In Uffenheim duellieren sich die Besten des Schäferhundesports | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 21.08.2023 13:05

In Uffenheim duellieren sich die Besten des Schäferhundesports

Attacke auf Kommando: Aus vollem Sprint springt dieser Schäferhund seinen vermeintlichen Feind an und beißt in den Spezialhandschuh. Wettkampf-Richter Gerd Beck (im Hintergrund) scheint mit der Angriffsleistung sehr zufrieden zu sein. (Foto: Johannes Zimmermann)
Attacke auf Kommando: Aus vollem Sprint springt dieser Schäferhund seinen vermeintlichen Feind an und beißt in den Spezialhandschuh. Wettkampf-Richter Gerd Beck (im Hintergrund) scheint mit der Angriffsleistung sehr zufrieden zu sein. (Foto: Johannes Zimmermann)
Attacke auf Kommando: Aus vollem Sprint springt dieser Schäferhund seinen vermeintlichen Feind an und beißt in den Spezialhandschuh. Wettkampf-Richter Gerd Beck (im Hintergrund) scheint mit der Angriffsleistung sehr zufrieden zu sein. (Foto: Johannes Zimmermann)

Hundegebell rings um das Seewiesen-Stadion. Menschen mit orangen Leibchen laufen über den sattgrünen Rasen und brüllen Kommandos. Steh, bring, sitz – die Vierbeiner folgen. Uffenheim war am Wochenende fest in Hundepfote: Die Crème de la Crème des Schäferhundesports duellierte sich um die Nordbayerische Meisterschaft.

Sie heißen Bacaya von der Friesenklippe, Fitzcarraldo vom Wieratal oder Oreo vom Forstamtsgarten. Dabei handelt es sich nicht etwa um bekannte Sehenswürdigkeiten, sondern um Schäferhunde. Nicht irgendwelche Vierbeiner, sondern mit die besten ihrer Zunft im weiten Nordbayern. Wer an diesem Wochenende die Leistungsrichter überzeugt, bucht sein Ticket für die Bundessiegerprüfung – die Deutsche Meisterschaft des Schäferhundesports.

24 sechsbeinige Mensch-Tier-Teams gemeldet

24 sechsbeinige Mensch-Tier-Teams sind gemeldet, die höchste Punktzahl zu erringen. Vier mussten in Uffenheim allerdings aus gesundheitlichen Problemen aufgeben. Uffenheim ist nach 2014 nun das zweite Mal Gastgeber für die Nordbayerische Meisterschaft. Waren es bei der Premiere noch 29 Teilnehmer in Uffenheim, sind es diesmal fünf weniger. Nachwuchsmangel macht den Schäferhundevereinen zu schaffen, betonen Pressesprecher Manfred Blank und die Gesamtleiterin der Veranstaltung Kristina Anton.

Die Uffenheimer Ortsgruppe um den Vorsitzenden Karl Anton und Veranstaltungsleiterin Kristina Anton haben für sehr würdige Rahmenbedingungen gesorgt. Der Rasen duftet und wurde kurz vor dem Start noch gestutzt. Blank und Anton danken in diesem Zusammenhang dem 1. Fußballverein Uffenheim – die Kooperation fürs Seewiesen-Stadion habe herausragend funktioniert. Knapp 40 Helferinnen und Helfer sind übers Wochenende im Einsatz, um Essen und Getränke zu verkaufen oder die Technik zu betreuen.

400 bis 500 Zuschauer verfolgten Spektakel

Sonntag, 11.30 Uhr: Die Sonne brennt, das Thermometer zeigt Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke. Die Abteilung, also die Disziplin, Unterordnung steht an. Strammen Schrittes stolzieren die Kronacherin Sylvia Lehnard mit ihrem Hund Oreo vom Forstamtsgarten und der Vestenbergsgreuther Norbert Turnwald mit seiner Sa-Ina’s Qiu in die Uffenheimer Arena. Die Zuschauer blicken gespannt. Übers Wochenende haben rund 400 bis 500 Gäste das Treiben verfolgt. Die Stimmung ist gut. Die Meisterschaften wirken hier und da wie ein nettes Verwandtschaftstreffen – die Szene ist familiär, man kennt sich.

Plötzlich hallen zwei Schläge durch die Luft. Keine Explosion, nur ein Ablenkungsmanöver, eine nervliche Zerreißprobe, psychischer Druck. Oreo und Sa-Ina juckt das erstaunlich wenig. Sie machen weiterhin ihr Ding – so soll es sein. Die erste Aufgabe ist bestanden. Oreo macht es sich derweil auf dem Rasen gemütlich, während Frauchen Sylvia Lehnard vorangeht und sich hinter einem blauen Dreieck versteckt. Minuten liegt Oreo da, rührt sich nicht vom Fleck. Lehnard hat es so befohlen. Sa-Ina hüpft indes neben den Beinen von Herrchen Norbert Turnwald. Dann geht es über zwei Hindernisse.

Kein Stress für die Vierbeiner

Die Hunde haben ihren Spaß, auch wenn die Temperaturen eine Belastungsprobe für Mensch und Tier sind. Die Zeiten, in denen die Schäferhunde bei Wettbewerben beinahe schon zum Schafott geführt wurden, sind längst vorbei. Beim Vierbeiner darf kein Stress erkennbar sein, darauf achten auch die Richter. Arbeitsfreudig und mit sichtbarem Spaß soll der Wettbewerb ablaufen.

Der hündische Gehorsam ist neben der Belastbarkeit dann aber trotzdem das A und O – wer das nicht draufhat, braucht gar nicht anzutreten. Steh, sitz, bring: In bisweilen militärischem Ton schallen die Kommandos durch das Uffenheimer Stadion. Weil die Hunde hören und die Disziplinen bisweilen mit Bravour gemeistert werden, gibt es Zwischenapplaus von den Rängen. Ob die Übungen fachmännisch korrekt abgelaufen sind, beurteilt bei der Unterordnung Ingeborg Balonier – sie ist eine Größe in der Szene, die auch auf Bundesebene zum Einsatz kommt.

Fährte, Unterordnung und Schutzdienst

Drei Abteilungen durchlaufen die Teilnehmer an diesem Wochenende. Bei der Fährtenarbeit muss eine rund 600 Schritt lange Fährte nahe Gollhofen absolviert werden. Beim sogenannten Schutzdienst muss der Hund nicht nur seinen Führer verteidigen, sondern auch einen Scheintäter stellen und anbellen.

Anschließend werden beim Schutzdienst verschiedene Flucht-Szenarien simuliert, bei denen die Hunde teils auch angreifen und sich in einem Spezialhandschuh verbeißen. „Wichtig ist, dass der Hund auf Kommando sofort loslässt“, sagt der Pressesprecher für den Uffenheimer Verein, Manfred Blank. Wer beim dritten Kommando immer noch nicht spurt, wird disqualifiziert.

Sieger kommt aus Wilburgstetten

Gesucht werden an diesem Wochenende Teilnehmer für die Bundessiegerprüfung, sozusagen die Deutsche Meisterschaft des Schäferhundesports, im niedersächsischen Meppen. Sieger in Uffenheim ist Thomas Beck mit seinem Bingo vom Peiner Burgpark aus Wilburgstetten, Zweiter wird Oliver Weber mit seinem Herkules vom Wällerhorst aus dem unterfränkischen Riedbach (Ortsgruppe Ebing) vor Ingrid Bartelmes mit ihrer Vina vom Waisa-grund. Sie ist Vertreterin für die Uffenheimer Ortsgruppe im Deutschen Schäferhundeverein und wohnt in Rothenburg.

Weiterhin qualifiziert: Wolfgang Schmidt mit seiner Extra vom Reiterles Kapelle aus Niederstetten (Ortsgruppe Dinkelsbühl) und Rosemarie Scheiner mit ihrer Elli von Frankonia aus Würzburg (Ortsgruppe Erlangen).

Ja, die Schäferhunde-Szene ist eine kleine, bisweilen eigene Welt. Der Hund ist eben doch der beste Freund des Menschen. Am Ende des Tages ist die Schäferhunde-Meisterschaft aber vor allem eines: Sport.

Hier finden Sie noch mehr Bilder zu der Nordbayerischen Meisterschaft im Schäferhundesport.

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