Bei schweren Unfällen, laufenden Reanimationen oder Suiziden sind sie für die Betroffenen da: Notfallseelsorger. Zu wenige von ihnen gibt es aber in Stadt und Landkreis Ansbach. Die zuständigen Pfarrerinnen der evangelischen Kirche wollen mehr Menschen für das Ehrenamt begeistern.
„Wir sind ein sehr kleines Team“, sagt Weidenbachs Pfarrerin Simone Sippel bei einem Treffen mit der FLZ. Sie ist für die Notfallseelsorge im Dekanat Ansbach beauftragt, aber wenn sie Bereitschaft hat, wird sie auch bis nach Rothenburg oder Dinkelsbühl alarmiert.
Daher muss sie die Arbeit auch an Ortspfarrer delegieren, wenn die Polizei beispielsweise um Unterstützung zum Überbringen einer Todesnachricht bittet. An Unfallstellen könne sie die Ortspfarrer allerdings nicht schicken, dafür benötigen auch diese die spezielle Ausbildung, die Sippel absolviert hat.
„Es ist eine junge Disziplin, die immer weiter wächst“, erzählt Johanna Bogenreuther-Schlosser, Pfarrerin der Kirchengemeinde Ammelbruch. Claudie Schlottke aus Rothenburg und Teresa Sichermann aus der Pfarrei Neunkirchen-Wiedersbach komplettieren das Team für Stadt und Landkreis Ansbach.
Die Pfarrerinnen sind als Notfallseelsorger Teil der Psychosozialen Notfallversorgung, kurz PSNV. Auf sie greifen Feuerwehr, Polizei oder Notärzte über die Integrierte Leitstelle zurück, wenn Angehörige oder andere Betroffene psychisch besonders belastet sind. Die Notfallseelsorgerinnen teilen sich die Bereitschaftsdienste mit dem Bayerischen Roten Kreuz Ansbach, das die Wochenenden und die Nachtdienste besetzt.
„Eigentlich sollte es in jedem Dekanat einen beauftragten Pfarrer geben, das ist aber nicht so“, erklärt Claudie Schlottke. Bisher wurden die Pfarrerinnen zudem von einem Ehrenamtlichen unterstützt, der aber erkrankt ist. In anderen Städten und Landkreisen gibt es größere Notfallseelsorge-Gruppen, auch mit vielen Ehrenamtlichen, weiß Schlottke.
Dabei seien sie vergangenes Jahr zu 45 Einsätzen alarmiert worden, Tendenz stark steigend. „Denn das Bewusstsein für unsere Arbeit wird gerade erst geweckt“, sagt Johanna Bogenreuther-Schlosser. So entlasten die Notfallseelsorger auch die Einsatzkräfte vor Ort, die sich dann zum Beispiel auf die medizinische Versorgung fokussieren können. „Der Bedarf ist viel, viel höher“, sind sich die Pfarrerinnen einig.
Daher sind sie auf der Suche nach Verstärkung. Im Dekanat Dinkelsbühl befinden sich derzeit ein Diakon und ein Pfarrer in der Ausbildung zum Hauptamtlichen, berichtet Bogenreuther-Schlosser. Einen zweiten ehrenamtlichen Notfallseelsorger haben sie bereits im Team: Reinhold Lösel aus der Gemeinde Bechhofen ist fertig ausgebildet und derzeit in der Hospitation. Ein halbes Jahr lang hat er dafür online an Kursen teilgenommen und mehrere Präsenz-Übungen in Fürth besucht, 120 Stunden insgesamt.
Organisiert wird dies über die Landeskirche. Der Kurs für die Betroffenenfürsorge, PSNV-B, folge aber einem einheitlichen Standard, der auch beim BRK gelehrt wird. Für die Notfallseelsorge im Speziellen ist aber die Kirche zuständig. Dort lerne man zusätzlich spirituelle Komponenten, das Thema Aussegnung beispielsweise. Mindestens 21 Jahre alt muss man für das Amt sein und sollte Resilienz und Einfühlungsvermögen mitbringen. Auch etwas Flexibilität, gerade beruflich, ist von Nöten, um Bereitschaftsdienste zu übernehmen. Interessenten können sich an die Pfarrer ihrer Gemeinde wenden.
Reinhold Lösel ist über sein Engagement bei der Feuerwehr auf das Thema gestoßen und hat daher auch einen Kurs für die sogenannte Einsatzkräftenachsorge belegt. Dabei geht es vor allem darum, Einsätze nachzubereiten und den Rettungskräften etwas von der psychischen Last zu nehmen, die etwa ein schwerer Unfall hinterlassen kann.
Auch für die Notfallseelsorgerinnen ist das ein wichtiges Thema, da Tod und Leid zu ihrem Alltag gehört. Psychohygiene ist wichtig, erklärt Johanna Bogenreuther-Schlosser. Etwa nach dem Einsatz bewusst Dinge zu machen, die einem gut tun, helfe ihnen. Für die eine ist das Sport oder der Gang in die Sauna, für die andere das Gespräch mit Kollegen: „Sich zuzugestehen, dass es einem als Mensch nahe geht und man kein Held ist.“
Johanna Bogenreuther-Schlosser stellt ihre Arbeit auch in einem Podcast auf der Plattform Spotify vor. Er heißt „Einsatz für die Seele“.