispiel Sachen sortiert, bei den Fahrern dabei ist oder etwas bei den Sponsoren abholt.“ Am meisten Personen werden samstags gebraucht, denn da findet von 12 bis 15 Uhr die Essensausgabe statt. Am Vormittag werden die Regale eingeräumt und sortiert. Und die Fahrer drehen ihre Runden. Mittwochs wird außerdem viel Organisatorisches erledigt.

Edeltraut Merker ist bei der Ansbacher Tafel in ihrem Element. Nun hört die 84-Jährige auf. (Foto: Anna Beigel)
Edeltraut Merker ist bei der Ansbacher Tafel in ihrem Element. Nun hört die 84-Jährige auf. (Foto: Anna Beigel)

Abschied von der Tafel Ansbach: Edeltraut Merker beendet ihr Ehrenamt

Die 84-Jährige ist Mitbegründerin der Tafel. Sie startete damals die Ausgabe in einer kleinen Wohnung. Nach 25 Jahren möchte sie nun aber kürzer treten.

Es gibt auch außerhalb der Ausgabezeiten viel zu tun

„Die Tafel ist eigentlich wie ein kleines Unternehmen, das zu hundert Prozent auf den Schultern der freiwilligen Helfer liegt“, sagt Christiane Halenke im Gespräch mit der Redaktion. „Wir haben so ein tolles Team, das bisher so gut funktioniert hat. Aber mit jedem Ausfall wird es schwieriger“, fährt sie fort. Wer körperlich nicht die Möglichkeit hat, in der Ausgabe oder beim Fahren mitzuhelfen, könne sich in der Öffentlichkeitsarbeit der Tafel engagieren oder um die Sponsoren-Akquise kümmern. Das seien Arbeiten, die auch an anderen Tagen erledigt werden können, wenn man mittwochs oder samstags nicht kann.

Sehr herausfordernd ist auch die aktuelle Situation: Heinrich Krill und Edeltraut Merker sind ab 2025 nicht mehr bei der Tafel in Ansbach aktiv. „Da fällt ein gewisser Teil jetzt weg, ich sehe es als Verlust“, sagt Halenke, „das war deren Lebenswerk in ihrer Rente“.

Die Leitung solle im neuen Jahr auf mehrere Köpfe verteilt werden. Es hätten sich ein paar Personen dafür bereiterklärt, so Halenke. Jeder davon sei für seinen Teilbereich zuständig, in dem er sich am besten auskenne. „Für Herrn Krill und Frau Merker war das ein Vollzeitjob. Das können wir jetzt keinem einzelnen Ehrenamtlichen zumuten“, so Christiane Halenke.

Auch die Wärmestube in Ansbach sucht Unterstützer

Gesucht werden auch Menschen, die vielleicht lieber den Kochlöffel schwingen und in der Wärmestube der Diakonie Ansbach mithelfen wollen. Diese befindet sich direkt neben der Tafel, im selben Gebäude (Karolinenstraße 29).

Wer sich bei der Ansbacher Tafel engagieren möchte, aber sich die Arbeit dort erst einmal ansehen will, kann mit vorheriger telefonischer Anmeldung unter 0981/969060 zum Schnuppern vorbeischauen. Informationen zur Mithilfe in der Wärmestube gibt es unter 0981/9690646.

Wegen des hohen Alters der Ehrenamtlichen gibt es bei der Tafel oft Ausfälle. Vor allem junge Unterstützung wäre deshalb gut. (Foto: Evi Lemberger)
Wegen des hohen Alters der Ehrenamtlichen gibt es bei der Tafel oft Ausfälle. Vor allem junge Unterstützung wäre deshalb gut. (Foto: Evi Lemberger)
Wegen des hohen Alters der Ehrenamtlichen gibt es bei der Tafel oft Ausfälle. Vor allem junge Unterstützung wäre deshalb gut. (Foto: Evi Lemberger)
FLZ-Einblick

Hinter der Story

Manchmal ergeben sich im Lokaljournalismus aus einem Thema gleich mehrere Artikel. So ist es auch hier gewesen.

Bei einem Treffen mit der Tafelleitung Edeltraut Merker, die nach 25 Jahren Ehrenamt dort nun aufhört, war auch Christiane Halenke dabei.

Sie ist seit Kurzem für die Öffentlichkeitsarbeit des Diakonischen Werks zuständig und wollte sich vorstellen. In der Unterhaltung machte sie deutlich, dass die Tafel dringend Ehrenamtliche benötigt.

Kurzerhand verabredeten wir uns also zu einem zweiten Gespräch darüber.


    Anna Beigel
    Anna Beigel
    Redakteurin für Westmittelfranken und Landkreis Ansbach
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