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Veröffentlicht am 04.11.2023 11:00

Jobcenter öffnet Türen für Langzeitarbeitslose

Manche Menschen sind lange Zeit arbeitslos. Doch der Weg lässt sich nach wie vor umkehren. Ein Förderinstrument des Jobcenters kann den Frauen und Männern eine Perspektive geben. Helmut Menzel (50) aus Ansbach zum Beispiel packte die Gelegenheit beim Schopf. Er ist jetzt beim städtischen Betriebsamt beschäftigt.

Hinter der Maßnahme steht ein nüchterner Paragraf: 16 i SGB II, also das zweite Buch des Sozialgesetzbuchs. Die Förderleistung steht für Teilhabe am Arbeitsleben, wie die Geschäftsführerin des Jobcenters Stadt Ansbach, Gabriele Lender-Mieke, erläutert.

Was heißt das? „Über diese Förderleistung haben wir die Möglichkeit, dem Arbeitgeber einen sehr hohen und langen Lohnkostenzuschuss zu geben“, legt Birgit Ittner vom Jobcenter dar. Der Zeitraum dürfe fünf Jahre dauern. Die Arbeitgeber könnten wählen, wie lange sie die Förderung haben möchten.

Geringe Risiken für Vorgesetzte

Birgit Ittner ist beim Jobcenter Arbeitsvermittlerin und Betriebsakquisiteurin. „Ich bin die, die Türen öffnet“, formuliert sie. Im Falle Helmut Menzels habe das Jobcenter zunächst zwei Jahre gefördert. Diese ersten zwei Jahre flössen immer 100 Prozent der Lohnkosten.

„Damit hat ein Arbeitgeber, der sich darauf einlässt, die geringsten Risiken.“ Dann sänken die Fördermittel jahresweise – auf 90, 80 und im fünften Jahr 70 Prozent. Nach den zwei Jahren könne der Arbeitgeber einmalig beantragen, die Maßnahme zu verlängern – und wählen, wie lange sie noch dauern solle.

Förderung ist einmalig

Helmut Menzel „hat sich bewiesen“, betont Birgit Ittner lächelnd. Für ihn läuft die Maßnahme nun ganze fünf Jahre – und endet am 31. Januar 2026. „Die Förderung bekommt jeder Kunde des Jobcenters nur einmalig“, gibt sie zu bedenken. Wenn der Arbeitgeber den Arbeitnehmer am Ende nicht übernimmt, gibt es für den Arbeitnehmer nie mehr eine solche Maßnahme.

Sie richtet sich – von Ausnahmen abgesehen – an Langzeit-Leistungsbezieher, die in sieben Jahren Betrachtungszeit zusammengerechnet sechs Jahre Leistungen des Jobcenters erhielten, wie die Arbeitsvermittlerin und Betriebsakquisiteurin deutlich macht. Zur Maßnahme gehöre ein Coaching.

„Er ist zuverlässig und macht alles“

„Oberstes Ziel ist immer, dass wir es hinbekommen, dass unsere Kunden übernommen werden“, schildert Birgit Ittner. „Wir sind sehr zufrieden“, hebt Betriebsamts-Leiter Michael Hohlheimer hervor.

„Die Arbeit funktioniert sehr gut, er ist zuverlässig, er macht alles.“ Deshalb nehme das Betriebsamt die kompletten fünf Jahre der Förderzeit in Anspruch. Wenn man Helmut Menzel später übernehmen würde, dann wäre eine Planstelle nötig. Auf eine solche könne er sich bewerben, wenn jemand ausscheidet.

Helmut Menzel ist alleinerziehend und muss sich um sein Kind kümmern. Die ersten zwei Jahre arbeitete er daher in Teilzeit und stockte danach auf 100 Prozent auf. „Ich bin froh, dass ich wieder Vollzeit arbeiten kann“, unterstreicht er. Mit mehr verdientem Geld könne er auch seinem Kind etwas bieten.

„So eine Chance kriege ich so schnell nicht mehr”

Mit damals 47 Jahren habe er die Chance unbedingt ergreifen wollen. „Ich habe gedacht: So eine Chance kriege ich wahrscheinlich in meinem Leben so schnell nicht mehr.“ Er habe dank dem Jobcenter, das gefördert habe, auch den Pkw-Führerschein wiedererlangt.

Das zugrunde liegende Teilhabechancengesetz „gibt es erst seit 1. Januar 2019“, informiert die Geschäftsführerin des Jobcenters in der Stadt, Gabriele Lender-Mieke. Inzwischen sei es entfristet und bleibe damit. Im Moment gebe es in Ansbach 14 geförderte Fälle, und 17 hätten die Förderung schon verlassen – erfolgreich oder nicht erfolgreich.

Jobcenter investiert jährlich einen sechsstelligen Betrag

Das Jobcenter Stadt Ansbach investiert in jedem Jahr einen niedrigen sechsstelligen Betrag aus Eigenmitteln in dieses Instrument. So stellt es die Geschäftsführerin Gabriele Lender-Mieke dar. Zusätzlich sei es möglich, weitere Mittel anzuzapfen – was auch geschehe.

Dass er wieder in Arbeit kam, stimmt Helmut Menzel froh. „Irgendwie fällt dir auch die Decke auf den Kopf.“ Mit den Kollegen im Betriebsamt stimme es, und die Arbeit bereitet ihm Freude. „Das ist eigentlich ein wichtiger Punkt.“

Helmut Menzel (Mitte) arbeitet gerne im städtischen Betriebsamt. Dessen Leiter Michael Hohlheimer und Birgit Ittner vom Jobcenter Stadt Ansbach zeigen sich mit der Fördermaßnahme zufrieden. (Foto: Oliver Herbst)
Helmut Menzel (Mitte) arbeitet gerne im städtischen Betriebsamt. Dessen Leiter Michael Hohlheimer und Birgit Ittner vom Jobcenter Stadt Ansbach zeigen sich mit der Fördermaßnahme zufrieden. (Foto: Oliver Herbst)
Helmut Menzel (Mitte) arbeitet gerne im städtischen Betriebsamt. Dessen Leiter Michael Hohlheimer und Birgit Ittner vom Jobcenter Stadt Ansbach zeigen sich mit der Fördermaßnahme zufrieden. (Foto: Oliver Herbst)

Oliver Herbst
Oliver Herbst
... schreibt seit seinem 16. Lebensjahr für die Fränkische Landeszeitung. In über 30 Jahren lernte er dabei viele Menschen und ihre Geschichten kennen - von Burghaslach bis Mönchsroth und von Windsbach bis Schnelldorf. Seit 2014 gehört er zum Team der Lokalredaktion Ansbach.
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