Ist das Custenlohrer Gemeindehaus sanierungsfähig oder nicht? Der von der Stadt beauftragte Architekt sagt „Ja“. Die Bürgerliste äußerte daran nach einem Vor-Ort-Termin allerdings ernste Zweifel – und sorgte bei den Custenlohrern offenbar für Verunsicherung. Bürgermeister Wolfgang Lampe übte in der Ratssitzung am Donnerstag Kritik an der Gruppierung.
Auslöser für den Zwist im Stadtrat war der 9. Oktober. Ein Mittwoch. Die Bürgerliste schaut regelmäßig in den Ortsteilen vorbei, „diesmal war Custenlohr wieder dran“, sagt Fraktionsvorsitzender Andreas Zander im Gespräch. So stand auch eine Besichtigung des Gemeindehauses an, das im Rahmen der Dorferneuerung generalsaniert werden soll. Risse, ein verschobenes Kellergewölbe und der Berg, auf dem das Häuschen steht, verschiebt sich, sagt Zander und betont: „Ich war nicht der Einzige, der da entsetzt war.“
In der Bürgerliste fragte man sich, ob dieses Gebäude wirklich sattelfest ist. Bereits in der Sitzung der Teilnehmergemeinschaft kam jenes Thema auf. Die Verunsicherung in Custenlohr war aus den Wortbeiträgen spürbar. Vize-Bürgermeister Hermann Schuch verteidigte den Architekten, den die Stadt unter anderem für die Statik beauftragt hat.
Kurze Zeit später ging bei Lampe ein Fragenkatalog der Bürgerliste ein – mit der Bitte, diesen in einer öffentlichen Sitzung zu beantworten. Dem kam Lampe aber nicht nach. Auch der Aufforderung einer Stellungnahme nicht. Hierzu betonte er nun im Stadtrat: „Eine schriftliche Stellungnahme meinerseits wird es nicht geben.“ Er habe mit der Rechtsaufsicht gesprochen, das sei legitim.
Und so beantwortete Lampe die Fragen zwar jetzt in öffentlicher Sitzung – allerdings im Schnell-Schnelldurchgang mit leicht genervten Kommentaren. Der Stadtrat hatte im Juni dem zusätzlichen Sanierungsumfang – Jugendraum, Schädlingsbekämpfung und Neugestaltung der Außenanlagen – zugestimmt, ebenso den weiteren Planungsleistungen sowie der Einholung von Angeboten. Alles vorbehaltlich der Zustimmung durch den Fördergeber – dem Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) als Vertreter für die Dorferneuerung.
Die zuletzt genannten groben Kostenschätzungen lagen bei 320.000 Euro, die Zuschüsse bei rund 180.000 Euro. Ob diese Summe für die Sanierung reicht, bezweifelt die Bürgerliste. „Bei der Begehung wurden massive Beschädigungen in allen Etagen festgestellt. Die Risse verlaufen teilweise vollständig von oben nach unten. Im Gewölbekeller ist ein regelrechter Versatz zu verzeichnen.“ Das sehe jeder Laie. Offenbar liegt das auch an der steigenden Trockenheit. Die Veränderung des Hügels nehme rasant zu. Zander fürchtet gar, dass der Gewölbekeller einstürzen könnte.
Lampe wertete all dies als „Zweifel an einem renommierten Planer, nur weil eine Gruppierung draußen war“. Er habe die Fragen zuerst nicht-öffentlich beantwortet, um möglichen Schaden vom Architekten fernzuhalten, der sehr gute Arbeit leiste.
Die relevanteste Frage der Bürgerliste: „Gibt es ein Ausstiegsszenario für den Fall, dass die Kosten erheblich über den Schätzungen liegen?“ Ein solcher könne nach jedem Schritt geprüft werden, sollte es tatsächlich zum Worst-Case-Szenario kommen, so Lampe. In einem Punkt hatte er gute Nachrichten: Es wurde eine kurzfristige Lösung für den Jugendtreff gefunden, der später im Gemeindehaus eine feste Heimat finden soll. Die Stadt hat einen Container, der umfunktioniert werden könnte. Hierfür müsse die Verwaltung nun einen Bauantrag stellen. Der werde gerade erarbeitet.
Zander betonte, dass der Fragenkatalog keinerlei Skepsis gegenüber der Verwaltung oder dem Architekten zum Ausdruck bringen sollte. Man habe nur verhindern wollen, dass man in einer späteren Phase viel Geld investiert hat und die Sanierung dann eben doch nicht klappt. „Wir haben alle ein Interesse daran, dass etwas Gutes entsteht.“
Die Kritik am Vor-Ort-Termin will der Fraktionssprecher gegenüber unserer Redaktion jedenfalls nicht gelten lassen. Der Stadtrat besichtige nicht jedes Projekt vor Beschlussfassungen. Insofern sieht er es als gutes Recht, nein sogar als Stadtratspflicht an, sich bei Zweifeln zu informieren, auch im Gespräch mit den Bürgern. „Ich muss das Recht haben, mir ein Bild vor Ort zu machen, wenn ich über so viel Geld entscheide.“
Schuch erklärte im Stadtrat, dass in der Sitzung der Teilnehmergemeinschaft das Thema von den Custenlohrern angesprochen wurde. Er habe „große Sorgen“ wahrgenommen, dass das Haus womöglich unsicher sein könnte. Der Vize hatte den Architekten, der für die Stadt tätig ist, verteidigt. Dafür dankte Lampe. Der verstand nicht, warum eine Gruppierung einen Planer diskreditieren will. Das allerdings, so Zander, sei keinesfalls das Ziel gewesen.